Multiresistente Erreger

Antibiotika: Neue Klasse entdeckt

Der Wirkstoff Lugdunin bildet eine neue Stoffklasse und tötet auch multiresistente Erreger ab.

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TÜBINGEN. In der menschlichen Nase haben Tübinger Forscher ein neues Antibiotikum entdeckt. Es habe eine völlig andere Struktur als die bisher bekannten und könne auch multiresistente Erreger bekämpfen, schreiben die Wissenschaftler im Journal "Nature" (2016; 535,511-516).

Der Wirkstoff mit dem Namen Lugdunin tötete in Maus-Versuchen auch Bakterienstämme, die gegen andere Antibiotika resistent sind. Produziert wird der Stoff vom Bakterium Staphylococcus lugdunensis, das bei Menschen natürlicherweise in der Nase vorkommt.

Bei Experimenten war den Forschern um Professor Andreas Peschel vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin Tübingen aufgefallen, dass Staphylococcus aureus nur selten in menschlichen Nasen zu finden ist, wenn Staphylococcus lugdunensis ebenfalls in der Nase vorkommt. "Normalerweise werden Antibiotika nur von Bodenbakterien und Pilzen gebildet", so Peschel.

In Zukunft soll untersucht werden, ob Lugdunin tatsächlich therapeutische Anwendung finden könnte. Denkbar wäre etwa, Risikopatienten mit Lugdunin-bildenden Bakterien zu besiedeln, um so das Risiko von MRSA-Infektionen zu senken. Schwierigkeiten für eine klinische Anwendung könnte laut eines Nature-Kommentars zwei Bostoner Wissenschaftler jedoch der Wirkmechanismus bereiten, der wahrscheinlich an der Synthese größerer Zellstrukturen wie der Membran ansetze und somit möglicherweise auch menschlichen Zellen gefährlich werden könnte.

Ob dies der Fall sei, könne jedoch frühestens in mehreren Jahren geklärt werden, wendet Dietmar Pieper vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, ein: "Bei der Entwicklung von Antibiotika rechnet man in Jahrzehnten." Lugdunin müsste auf alle möglichen Wechselwirkungen im Körper hin genau untersucht werden. Insgesamt aber beurteilt er die Arbeit der Forscher als "gut gemachte Studie, die mir gefällt". (dpa/mmr)

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