Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Gastrointestinale Tumoren bei jungen Menschen werden in vielen Ländern häufiger. Ob das ein realer Anstieg ist, ist sehr umstritten. Beim Deutschen Krebskongress (DKK) wurden mögliche Ursachen, Früherkennungsstrategien sowie präventive und therapeutische Ansätze für jüngere Erkrankte diskutiert.

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Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

In Mexiko gibt es einen deutlichen Anstieg der Inzidenz des kolorektalen Karzinoms, wurde beim Krebskongress berichtet. Liegt es daran, dass dort ein Großteil der Nahrung (etwa 60 %) hochverarbeitet ist? Zum Vergleich: In Europa sind es eher 20 bis 30 Prozent.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

In Ländern wie den USA oder Mexiko ist die Inzidenz früher gastrointestinaler Tumoren zuletzt deutlich gestiegen. Anderswo ist das anders. „In Deutschland geht der Trend eher nach unten“, sagte Dr. Annbalou Hasenburg von der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité, am Mittwoch beim Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin.

Die Heterogenität der Daten ist einer der Gründe, warum die These einer neuen Epidemie früher Krebserkrankungen beim DKK äußerst kritisch diskutiert wurde. Denkbar sei, so Professor Matthias Ebert von der II. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim, dass es sich im Wesentlichen um einen Diagnostikeffekt handele. Dafür spreche vor allem, dass zwar die Inzidenz, nicht aber die Zahl der Todesfälle steige.

Welche Rolle spielen Umweltfaktoren?

Es braucht also sehr viel solidere Daten, darin waren sich in einer DKK-Session zu frühen gastrointestinalen Tumoren alle einig. Unabhängig davon werden in der Krebsforschung mögliche Gründe für einen Anstieg früher gastrointestinaler Tumore evaluiert – denn das könnte bei der Prävention helfen, falls der Anstieg real sein sollte.

Interessant in diesem Zusammenhang sei, dass sich frühe gastrointestinale Tumoren epigenetisch, hinsichtlich ihrer Methylierungssignatur, von späteren unterschieden, so Hasenburg: „Eine Hypothese ist, dass Umwelteinflüsse epigenetische Alterungsprozesse beschleunigen.“

Ernährung womöglich ein ursächlicher Faktor

Ein Kandidat für einen potenziell kanzerogenen Umwelteinfluss ist die zunehmende Adipositas gerade auch in jüngeren Jahren. Professor Frank Kolligs von der Klinik für Innere Medizin am Helios-Klinikum Berlin-Buch sieht zudem, unabhängig vom Körpergewicht, in der Ernährung einen potenziellen ursächlichen Faktor für eine frühere Krebsentstehung. Hochverarbeitete Nahrung steht hier im Verdacht.

Dazu passt der deutliche Anstieg der Inzidenz des kolorektalen Karzinoms (CRC) in Mexiko, wo etwa 60 % der Nahrung hochverarbeitet sind. Zum Vergleich: In Europa sind es eher 20 bis 30 Prozent.

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Sollte der Inzidenzanstieg real sein, gebe es Argumente, die Vorsorge anzupassen, so Kolligs. Beim CRC könne insbesondere der niedrigschwellige, immunologische Stuhltest beispielsweise um fünf Jahre vorgezogen werden.

Entscheidend sei aber etwas anderes, so Kolligs: „Das Wichtigste ist, dass wir beim Darmkrebs-Screening ab 50 Jahren eine höhere Akzeptanz erreichen.“ Denn rund 95 % aller kolorektalen Karzinome treten jenseits des 50. Lebensjahrs auf, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Psychosoziale Belastung thematisieren!

Therapeutisch unterschieden sich frühe und spätere gastrointestinale Tumoren nicht oder kaum, betonte Ebert. Bei frühen Tumoren sei der Anteil der Patienten mit Keimbahnmutationen höher.

Entsprechend sollte danach sorgfältig und früh gesucht werden, denn das kann therapierelevant sein. Ansonsten erlaube es das junge Alter, in vielen Fällen aggressiver zu therapieren. Das könnte der Grund dafür sein, dass z.B. beim Pankreaskarzinom die Sterblichkeit bei jüngeren Patienten niedriger ist als bei älteren.

Auf einen anderen therapierelevanten Aspekt machte Annbalou Hasenburg aufmerksam: Frühe CRC gehen mit einer erheblichen psychosozialen Belastung einher, zumal Themen wie Versorgung der Kinder, Verbleib im Beruf und auch zum Beispiel Fertilität jüngere Patienten überproportional betreffen.

Hasenburg berichtete über eine kürzlich publizierte Arbeit, die zeigte, dass mehr als die Hälfte der jungen Krebspatienten wegen Angst und Depression behandelt wurden. Die psychosoziale Situation müsse bei jungen Krebspatienten daher besonders sorgfältig adressiert werden. (gvg)

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