Direkt zum Inhaltsbereich

Adipositas

Hochdrucktherapie für Übergewichtige?

In der Hochdrucktherapie bei Übergewicht könnte es allenfalls leichte Vorteile für ACE-Hemmer geben. Eine Studie ergab keine weiteren Hinweise auf Vorteile spezifischer Substanzen.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

SYDNEY. Die Blood Pressure Lowering Treatment Trialists' Collaboration (BPLTTC) hat jetzt untersucht, ob bestimmte Antihypertensiva bei Übergewicht Vorteile haben. Dazu wurden 22 Studien zur Hochdrucktherapie mit 135.715 Probanden analysiert (Lancet 2014, online 4. November).

Primärer Endpunkt war die Häufigkeit schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, kardiovaskulärer Tod). In den Studien waren 14.353 solcher Ereignisse aufgetreten. Ausgewertet wurde, wie sich verschiedene medikamentöse Therapieregime relativ zu bestimmten Werten des Body-Mass-Index (BMI) auf das kardiovaskuläre Risiko auswirkten.

Der BMI floss dabei sowohl als kategoriale (unter 25, 25-30, über 30 kg/m2) als auch als kontinuierliche Variable in die Berechnungen ein.

Sechs Vergleichsgruppen

Hinsichtlich der Regime wurden sechs Vergleichsgruppen gebildet: ACE-Hemmer vs. Placebo, Kalziumantagonist vs. Placebo, intensive vs. weniger intensive Therapie, ACE-Hemmer vs. Betablocker oder Diuretikum, Kalziumantagonist vs. Betablocker oder Diuretikum, ACE-Hemmer vs. Kalziumantagonist.

Es ergaben sich keine Hinweise darauf, dass mit Blick auf den primären Endpunkt in einer der Vergleichsgruppen über die drei kategorialen BMI-Gruppen hinweg irgendwelche Unterschiede in der protektiven Wirkung aufgetreten wären. Es war lediglich ein leichter Vorteil beim Vergleich ACE-Hemmer vs. Kalziumantagonist festzustellen, sofern der BMI als kontinuierliche Variable betrachtet wurde.

Für jede Zunahme des BMI um 5 kg/m2 ging die Einnahme eines ACE-Hemmers mit einem um 7 Prozent geringeren kardiovaskulären Risiko einher (Hazard Ratio, HR 0,93). Ähnliches galt für den Vergleich ACE-Hemmer vs. Diuretikum (HR 0,93).

Das Ausmaß, in dem eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um einen bestimmten Wert das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse senkte, war ebenfalls unabhängig davon, ob die Probanden normal-, übergewichtig oder adipös waren. Wie die BPLTTC-Forscher einräumen, stehen ihre Ergebnisse im Widerspruch zu den Resultaten einer Subanalyse der ACCOMPLISH-Studie vom vergangenen Jahr.

Dort hatte sich gezeigt, dass die Kombination ACE-Hemmer-Hydrochlorothiazid bei schlanken Patienten weniger, bei adipösen aber ebenso wirksam war wie eine Kombination ACE-Hemmer-Amlodipin.

Dies hatte zu der Empfehlung geführt, den BMI zu einem Schlüsselfaktor bei der Wahl der Hochdruckmedikation zu machen. Laut BPLTTC könnte es sich bei dem Resultat von ACCOMPLISH aber um einen falsch-positiven Befund handeln. Dafür sprächen etwa die relativ geringen Ereignisraten in der ACCOMPLISH-Studie, wo sich bei 11.482 Teilnehmern relativ wenige, nämlich 652 Zwischenfälle zugetragen hätten.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar zu Hochdrucktherapie: Hoher Druck bei hohem BMI

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Cochrane-Review

Medikamentös therapieren schon bei leichter Hypertonie?

Pseudoresistenzen

Therapieresistente Hypertonie ist oft gar keine

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Noch impfen nach einer RSV-Erkrankung?

Änderungen aus dem GOLD-Update

Neues Vorgehen bei COPD: Proaktiv statt reaktiv!

Extrapulmonale Auffälligkeiten

Studie: Zufallsbefunde beim Lungenkrebs-Screening deuten auf Krebs hin

Lesetipps
Ein Arzt hält ein Model des männlichen Geschlechtstraktes und zeigt mit einem Stift auf die Prostata.

© Peakstock / stock.adobe.com

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Modell des Darms

© SewcreamStudio / Stock.adobe.com

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram