E-Health

Deutschland braucht mehr Expertise

Deutschland hängt sich ab. Eine Expertin warnt vor Scheuklappen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens.

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BERLIN. Der Aufbau der Telematikinfrastruktur, die Entwicklung der elektronischen Patientenakte, das elektronische Rezept und der Medikationsplan: Auf der Baustelle „Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland“ wird heftig gewerkelt. Professorin Sylvia Thun, Ärztin und Softwareingenieurin, hat nun davor gewarnt, bei der Entwicklung des digitalen Gesundheitssystems internationale Standards zu missachten und damit die Einbindung des Gesundheitssystems in größere Forschungs-, Diagnose- und Therapiezusammenhänge auszubremsen. „Wir gefährden Patienten dadurch, dass wir nichts tun“, sagte die Direktorin für eHealth und Interoperabilitität am Berliner Institut für Gesundheitsforschung bei der Veranstaltung „AOK im Dialog“ am Mittwoch in Berlin.

Bislang werde die internationale Standardisierung aus allen Spezifikationen herausgehalten, sagte Thun. In Deutschland gesammelte Daten drohten damit ins Leere zu laufen und für Anwendungen Künstlicher Intelligenz – Stichwort Präzisionsmedizin – nicht zur Verfügung zu stehen. So habe das Bundesgesundheitsministerium zum Beispiel beschlossen, sich nicht der „Weltfachsprache“ „Snomed“, ein Code wie ICD 10, für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten anzuschließen.

Deutschland müsse raus aus dem „Patientenakten-Wirr-Warr“, sagte Thun. Die Zuständigkeiten seien zersplittert. Daten-Chaos und Überbürokratie drohten. Sich darauf zu verlassen, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung alles regeln werde, reiche nicht aus. „Wir brauchen eine große Community von Experten“, sagte Thun.

Eine Lösung könne eine übergeordnete Koordinierungsstelle für digitale Gesundheitsversorgung sein, wie es sie in USA und anderen Staaten gebe, schlug Thun vor. (af)

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