Direkt zum Inhaltsbereich

Das WHO-Stufenschema erleichtert die Schmerzbehandlung

Auch bei Krebspatienten ist die Schmerztherapie noch immer nicht ausreichend. Dabei wird durch die Beschränkung auf wenige schmerzlindernde Mittel im Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation die Einstellung der oralen medikamentösen Behandlung wesentlich erleichtert.

Veröffentlicht:

Von einer "skandalösen Unterversorgung von Patienten, die mit einer Tumorerkrankung leben oder sich in ihrer letzten und schwierigsten Lebensphase befinden", spricht der Schmerztherapeut Dr. Thomas Nolte aus Wiesbaden. Tatsächlich haben Jahr für Jahr weit mehr als die Hälfte der 250 000 Tumorschmerzpatienten in Deutschland nicht ausreichend gelinderte Schmerzen.

Dies geht aus einer Untersuchung des Arbeitskreises Tumorschmerztherapie der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes von 2003 hervor. Dabei gehören Schmerzen bei Tumorpatienten zu den häufigsten Symptomen. Bei einigen Patienten sind sie sogar das erste Symptom, das sie spüren.

Epidemiologischen Studien zufolge haben 20 bis 50 Prozent der Patienten schon zu Beginn der Krankheit Schmerzen, 75 bis 90 Prozent dann bei fortgeschrittener Erkrankung. Bereits durch die richtige Anwendung der verfügbaren therapeutischen Möglichkeiten in der Schmerztherapie könne bei über 90 Prozent der Tumorschmerzpatienten eine ausreichende Schmerzlinderung erzielt werden, meint Nolte.

Es gehe dabei vor allem darum, Lebensqualität durch effektive Schmerz- und Symptomkontrolle zu erhalten oder auch wiederzugewinnen. Dieser Zeitpunkt werde häufig jedoch nicht erkannt, und es werde daher auch nicht entsprechend gehandelt.

Die Empfehlungen zur Therapie bei Tumorschmerzen ruhen auf dem 3-Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation zur Krebsschmerztherapie. In der Stufe 1 werden bei leichteren Schmerzen Nicht-Opioid-Analgetika angewendet. Ist die Schmerzlinderung unzureichend, wird in der zweiten Stufe das Nicht-Opioid-Analgetikum mit einem schwachen Retard-Opioid wie Tramadol oder Tilidin kombiniert.

Ist auch das nicht ausreichend schmerzlindernd, wird in der dritten Stufe das Nicht-Opioidanalgetikum mit einem stark wirksamen Retard-Opioid, etwa Morphin, Oxycodon oder Hydromorphon, kombiniert. Kommt es zu Durchbruchschmerzen, etwa bei Bewegung, Husten oder Defäkation, sollte auf allen Stufen des WHO-Schemas mit einem schnell anflutenden Opioid wie unretardierte Morphintabletten oder Fentanyllutscher kombiniert werden.

Der Schmerztherapeut Professor Michael Zenz aus Bochum empfiehlt, sich bei der Therapie an einige wenige Grundregeln zu halten. So sollten die Dosisintervalle an die Wirkungsdauer angepaßt werden. So weit es geht, sollten retardierte Opioide oder Präparate mit langer Wirkungsdauer verwendet werden.

Transdermale Opioide können nur bei Patienten mit stabilem Schmerzniveau genutzt werden. Verfügbar sind Buprenorphin- und Fentanyl-Matrixpflaster.

Bei Patienten mit schmerzenden Knochenmetastasen sind nach Ansicht von Nolte im Therapieplan auch Bisphosphonate - meist parenteral verabreicht - unverzichtbar. Bei Schmerzen durch Entzündungen wie auch bei Appetitmangel - meist in späteren Krankheitsstadien - sei auch niedrigdosiertes Kortison sinnvoll, das antiphlogistisch sowie antianorektisch wirkt.

Weil bei vielen Krebspatienten Opioide als Monotherapie nicht ausreichen, können auf allen Stufen die Analgetika mit Koanalgetika wie Antidepressiva, Antikonvulsiva, Bisphosphonaten und Kortikosteroiden kombiniert werden. Benzodiazepine seien für die Schmerztherapie nicht geeignet, so Zenz. (ple)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Deutliche Geschlechterunterschiede

Typ-2-Diabetes verschlechtert Prognose von Männern mit frühem Melanom

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Roboterhand zeigt auf ein Stethoskop

© Slowlifetrader / stock.adobe.com / mit KI generiert

Künstliche Intelligenz

ChatGPT im Praxisalltag nutzen: Wieso diese Verlockung gefährlich ist

Ein Mann tippt etwas auf einem Laptop.

© tippapatt / stock.adobe.com

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Eine Frau mit Rhinitis putzt sich ihre laufende Nase.

© onephoto / stock.adobe.com

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden