Schizophrenie-Kranke sterben früh - das liegt auch an Herz und Gefäßen

MÜNCHEN (wst). Schizophrenie-Patienten haben eine um etwa 20 Prozent reduzierte Lebenserwartung. Das hängt offenbar nicht nur mit der bei ihnen erhöhten Suizidrate zusammen, sondern auch mit einem überdurchschnittlich hohen kardiovaskulären Risiko.

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"Zwar begehen etwa zehn Prozent aller Schizophrenie-Patienten Suizid, dennoch ist die Suizidrate allein keine Erklärung für die reduzierte Lebenserwartung", sagte Privatdozent Marcus Agelink von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Herford in Westfalen.

Der Hauptgrund für das kürzere Leben sei eine erhöhte Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Schizophrenie-Kranken, so Agelink auf einem Kolloquium von Bristol-Myers Squibb und Otsuka Pharmaceuticals. Die Rate für solche Ereignisse sei zwei- bis dreimal so hoch wie bei Gesunden.

Hinweise für die Ursachen habe zum Beispiel die CATIE-Studie* ergeben: Schizophrenie-Kranke rauchen etwa doppelt so häufig wie ihre gesunden Altersgenossen. Sie erkranken viermal häufiger an Typ-2-Diabetes und zwei- bis dreimal häufiger an Hypertonie.

Außerdem haben die Patienten im Durchschnitt niedrigere HDL-Werte, höhere LDL-Werte und sind vermehrt übergewichtig, sagte Agelink. Inwieweit das kardiovaskuläre Risiko verhaltensbedingt ist oder ob es eine gemeinsame genetische Prädisposition für Schizophrenie und metabolische Störungen gibt, darüber werde derzeit noch geforscht.

Fest stehe jedoch, daß einige atypische Neuroleptika negative Auswirkungen auf Gewicht, Glukose- und Fettstoffwechsel haben. Vor allem dort, wo die Anamnese zusätzlich für eine kardiovaskuläre Risiko-Konstellation etwa durch eine familiäre Belastung spreche, sollte in der Schizophrenie-Therapie eher auf metabolisch möglichst unbedenkliche Mittel wie das atypische Antipsychotikum Aripiprazol (Abilify®) gesetzt werden.

*CATIE: Clinical Trials of Antipsychotic Treatment Effectiveness

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