Direkt zum Inhaltsbereich

Rote-Hand-Brief

Biotin kann Laborergebnis verfälschen

Biotin kann Laborergebnisse verfälschen, deren Testprinzip auf einer Wechselwirkung zwischen Streptavidin und Biotin beruht. Darauf weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hin.

Veröffentlicht:

BERLIN. Ärzte sollen vor Laboruntersuchungen bei Patienten eine Biotin-Anamnese erheben. Darauf verweisen die Hersteller von Biotin-Präparaten (Vitamin B7) in einem neuen Rote-Hand-Brief hin. bei positiver Anamnese sollte Rücksprache mit dem Labor gehalten werden, da Biotin die Laborergebnisse verändern kann.

Biotin wird als Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und in diätetischen Lebensmitteln angeboten. Betroffen sind Präparate, die mehr als 150 Mikrogramm Biotin pro Dosiseinheit enthalten, sowie Parenteralia mit mindestens 60 Mikrogramm Biotin pro Dosiseinheit.

Sie bergen laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) die Gefahr, dass die Ergebnisse von Laboruntersuchungen durch Biotin-Interferenzen falsch ausfallen. Dies stelle somit ein Risiko für verzögerte oder falsche Diagnosestellung sowie für unnötige oder ausbleibende Behandlungen dar.

Laboruntersuchungen (klinische Immunoassays), die auf einer Wechselwirkung zwischen Streptavidin und Biotin beruhen, werden nach Angaben der AkdÄ etwa zur Bestimmung zahlreicher Biomarker (z. B. Hormone, Herz-, Tumor-, Infektionsmarker), zur Konzentrationsbestimmung von Arzneistoffen sowie teilweise bei der patientennahen Labordiagnostik („Point-of-Care“-Tests etwa zur Troponin-Bestimmung) und Screeningtests (zum Beispiel auf HIV) eingesetzt. Je nach Testprinzip könne dabei die Einnahme von Biotin zu falsch-positiven (kompetitives Testprinzip) oder falsch-negativen (Sandwichprinzip) Ergebnissen führen.

Die AkdÄ rät daher, dass:

  • Patienten vor einer Laboruntersuchung über eine eventuelle Biotin-Einnahme befragt werden.
  • bei Diskrepanz zwischen Laborwerten und klinischen Symptomen oder anderen Untersuchungen die Möglichkeit einer Biotin-Interferenz in Betracht gezogen wird.
  • bei der Abgabe entsprechender Präparate in der Apotheke auf das Risiko verfälschter Laborwerte hingewiesen wird.
  • besondere Aufmerksamkeit bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Neugeborenen, Kindern und Schwangeren gelten sollte.
  • alternative Testmethoden bevorzugt werden sollen, falls das Risiko einer Biotin-Interferenz besteht. (run)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen

Weniger Spätkomplikationen

Frühe HbA1c-Kontrolle zahlt sich aus

Lesetipps
Eine Frau sitzt am Tisch und misst ihren Blutzucker am linken Zeigefinger.

© Felippe Lopes / Generated with AI / Stock.adobe.com

Potenzielle Über- und Untertherapie

Medikation des Typ-2-Diabetes wird im Alter zu selten angepasst