Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Neue S3-Leitlinie

Ernährungs-Screening bei Menschen mit Krebs sollte Routine werden

Die Ernährung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Krebstherapie. Aber medial gehypte Krebsdiäten? Keine gute Idee. Das betont eine neue S3-Leitlinie, die beim Krebskongress vorgestellt wurde.

Veröffentlicht:
Ein Mann im Krankenhaus beim Essen.

Zur Ernährung bei chirurgischen Tumortherapien gibt es in der S3-Leitlinie erstmals ein eigenes Kapitel.

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Die S3-Leitlinie „Ernährung und Ernährungsmedizin in der Onkologie“ ersetzt die Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ aus dem Jahr 2015. Erstmals erfolgte die Erstellung im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

„Wir erhoffen uns davon eine breitere Leserschaft für die Leitlinie. Die Ernährung und der Ernährungszustand bei Krebs brauchen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit“, betonte Prof. Diana Rubin vom Zentrum Ernährung und Diabetologie der Vivantes Kliniken.

Rubin ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), die die neue Leitlinie zusammen mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) federführend koordiniert hat. Sie hat am Donnerstag beim Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin eine Highlight-Sitzung zur neuen Leitlinie geleitet.

Die Expertin weist u.a. auf die Schweizer EFFORT-Studie hin, bei der Krebspatienten eine relevante Subgruppe waren. Die EFFORT-Studie hatte gezeigt, dass bei stationären Patientinnen und Patienten durch ein Screening auf Mangelernährung und bei Bedarf eine strukturierte Ernährungstherapie Sterblichkeit und Komplikationen verringert werden.

Ernährungsscreening sollte Routine werden

Eine zentrale Empfehlung der neuen S3-Leitlinie ist daher, dass der Ernährungsstatus bei allen Krebsbetroffenen evaluiert werden sollte. Idealerweise, so Rubin, geschehe dies durch etablierte Screening-Tools wie NRS-2002 im stationären und MUST im ambulanten Bereich: „Das Screening sollte in den onkologischen Routineablauf fest eingebunden sein“.

Patientinnen und Patienten mit einem auffälligen Mangelernährungs-Screening sollen gemäß Leitlinie nach einem Ernährungs-Assessment individuelle ernährungstherapeutische Beratungen durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte erhalten.

Ziel ist eine Steigerung und Optimierung der oralen Nahrungsaufnahme. Dies beinhaltet bei Bedarf auch eine Anreicherung der Speisen und/oder das Angebot oraler Trinknahrungen.

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Eigenes Kapitel zu Ernährungsempfehlungen bei chirurgischen Tumortherapien

Zur Ernährung bei chirurgischen Tumortherapien gibt es in der S3-Leitlinie erstmals ein eigenes Kapitel. Bei Personen mit Mangelernährung oder einem hohen metabolischen Risiko – z.B. bei niedrigem BMI oder niedrigem Serum-Albumin – soll vor großen Abdominaleingriffen eine Ernährungstherapie erfolgen und Trinknahrung zur Vorbereitung auf die Operation gegeben werden.

„Der Ernährungszustand muss vor dem Eingriff verbessert werden, um Komplikationen und Mortalität zu senken, auch wenn der Eingriff dafür verschoben werden muss“, so Rubin.

Die Erhebung des Ernährungsstatus ist entsprechend bei chirurgischen Tumortherapien eine klare Soll-Empfehlung. Eine weitere Soll-Empfehlung gibt es zur unverzüglichen medizinischen Ernährungstherapie bei Patientinnen und Patienten, die postoperativ fünf oder mehr Tage keine orale Ernährung aufnehmen können, außerdem eine Kann-Empfehlung für eine ergänzende künstliche Ernährung postoperativ bei oral nicht gedecktem Energie- und Substratbedarf.

„Krebsdiäten“ kritisch geprüft

Ausführlicher als bisher geht die neue Leitlinie auch auf so genannte Krebsdiäten ein. Die wurden bisher pauschal abgelehnt. Nun wird die Evidenz für unterschiedliche Diäten – Fasten, ketogene Diät, Diäten nach Budwig und nach Breuß – im Detail aufgearbeitet.

„Für viele dieser Diäten gibt es wenig oder kaum Evidenz. Wir geben dennoch klare Negativempfehlungen, weil es bei den spezifischen Diäten zu Gewichtsverlust unter Tumortherapie kommen kann, und den wollen wir unbedingt vermeiden“, so Rubin.

Die eine Ausnahme ist die vegetarische/vegane Diät während der Antitumortherapie. Hier spricht die Leitlinie keine Empfehlung aus, weder dafür noch dagegen. (gvg)

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