US-Studie

Statinanwender essen immer fetter

Der Lipidsenker wird's schon richten, scheinen viele Patienten zu denken - und futtern während der Behandlung mit Statinen mehr, als ihnen gut tut.

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Ich nehme doch Fettsenker, da kann ich ja kräftig zuschlagen - es hat den Anschein, als ob Patienten mit Hyperlipidämie mit solchen Argumenten nicht selten ihr Gewissen beruhigen.

Ich nehme doch Fettsenker, da kann ich ja kräftig zuschlagen - es hat den Anschein, als ob Patienten mit Hyperlipidämie mit solchen Argumenten nicht selten ihr Gewissen beruhigen.

© Juanmonino / thinkstock

TOKIO. Die Umstellung der Ernährung steht bei Hyperlipidämien an erster Stelle - wenn es nach den Leitlinien geht. Die Realität sieht anscheinend anders aus.

Immer mehr Patienten erhalten Statine, doch immer weniger befolgen Ernährungsempfehlungen, so die Beobachtung in der NHANES-Studie.

In der für die US-amerikanische Bevölkerung repräsentativen Studie wurden 27.886 Erwachsene von 1999 bis 2010 regelmäßig zu ihrem Lebensstil und ihrem Gesundheitszustand befragt (JAMA Intern Med 2014; online 24. April).

In dieser Zeitspanne hat sich der Anteil der Studienteilnehmer mit einer Statintherapie mehr als verdoppelt, von anfangs 7,5 auf 16,5 Prozent. Parallel dazu ist der Fett- und Kalorienkonsum deutlich gestiegen - allerdings nur bei den Statinanwendern, und zwar um 9,6 und 14,4 Prozent.

In den Jahren 1999/2000 hatten die Patienten mit Statintherapie noch signifikant weniger Fett und Kalorien zu sich genommen als Nicht-Statin-Anwender (2000 vs. 2179 kcal pro Tag; 71,7 vs. 81,2 g Fett pro Tag). Dieser Unterschied wurde mit den Jahren immer kleiner.

2009/2010 war die Ernährung von Statinpatienten dann zumindest numerisch sogar fett- und kalorienhaltiger als die von Personen ohne Lipidsenker (2192 vs. 2138 kcal pro Tag; 82,0 vs. 79,3 g Fett pro Tag).

Medikamente statt Lebensstiländerung

Erwartungsgemäß schlug sich das im Körpergewicht nieder: In der untersuchten Dekade hatte der BMI bei den Statinnutzern um 1,3 kg/m2, bei den anderen Teilnehmern dagegen nur um 0,4 kg/m2 zugenommen.

Die Vermutung der Studienautoren um Dr. Takehiro Sugiyama aus Tokio: Patienten, deren Cholesterinspiegel durch ein Statin gesenkt wird, sehen keine Notwendigkeit mehr für diätetische Maßnahmen - und werden von ihren Ärzten möglicherweise auch nicht genug darauf hingewiesen.

Allerdings lassen die Daten auch die Interpretation zu, dass eine Ausweitung der Statintherapie vor allem bei dicken Patienten stattgefunden hat.

In jedem Fall müsse man sich die Frage stellen, ob es eine akzeptable Strategie sei, die Anwendung von Statinen zu fördern, wenn Maßnahmen unterbleiben, die verhindern, dass unter der Therapie vermehrt Kalorien und Fett aufgenommen werden.

"Wir müssen die Bedeutung von Ernährungsmodifikationen für Statinanwender wieder mehr betonen", fordern die Autoren. (BS)

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Kommentare
Michael Odinius 16.05.201412:21 Uhr

Ernährungstherapie kann einfach eingebunden werden

In dem Artikel wird die Frage gestellt, „ ob es eine akzeptable Strategie sei, die Anwendung von Statinen zu fördern, wenn Maßnahmen unterbleiben, die verhindern, dass unter der Therapie vermehrt Kalorien und Fett aufgenommen werden.“

Hierzu der Hinweis, dass die Arzneimitterichtlinien Statine von der Verordnung ausschließen, sofern nicht „nichtmedikamentöde Maßnahmen“ nachweislich gescheitert sind. Dies ist zu dokumentieren.

Diese „ nichtmedikamentösen Maßnahmen“ sind definierter Leistungsinhalt der Kassen nach § 43 SGB V, der von Patienten bei der Kasse beantragt werden kann.

Hierbei handelt es sich um „ergänzende Leistungen zur Rehabilitation“. Sie beinhalten „qualitativ hochwertige, wirksame und effiziente individuelle beratungs- und gruppenbezogene Schulungsmaßnahmen“ durch anerkannte Einrichtungen, anerkanntes Fachpersonal.

Die auf Anordnung des Arztes veranlassten Leistungen von Ernährungsfachkräften gehören zu den ärztlichen Leistungen, und diese wiederum sind Bestandteil der Krankenbehandlung nach § 27 SGB V.

Voraussetzung ist die medizinische Notwendigkeit, die in den beschriebenen Fällen allerdings gegeben ist.

Leistungsanbieter müssen dann von der Kasse benannt werden.

Leider ist den meisten Ärzten - damit aber auch den Patienten - nicht bekannt, dass indiktationsbezogen und als chronisch Kranke Anspruch auf diese Leistungen besteht, weshalb die zu Verfügung stehende Therapie bei qualifizierten Ernährungstherapeuten nicht zum tragen kommt.

Die frühzeitige Statinverordnung hingegen ist gängige Praxis mit offensichtlich fragwürdigem Erfolg, darüber hinaus, genau genommen nicht einmal rechtskonform und verbunden mit einem Regressrisiko.

Bedauerlicher Weise lassen die S3 Leitlinien den Hinweis vermissen, dass diese Leistungen definierter Leistungsinhalt der Kassen sind und wie die Verordnungsmodalitäten sind.

Dies trägt sicherlich zu der unbefriedigenden Situation der unzulänglichen Nutzung basistherapeutischer Ernährungstherapie nicht nur in der Lipidtherapie bei.

Michael Odinius
FA f Allgemeinmedizin
Ernährungsmedizin
Barsbüttel

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