Nosokomiale Infektionen

Wie der Handschuhzwang hilft

Um nosokomiale Infektionen zu vermeiden, kann das Personal angewiesen werden, bei jedem Patientenkontakt frische Handschuhe anzuziehen. Pädiater hatten so großen Erfolg.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Zeigt her eure Handschuhe.

Zeigt her eure Handschuhe.

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IOWA CITY. Versorgungsforscher untersuchten in einer retrospektiven Kohortenstudie, wie sich das Tragen von Handschuhen auf die Rate nosokomialer Infektionen in den pädiatrischen Abteilungen der Universitätsklinik von Iowa City auswirkte (Pediatrics 2013; 131: e1515).

Die Analyse erstreckte sich auf die Jahre 2002 bis 2010. In dieser Zeit zogen sich 686 Patienten während ihres stationären Aufenthalts eine Infektion zu, wobei diese Zahl vor dem Hintergrund von mehr als 360.000 Patiententagen im untersuchten Zeitraum zu sehen ist.

In diesen neun Jahren war es dem medizinischen Personal während der Erkältungszeit vorgeschrieben, bei jedem Patientenkontakt frische Handschuhe überzustreifen.

Das Risiko eines nosokomialen Infekts sank während der Zeiten der Handschuhpflicht im Vergleich zu den handschuhfreien Perioden um 25 Prozent.

Infektionen der Blutbahn ereigneten sich allgemein um 37 Prozent und im Zusammenhang mit liegenden zentralen Venenkathetern um 39 Prozent seltener. Die Gefahr, in der Klinik an einer Pneumonie zu erkranken, ging um 80 Prozent zurück.

Besonders deutlich schlugen die verminderten Risiken auf der pädiatrischen, der Neugeborenen-Intensivstation und der Station für Knochenmarktransplantationen zu Buche.

In der hämatologisch / onkologischen Abteilung und auf der Normalstation fielen die Ergebnisse hingegen nicht signifikant aus. Im Jahr 2009 war die Pflicht zum Handschuh wegen der H1N1-Pandemie verlängert worden.

Die Infektionsraten waren dennoch gestiegen - für die Forscher aus Iowa ein Indiz, dass die Pflicht manchem als Last erschienen war und die Handschuhe womöglich nicht oft genug gewechselt wurden.

Die Ergebnisse insgesamt sprechen in ihren Augen jedenfalls dafür, die Handschuhpflicht bei Patientenkontakten zumindest für pädiatrische Intensivstationen auf das gesamte Jahr auszuweiten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Lästige Pflicht?

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 06.05.201319:06 Uhr

Hospitalismus

Die US-Amerikaner an der Kinderklinik in Iowa City haben angeblich durch sofortigen Handschuhwechsel nach jedem Patientenkontakt die Quote der Krankenhausinfektionen erheblich senken können. Das ist zunächst gut für die Statistik!
Daß dieses Prozedere bei Manipulationen an vorgeschädigten Organzugängen wie Verweilkathetern, Wunddränagen, Verbandswechsel u.a. medizinischen Eingriffen selbstverständlich ist, bedarf keiner Erörterung, sondern ist Hygienestandard.
Wenn diese Prophylaxe- Maßnahme zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen aller Art aber neun Jahre lang nur in der "Erkältungs-Zeit" Anwendung fand, dann wäre das sträflich.
Schließlich gehören die virtuellen Erreger von Vogel- und Schweinegrippe nicht zu den altbekannten Hospital-Keimen (MRSA etc.), solange im Krankenhaus keine Tierhaltung stattfindet.
Im nicht-operativen Bereich kann nach m.E. der Patientenkontakt mit dem Latex-Handschuh aber auch überflüssig, wenn nicht sogar der Hospitalität (lat. hospitium = das gastfreundliche Haus) abträglich sein.
Ich denke, daß dies besonders auf einer Kinderstation vielleicht sogar die wichtige Kontaktfreude und das Vertrauen zwischen medizinischen Personal und den kleinen Patienten erheblich beeinträchtigen kann.
Eine gepflegte, nicht gummierte Hand dürfte wirklich patientenfreundlicher sein, weil sie nicht ständig die "Infektions-Gefahr" signalisiert.
Für die normalen pflegerischen Maßnahmen bei unverletzter Haut ist die auch gar nicht gegeben, wenn zwischen dem Patienten-Wechsel der Chefarzt und sein Gefolge sich einfach die Hände wäscht.
Das hatte ja schon der Professor Semmelweiß vor hundert Jahren herausgefunden.
Und zwar nicht mit der neumodischen, hautschädigenden Flüssigseife (da könnte er auch gleich Spüli nehmen), sondern mit einem individuellen med. Seifenstückchen im pers. Behältnis in der Kitteltasche.
Damit wird die Medizinalhand ausreichend von der transienten Hautflora dekontaminiert und ist nicht mehr "ansteckend".
Mir selbst tun unsere Operateure leid bei der wiederholten prä-operativen Zeremonie der chirurgischen Händedesinfektion mit minutenlangen Epithel-Abschrubben und anschließender Alkohol-Behandlung. Vom Sensibilitäts-Verlust der Tastkörperchen unterm Gummi-Handschuh ganz zu schweigen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

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