Mittelmeerdiät

Hirn um fünf Jahre jünger

Zahlt sich die Vorliebe für eine mediterrane Küche intellektuell aus? Eine neue Studie zeigt: Ältere Menschen, die gerne Fisch, Gemüse und Nüsse essen und wenig rotes Fleisch, haben ein größeres Hirnvolumen und mehr graue Zellen als ungesund essende Altersgenossen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Guten Appetit!

Guten Appetit!

© Leonid Nyshko / fotolia.com

NEW YORK. Immer wieder deuten Ernährungsstudien auf eine bessere kognitive Leistung und eine geringere Demenzrate bei Menschen, die sich an eine mediterrane Ernährung halten und viel Obst, Gemüse, Fisch, Pflanzenöl und Nüsse konsumieren.

Auch wenn sich aus epidemiologischen Studien nicht klar herausarbeiten lässt, ob die bessere Hirnleistung tatsächlich auf der gesünderen Ernährung beruht oder eher auf einem insgesamt gesünderen Lebensstil - die Idee, das Demenzrisiko über eine gesunde Diät in Schach zu halten, ist zumindest verlockend.

Weniger Zeichen von Verfall

Wenn nun eine gesunde Kost tatsächlich das Demenzrisiko senkt, dann müssten ältere Menschen mit einer Vorliebe für eine solche Diät in der zerebralen Bildgebung deutlich weniger Zeichen von Verfall und Neurodegeneration zeigen.

Das ist in der Tat der Fall, haben Alzheimer-Forscher um Dr. Yan Gu von der Columbia University in New York herausgefunden. Im Schnitt scheinen die Gehirne dieser Menschen bei gleichem Alter deutlich jünger zu sein als die der Schweinefleisch- und Buttertorten-Fraktion (Neurology 2015, online 21. Oktober).

Für ihre Analyse schoben die Forscher 674 demenzfreie Senioren im Alter von im Mittel 80 Jahren ins MRT und unterzogen sie diversen zerebralen Volumenmessungen. Gleichzeitig befragten sie die Teilnehmer nach ihren Ernährungsgewohnheiten.

Mittels einer Zehn-Punkte-Skala legten sie fest, wie gut die Ernährungsweise mit der mediterranen Diät übereinstimmte, und bildeten dann grob zwei Gruppen: Solche mit schlechter und solche mit guter Adhärenz (0-4 versus 5-9 Punkte). Erstere waren leicht in der Überzahl (370 versus 304 Teilnehmer).

Kausalität nicht bewiesen

Es zeigte sich, dass das Hirnvolumen bei Teilnehmern mit überwiegend mediterraner Kost insgesamt um 13,1 ml größer war.

Die Differenz bei der grauen Substanz betrug 5,0 ml und bei der weißen Substanz 6,4 ml zugunsten der mediterranen Kost - jeweils adjustiert auf das intrakranielle Volumen. Berücksichtigt wurden zudem Alter, BMI, Diabetes, Bildungsgrad und Ergebnisse in Kognitionstests.

Die Differenz bei den Volumina entspreche einer normalen Hirnalterung über fünf Jahre hinweg, berichten die Forscher um Gu. Wurden Patienten ausgeschlossen, die bereits leichte kognitive Einschränkungen hatten, dann waren die Unterschiede noch größer.

In einem weiteren Schritt schaute das Team um Gu nach Zusammenhängen zwischen Hirnvolumina und den einzelnen Bestandteilen der mediterranen Diät.

Danach sind für die Unterschiede vor allem ein hoher Fisch- und ein niedriger Fleischkonsum entscheidend. Senioren mit diesen Eigenschaften hatten auch eine signifikant erhöhte Kortexdicke.

Natürlich können die MRT-Daten dieser Querschnittsuntersuchung nicht beweisen, dass eine gesunde Ernährung das Gehirn langsamer altern lässt und eine Demenz hinauszögert.

Sie liefen aber eine Erklärung auf struktureller Ebene, weshalb Menschen mit einer gesunden Ernährung ein geringeres Demenzrisiko haben - unabhängig davon, ob dies nun an der Ernährung liegt oder nicht.

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 30.01.201611:09 Uhr

Es gibt bisher KEINE exakte Definition von "Mittelmeerdiät"

Das hat daher wenig mit Wissenschaft zu tun.
Ist "pasta" und "pizza" nicht vom Mittelmeer?

Dr. Thomas Georg Schätzler 06.01.201616:36 Uhr

Gefüllte Dorade

2 küchenfertig ausgenommene Doraden für 2 Personen, zusammen mindestens 800 g
500 g Spinat, frisch oder TK
2 Schalotten (1 kleine Knoblauchzehe und 5 kleine Tomaten)
Pfeffer, Salz, Nelkenpfeffer (Piment) aus der Mühle, Zitrone, Madeira
50 g Pinienkerne, etwas gehackte Walnüsse
glatte Petersilie

150 g Risotto-Reis
Steinpilze, getrocknet
Parmesan/Pecorino, frisch gerieben, Pfeffer und etwas Salz

Steinpilze in kochend-heißem Wasser einweichen; gehackte Schalotten in Olivenöl glasig anschwitzen (gehackten Knoblauch und Tomaten dazu), mit Madeira ablöschen; Spinat dazu, kräftig würzen, Spritzer Zitrone dazu und kurz anköcheln lassen; Pinienkerne und Walnüsse ohne Fett in der Pfanne anbräunen; Backofen auf 180° Umluft anheizen; Dorade abwaschen, trocken tupfen, innen etwas würzen und mit Spinat und Nussmischung füllen (Tomaten und Spinatrest warm stellen); in den vorgeheizten Backofen 15-20 min bei 180 Grad; zugleich Reis aufsetzen; zum fast fertigen Reis abgetropfte Steinpilze dazu; zum Schluss reichlich geriebenen Parmesan/Pecorino unter den Reis heben.

Warme Tomate, Zitronenscheibe, Petersilie als Deko, Dorade und Steinpilz-Risotto anrichten, Sud und Rest aus der Spinatpfanne angießen - fertig!

Geht auch mit Lachs, Kabeljau, Makrele oder Seelachs mit der Spinatmischung überzogen (Alternative Mangold oder Wirsing gehackt und gedünstet). Bitte kein Aïoli oder Sauce Béarnaise (wie abgebildet): Aïoli li ist zu dominant, Sauce Béarnaise nicht mediterran genug. F-Rosé aus Syrah-Trauben passt ideal.

Dr. Thomas Georg Schätzler 06.01.201614:15 Uhr

Mittelmeerdiät verjüngt Gehirn leider nur relativ gering!

Die Publikation "Mediterranean diet and brain structure in a multiethnic elderly cohort" von Yian Gu et al. bleibt trotz absoluter Zahlenangaben beim Ausmaß der alterungsbedingten Verringerung der Hirnmassen relativ unpräzise. Denn bei durchschnittlich 80 Jahre alten, 674 demenzfreien Senioren mit unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten wurden die im MRT erfassten zerebralen Volumenmessungen bzw. -veränderungen gar nicht erst im prozentualen Verhältnis zum individuellen Gesamtvolumen des Gehirns berechnet.

Doch die Ergebnisse müssen ins richtige Verhältnis gesetzt werden: Hohe Adhärenz zu mediterraner Diät, zu der übrigens auch regelmäßiger (Rot-)Weinkonsum, Weißmehlbrot, Fisch u n d Fleisch gehören, ergab 13,11 Milliliter m e h r Gesamt-Gehirnvolumen, 5,0 m e h r graue Hirnsubstanz und 6,41 Milliliter m e h r weiße Hirnsubstanz... Mehr Fisch und weniger Fleisch zeigten ähnliche Effekte ... ["Results: Compared to lower MeDi (Mediterranean-type diet) adherence (0–4), higher adherence (5–9) was associated with 13.11 (p = 0.007), 5.00 (p = 0.05), and 6.41 (p = 0.05) milliliter larger TBV (Total brain volume), TGMV (total gray matter volume), and TWMV (total white matter volume), respectively. Higher fish (b = 7.06, p = 0.006) and lower meat (b = 8.42, p = 0.002) intakes were associated with larger TGMV. Lower meat intake was also associated with larger TBV (b = 12.20, p = 0.02). Higher fish intake was associated with 0.019 mm (p = 0.03) larger mCT (mean cortical thickness). Volumes of cingulate cortex, parietal lobe, temporal lobe, and hippocampus and CT of the superior-frontal region were associated with the dietary factors."]

Nach Literaturangaben liegt das durchschnittliche menschliche Gehirnvolumen ("brain volume") als Rauminhalt in cm³=1ml ("1 milliliter=1 cubic centimeter") bei 1.446 (Männer) bzw. bei 1.330 (Frauen); o h n e Rückschlüsse auf seine persönliche und gender-spezifische Leistungsfähigkeit zu erlauben
http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/gehirnvolumen/4125
Erstaunlicherweise ist eine Internet-Recherche über die Altersabhängigkeit des physiologischen Hirnvolumens frustran: Nicht einmal einheitliche Messgrößen gibt es. - ml, Gramm und cm³ wechseln sich ab bzw. es gibt offensichtlich gar keine zuverlässigen Messreihen bei altersabhängigen Hirnabbauprozessen.

Aber selbst wenn man im Alter von durchschnittlich 80 Jahren nur noch von einem mittleren Hirnvolumen von 1.200 ml bis 1300 ml ausgeht: Ein Plus von 13,11 Milliliter bedeutet doch nur einen Vorteil von 1,01 Prozent bis 1,09 Prozent an der gesamten Gehirnmasse mehr. Das würde einen altersbedingten „minimal brain damage“ oder ein „mild cognitive impairment“ wohl kaum beeinflussen können, weil die Neuronenverschaltung viel wesentlicher ist.

Der Mensch is(s)t auch mehr als die Summe seiner Ernährungsgewohnheiten. Aus der Otto von Guericke-Universität (OvGU) in Magdeburg kommt ein Senioren-Mobilitäts-orientierter Ansatz.
Rehfeld, Kathrin; Lüders, Angie; Kaufmann, Jörn; Müller, Notger; Hökelmann, Anita haben publiziert: „Strukturelle Volumenänderungen in der grauen und weißen Substanz nach einem sechs-monatigen Tanz oder Gesundheitssporttraining bei Senioren“
In: Performing under pressure : internationales und interdisziplinäres Symposium, 46. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) & Art in Motion 2014 vom 29. - 31. Mai 2014 in München. - Hamburg : Feldhaus, Ed. Czwalina, S. 55 - (Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft; 234) ; Kongress: Internationales und Interdisziplinäres Symposium Performing under Pressure; (München) : 2014.05.29-31 (im Internet leider nicht verfügbar).

Ernährung u n d Bewegung bringt’s!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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