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Keime in der Muttermilch

Das Gewicht macht's

Neben nährenden und schützenden Inhaltsstoffen enthält Muttermilch zahlreiche Bakterien. Wie das Keimspektrum aussieht, bestimmen offenbar äußere Faktoren - mit Auswirkungen auf den Säugling.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Über die Muttermilch nimmt der Säugling Bakterien auf, die Darmflora und Immunsystem aufbauen helfen.

Über die Muttermilch nimmt der Säugling Bakterien auf, die Darmflora und Immunsystem aufbauen helfen.

© shutterstock

VALENCIA. Muttermilch ist von mehreren Hundert Bakterienspezies besiedelt. Dieses Mikrobiom verändert sich während der Stillzeit und variiert auch von Frau zu Frau.

Eine spanische Studie liefert Hinweise, dass die Komposition der Keime von der Art der Entbindung und der mütterlichen Leibesfülle beeinflusst wird.

Die Bakterien aus der Muttermilch wirken offenbar beim Aufbau der kindlichen Darmflora und der Reifung des Immunsystems mit. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Keime nicht nur von der mütterlichen Haut oder der Mundhöhle des Säuglings stammen.

Da die Milch vor dem ersten Anlegen des Kindes ein ähnliches Keimspektrum aufweist wie zu Beginn des Stillens, wird auch über einen endogenen Transfer aus dem mütterlichen Darm spekuliert.

Methode war die Real-Time-PCR

Die Forscher haben die Milch von 18 stillenden Frauen mit unterschiedlichem BMI, unterschiedlicher Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sowie mit vaginaler Entbindung oder Sektio untersucht (Am J Clin Nutr 2012;96:544-51).

Die Frauen waren Teilnehmerinnen einer laufenden, prospektiven, randomisierten Follow-up-Studie. Die Keimspektren wurden mit einer quantitativen Real-Time-PCR aus den tiefgefrorenen Milchproben analysiert.

Demnach dominieren im Kolostrum die Laktobazillen Weisella und Leuconostoc sowie Staphylococcus-, Streptococcus- und Lactococcus-Spezies.

Nach vier Wochen sowie nach sechs Monaten sind die Milchsäurebakterien immer noch in der Überzahl, doch es kamen signifikant mehr Keime aus der Mundhöhle wie Veillonella, Leptotrichia und Prevotella hinzu.

Keimvielfalt bei schlanken Frauen

Einfluss auf das Keimspektrum der Milch hatte auch das Gewicht der Mutter. So fand sich bei normalgewichtigen Frauen eine größere Keimvielfalt als bei adipösen.

Bei Letzteren war das Kolostrum reicher an Laktobazillen, nach sechs Monaten dagegen wurden signifikant mehr Staphylokokken und weniger Bifidobakterien nachgewiesen als bei Normalgewichtigen.

Auch bei übermäßiger Gewichtszunahme während der Schwangerschaft unterschied sich die Zusammensetzung des Milch-Mikrobioms von dem der Frauen, die im üblichen Rahmen zugelegt hatten.

Ein verändertes Keimspektrum der Milch zeigte sich nach Wunschkaiserschnitt, während das nach nicht elektiver Sektio eher dem der Frauen glich, die auf natürlichem Weg entbunden hatten.

Die Studie zeigt, dass die Besiedelung der Muttermilch keineswegs als Kontamination zu werten ist und verschiedene Faktoren die Zusammensetzung des Milchmikrobioms beeinflussen.

Eine Probandinnenzahl von 18 limitiere die Aussagekraft, da jedoch die Bakterien der Muttermilch zu den ersten gehören, die das Neugeborene aufnimmt, seien größeren Studien dazu wichtig, so die Autoren.

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