Studie

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz/Kreislauf?

Energy-Drinks haben im Vergleich zu üblichen Getränken mit gleichem Koffeingehalt eine durchschlagendere Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist auch sechs Stunden nach dem Konsum noch erhöht. Möglicherweise sind hierfür weitere Inhaltsstoffe verantwortlich.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Im Energy-Drink bringt offenbar nicht nur das Koffein das Herz aus dem Takt.

Im Energy-Drink bringt offenbar nicht nur das Koffein das Herz aus dem Takt.

© beermedia / Fotolia

TRAVIS AFB. Koffeinmengen unter 400 mg gelten der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zufolge als ungefährlich für den menschlichen Organismus. Ob allerdings die Zusatzstoffe in Energy-Drinks die Wirkung der Getränke beeinflussen können, darüber ist bislang noch wenig bekannt.

In einer randomisierten doppelblinden, koffeinkontrollierten Cross-over-Studie haben Emily Fletcher vom David Grant Medical Center, Travis AFB, und Kollegen jetzt die Wirkung von Energy-Drinks auf Blutdruck und EKG untersucht (J Am Heart Assoc. 2017;6:e004448).

Unterschiede bei QTc und Blutdruck

Hierfür hatten sich 18 gesunde Probanden zwischen 18 und 40 Jahren zur Verfügung gestellt, die entweder 946 ml Energy-Drink oder ein anderes koffeinhaltiges Getränk (Kontrollgruppe) gleichen Koffeingehalts (jeweils 320 mg) zu sich nahmen. Im Anschluss wurde über 24 Stunden mehrfach der periphere und zentrale Blutdruck gemessen sowie ein EKG gemacht.

Zwei Stunden nach Aufnahme des Energy-Drinks oder des Kontrollgetränks zeigte sich hinsichtlich der Veränderungen der frequenzkorrigierten QT-Zeit (QTc) gegenüber dem Ausgangswert ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen (+0,44 vs. –10,4 ms). Keine Gruppenunterschiede ergaben sich bei den Effekten auf Herzfrequenz, bei QT- und PR-Intervall sowie bei der QRS-Dauer. Der periphere systolische Blutdruck lag sechs Stunden nach Konsum des Energy-Drinks noch immer 4,72 mmHg über dem Ausgangswert, in der Kontrollgruppe dagegen nur um 0,83 mmHg. Beim Augmentationsindex war nach der gleichen Zeitspanne in der Energy-Drink-Gruppe ein Rückgang gegenüber der Kontrollgruppe festzustellen (–3,72 vs. +1,50). Keine Gruppenunterschiede zeigten sich zu irgendeinem Zeitpunkt für den peripheren diastolischen Blutdruck sowie dem zentralen systolischen und diastolischen Druck.

Taurin, Carnitin und Ginseng

15 der Energy-Drink-Konsumenten und 13 der Kontrollprobanden berichteten während der 24-stündigen Beobachtungszeit über unerwünschte Nebeneffekte wie Angst, Benommenheit, die Unfähigkeit einzuschlafen, Dyspepsie, Epistaxis, Kopfschmerz, Überdrehtheit, Übelkeit, Palpitationen und Kurzatmigkeit, ohne gravierende Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Da eine Verlängerung der QT-/QTc-Zeit um mehr als 60 ms im Vergleich zum Ausgangswert beziehungsweise ab einem Wert von 500 ms als Marker für eine lebensbedrohliche Arrhythmie gilt, wurde dieser Parameter in mehreren Studien nach dem Konsum von Energy-Drinks untersucht.

Die aktuelle Studie, so Fletcher und Kollegen, sei eine der ersten koffeinkontrollierten Untersuchungen, bei der zwei Stunden nach Genuss eines Energy-Drinks eine signifikante QTc-Verlängerung erkennbar war.

Künftig müsse untersucht werden, inwieweit weitere Inhaltsstoffe von Energy-Drinks wie Taurin, L-Carnitin und Panax ginseng für die beobachteten Veränderungen verantwortlich seien. Für deren hämodynamische Effekte spreche auch der sechs Stunden nach dem Energy-Drink noch immer erhöhte systolische Blutdruck.

4,72 mmHg über dem Ausgangswert lag der periphere systolische Blutdruck sechs Stunden nach Konsum des Energy-Drinks. In der Kontrollgruppe lag der Wert dagegen nur 0,83 mmHg darüber.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche

Lesetipps
Im alten Praxisverwaltungssystem kennen Arzt, Ärztin und Team jeden Kniff. Nach dem Wechsel will vieles neu gelernt sein. Auf die Dauer kann es sich dennoch lohnen, sich für ein neues, modernes System zu entscheiden, wenn der Wechsel gut vorbereitet ist.

© kozirsky / stock.adobe.com

Kollegen-Tipps zum PVS-Umstieg

Praxisverwaltungssystem erfolgreich wechseln: Auf diese Punkte kommt es an

Ein medizinischer Pfleger schneidet einem älteren Patienten in der Klinik die langen Fußnägel.

© amfer75 / stock.adobe.com

Long-Toenail-Sign

Was lange Zehennägel bei älteren Patienten über die Gesundheit verraten