Studie

Kostendruck beeinflusst Krankenhausärzte bei Behandlung

Wie weit geht die Gewinnorientierung in Kliniken? Eine neue Studie, die von einem Mediziner und einem langjährigen Klinikmanager aufgelegt wurde, zeichnet ein erschreckendes Bild.

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Einer aktuelllen Analyse zufolge werden ärztliche Entscheidungen durch betriebswirtschaftliche Vorgaben beeinflusst – und nicht unbedingt allein durch medizinische Gründe.

Einer aktuelllen Analyse zufolge werden ärztliche Entscheidungen durch betriebswirtschaftliche Vorgaben beeinflusst – und nicht unbedingt allein durch medizinische Gründe.

© AntonioDiaz / stock.adobe.com

BREMEN. Der Analyse zufolge werden ärztliche Entscheidungen durch betriebswirtschaftliche Vorgaben beeinflusst. Bundesweit komme es aus Kostengründen etwa vor, dass Patienten ohne medizinischen Grund im Krankenhaus behandelt würden, sagte Professor Karl-Heinz Wehkamp vom Socium Forschungszentrum der Universität Bremen. "Das System geht auf Lasten der Patienten und zu Lasten der Medizin", sagte der Mediziner am Montag. Auch das Krankenhauspersonal stehe unter enormem Druck.

Für ihre selbst finanzierte Studie befragten Wehkamp und Prof. Heinz Naegler aus Berlin rund 60 Ärzte und Geschäftsführer aus Krankenhäusern in zwölf Bundesländern. Ihren rund 250 Seiten langen Bericht wollen sie im Dezember als Buch veröffentlichen. Über die Studie hatte zunächst der NDR berichtet.

In Interviews und Diskussionen gaben Ärzte und Geschäftsführer an, dass Entscheidungen über Aufnahme, Behandlungsart und Entlassung eines Patienten ohne Kostendruck häufig anders ausfallen würden. Demnach bieten Ärzte zum Beispiel eher gewinnbringende Behandlungsverfahren an. Beim Personal wiederum sorge die Arbeitsverdichtung für gesundheitliche Risiken.

"Erschreckend ist, dass die Politik das nicht zur Kenntnis nehmen will", sagte Wehkamp. In der Branche gebe es strukturelle Steuerungsschwächen und teilweise Fehlanreize. (dpa)

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