Direkt zum Inhaltsbereich

Harninkontinenz: Therapie an Nebenwirkungen ausrichten

Die zur Therapie bei Dranginkontinenz verwendeten Arzneimittel unterscheiden sich von ihrer Wirksamkeit her kaum, hat eine Analyse ergeben.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Starker Harndrang: Arzneien machen viele Patienten wieder kontinent.

Starker Harndrang: Arzneien machen viele Patienten wieder kontinent.

© Sayanski / shutterstock.com

MINNEAPOLIS. Bei Dranginkontinenz sollten Ärzte die Therapie vor allem am Nebenwirkungsprofil ausrichten, denn die Unterschiede in der Wirksamkeit der einzelnen Präparate sind eher gering, so das Ergebnis einer großen Analyse.

Was ist die beste medikamentöse Therapie bei Dranginkontinenz? Dieser Frage sind Ärzte um Dr. Tatyana Shamliyan von der University of Minnesota in Minneapolis nachgegangen (Ann Intern Med 2012, online am 9. April).

In einer Metaanalyse schauten sie sich die Ergebnisse von 94 placebokontrollierten Studien genauer an. Besonderen Wert legten die Wissenschaftler dabei auf die Kontinenzraten sowie auf die Verträglichkeit der jeweiligen Therapien.

Trockener Mund häufigste Nebenwirkung

Insgesamt wurden 13 Prozent der mit Fesoterodin behandelten Frauen wieder kontinent, 11,4 Prozent waren es jeweils mit Oxybutynin und Trospiumchlorid, 10,7 Prozent mit Solifenacin und 8,5 Prozent mit Tolterodin - allerdings sind diese Zahlen nicht direkt vergleichbar, da in den Studien unterschiedliche Patientengruppen behandelt wurden.

In 21 Studien wurden jedoch auch Medikamente direkt verglichen. Dabei war Fesoterodin etwas effektiver als Tolterodin bei den Kontinenzraten und bei der Symptomlinderung.

Allerdings kam es unter Fesoterodin auch häufiger zu Therapieabbrüchen als mit Tolterodin oder Oxybutynin. In den Vergleichsstudien war zudem Trospiumchlorid wirksamer als Oxybutynin, und mit Solifenacin war die Kontinenzrate höher als mit Tolterodin.

Über alle Studien gemittelt waren die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen mit Oxybutynin am höchsten (6,3 Prozent), gefolgt von Fesoterodin (3,1 Prozent), Trospiumchlorid (1,8 Prozent) und Solifenacin (1,3 Prozent ).

Die häufigste Nebenwirkung war Mundtrockenheit, dazu kam es am häufigsten bei einer Therapie mit Oxybutynin.

Medikamente wirksam

Das Fazit der Autoren: Die Medikamente waren alle deutlich wirksamer als Placebo, die Unterschiede bei der Wirksamkeit der einzelnen Präparate aber eher gering, sodass für eine Therapieentscheidung vor allem das Nebenwirkungsprofil relevant ist.

Das Team um Shamliyan gibt zu bedenken, dass die meisten der kontrollierten Studien nur zwei bis drei Monate dauerten und es insgesamt wenig Angaben gab, ob und wie stark sich die Lebensqualität der Frauen durch die Therapie verbesserte.

Analysen zum Langzeitgebrauch von Medikamenten gegen Harninkontinenz hätten ergeben, dass mehr als die Hälfte der behandelten Frauen nach einem Jahr die Therapie abgesetzt hatte.

Auch hätten offene Studien deutlich höhere Abbruchraten gezeigt als placebokontrollierte Studien, was daran liegen könnte, dass die im Praxisalltag übliche Polypharmazie die Nebenwirkungen noch verstärkt.

Quelle: www.springermedizin.de

Schlagworte:
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: CONTENT-1- und CONTENT-2-Studie: Veränderung der Anzahl an wöchentlichen NDOI-Episoden gegenüber dem Ausgangswert

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

74. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU)

Überzeugende Daten zu NDO, RCC und PCA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Ipsen Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Dermatologin Yael Adler gibt Tipps

Wie man Hypochondern in der Praxis am besten begegnet

Erfahrungen einer Praxismanagerin

Praxisbegehung angekündigt? Die wichtigsten Tipps zur Vorbereitung

Biopsychosozial vorgehen!

So unterstützen Sie Ihre Patienten bei funktionellen Körperbeschwerden

Lesetipps
Arzt hält Modell vom Herzen in rechter Hand und Blutzuckermessgerät in linker Hand.

© RF (royalty free)

Risiko einschätzen und Lebensstil ändern

Diabetes und Vorhofflimmern: Das hilft gegen die gefährliche Kombi

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

Eine Illustration zeigt, wie mittels einer Spritze ins Auge gestochen wird.

© Asset Arc / stock.adobe.com / generated AI

Neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration

Anti-VEGF-Injektionen: Versäumte Termine kosten nAMD-Patienten wohl Sehschärfe