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Dabigatran

Antikörper hebt Wirkung in Notfällen rasch auf

Der Antikörper Idarucizumab scheint in Notfallsituationen die gerinnungshemmende Wirkung von Dabigatran binnen Minuten aufheben zu können. Dafür sprechen erste Zwischenergebnisse der Phase-IIIStudie RE-VERSE AD.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Bei dringenden Operationen - etwa wegen Trauma - ist eine normale Hämostase notwendig.

Bei dringenden Operationen - etwa wegen Trauma - ist eine normale Hämostase notwendig.

© Fuse / Getty Images / Thinkstock

TORONTO. In der laufenden Studie RE-VERSE AD soll Idarucizumab explizit unter Testbedingungen geprüft werden, die seltenen Notfallsituationen in der realen klinischen Praxis entsprechen, in denen eine Aufhebung der Gerinnungshemmung als notwendig erachtet wird.

Dementsprechend werden Wirksamkeit und Sicherheit dieses vollständig humanisierten Antikörper-Fragments bei zwei mit Dabigatran (Pradaxa®) behandelten Patientengruppen getestet:

- Bei Patienten mit nicht beherrschbaren schweren Blutungen unter Dabigatran (Gruppe A) sowie

- bei Patienten, die sich unaufschiebbaren Operationen oder invasiven Prozeduren unterziehen müssen, bei denen eine normale Hämostase erforderlich ist (Gruppe B).

Die Studienteilnehmer erhalten 5 mg Idarucizumab, verteilt auf zwei intravenöse Bolus-Infusionen, die im Abstand von maximal 15 Minuten verabreicht werden.

Primärer Wirksamkeitsendpunkt der Studie ist die maximale prozentuale Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von Dabigatran zu jedem Zeitpunkt innerhalb von vier Stunden nach Ende der zweiten Bolus-Gabe.

Bestimmt wird das Ausmaß der gerinnungshemmenden Aktivität dabei anhand der beiden Laborparameter verdünnte Thrombinzeit (Hemoclot, diluted Thrombin Time, dTT) und Ecarin-Gerinnungszeit (ECT, Ecarin Clotting Time). Geplant ist die Aufnahme von bis zu 300 Patienten in die weltweit an vielen Zentren durchgeführte Studie.

Interimsanalyse mit Daten von 90 Patienten

Ergebnisse einer Zwischenanalyse wurden jetzt von Studienleiter Dr. Charles Pollack aus Philadelphia beim Kongress ISTH 2015 in Toronto vorgestellt und im "New England Journal of Medicine" publiziert (NEJM 2015; online 22. Juni).

Die Interimsanalyse stützt sich auf Daten von 90 Patienten, davon 51 in Gruppe A und 39 in Gruppe B. Allerdings blieben die Daten von 22 Patienten, bei denen die initiale dTT-Messung normale Werte als Hinweis auf nicht wirksame Dabigatran-Spiegel ergab, bei der Wirksamkeitsanalyse unberücksichtigt.

Gestützt auf Messungen beider Laborparameter lag die innerhalb von vier Stunden mit Idarucizumab erreichte mediane maximale Aufhebung der Gerinnungshemmung in Gruppe A und Gruppe B jeweils bei 100 Prozent.

Je nach Gruppe und gemessenem Parameter normalisierten sich die dTT- und ECT-Werte nach Gabe von Idarucizumab bei 88 bis 98 Prozent der Patienten innerhalb weniger Minuten. Nach 12 und 24 Stunden lagen die dTT-Werte bei 90 Prozent (Gruppe A) und 81 Prozent (Gruppe B) aller Patienten im Normalbereich.

De facto wurde ein chirurgischer Eingriff bei 36 von 39 Patienten der Gruppe B vorgenommen. Die Hämostase wurde zum Zeitpunkt der Operation bei 33 der 36 Patienten als normal beschrieben.

Im Beobachtungszeitraum starben 18 Patienten. Bei Todesfällen, die innerhalb von 96 Stunden nach Idarucizumab-Gabe auftraten, schienen jene Ereignisse, die auch zum Notfall geführt hatten, die Ursache gewesen zu sei.

Danach aufgetretene Todesfälle standen eher in ursächlichem Zusammenhang mit Begleiterkrankungen. Für einen direkten Zusammenhang mit der Gabe von Idarucizumab boten sich keine Anhaltspunkte.

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