Kritik von Patienten
Schulterzucken in Psychiatrien
Beschwerden von Patienten - auch die Psychiatrie bleibt davon nicht verschont. Ein Berliner Bericht zeigt jetzt, dass nicht alle Einrichtungen konstruktiv damit umgehen.
Veröffentlicht:
Der rote Knopf.
© LaCatrina / fotolia.com
BERLIN. Nach wie vor gehen nicht alle Psychiatrieeinrichtungen aufgeschlossen und konstruktiv mit Kritik und Beschwerden von Patienten um. Das geht aus dem ersten Jahresbericht 2011 der Berliner Beschwerde- und Informationsstelle für Psychiatrie (BIP) hervor.
"Auch wenn einige Beschwerde-Adressaten aufgeschlossen auf Kritik reagieren, gibt es dennoch einige Einrichtungen, die die Mitarbeit verweigern und die Verantwortung für den Beschwerdevorwurf von sich gewiesen haben", sagte BIP-Projektleiterin Petra Rossmanith bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.
Im Bericht wird zudem bemängelt, dass auch bei Einrichtungen mit generell vorhandener Kooperationsbereitschaft die Beschwerdebearbeitung oft sehr aufwändig war, da die Zuständigkeiten für Außenstehende nicht transparent waren oder wechselten.
Das Spektrum der Beschwerden, die bei der BIP eingangen sind, ist breit. Etwa die Hälfte der 468 Beschwerden bezog sich laut Jahresbericht auf strukturelle Mängel.
Patienten beklagten zu lange Wartezeiten, unzureichende Einbindung von Angehörigen, fehlende Orientierungshilfen oder die ungenügende Vernetzung von ambulanten und stationären Hilfsangeboten.
Aber auch die ungewollte Verabreichung von Psychopharmaka, Zwangsbehandlungen wie Zwangseinweisung oder Fixierung, unhöfliche Umgangsformen des Personals, beengte räumliche Unterbringungsverhältnisse, Zweifel an der Qualifikation des Personals, Übergriffe sexueller und gewalttätiger Art waren Gegenstand der Beschwerden.
Seit Februar 2011 unterstützt die BIP Patienten, die bereits in psychiatrischer Behandlung waren, und deren Angehörige bei der Bewältigung von Problemen, die mit Psychiatrieaufenthalten zusammenhängen.