Direkt zum Inhaltsbereich

Fieberanfall bei Epilepsie

Verlangsamtes EEG deutet auf Hirnschädigung

Fokal verlangsamte EEG-Signale nach einem fiebrigen Status epilepticus können möglicherweise früh eine beginnende Epilepsie ankündigen. Sie gehen oft mit MRT-Veränderungen einher, die auf eine Hirnschädigung deuten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
EEG-Ableitung. Vielleicht lassen sich per EEG gezielt diejenigen Kinder erkennen, die später eine fokale Epilepsie entwickeln.

EEG-Ableitung. Vielleicht lassen sich per EEG gezielt diejenigen Kinder erkennen, die später eine fokale Epilepsie entwickeln.

© Klaro

NEW YORK. Kinder mit Fieberkrämpfen haben ein etwa zehnfach erhöhtes Risiko, später an einer Epilepsie zu erkranken. Umgekehrt hatten etwa 30 Prozent der Patienten mit therapieresistenter Temporallappen-Epilepsie Fieberkrämpfe in ihrer Kindheit.

Besonders gefährdet sind offenbar Kinder mit einem febrilen Status epilepticus: Etwa jedes Dritte entwickelt eine mesial temporale Sklerose und eine folgende fokale Epilepsie.

Der Epileptologe Professor Bernhard Steinhoff vom Epilepsiezentrum Kehl-Kork warnt daher davor, einen solchen Anfall mit einem relativ harmlosen Fieberkrampf zu verwechseln, vielmehr sollten Ärzte rasch gegen den Anfall vorgehen (wir berichteten).

Dass ein febriler Status epilepticus ernst zu nehmen ist, bestätigen nun auch Daten der langfristig angelegten Studie FEBSTAT (Consequences of Prolonged Febrile Seizures) (Neurology 2012: 27; 79(22): 2180-2186).

Neurologen um Dr. Douglas Nordli aus New York City hatten Angaben zu knapp 200 Kindern ausgewertet, die innerhalb von 72 Stunden nach dem Anfall ausführlich untersucht worden waren, unter anderem per EEG und MRT.

Bei 90 Kindern (45 Prozent) hatten sich im EEG abnorme Signale gezeigt - bei 85 waren diese nicht epileptiform. Auffällig waren vor allem eine Verlangsamung der Signale (bei 58 Kindern) sowie eine fokale temporale Lokalisation (45 Kinder) und eine fokale Abschwächung (25 Kinder).

EEG als Marker für fokale Läsion?

Bei Kindern mit EEG-Verlangsamung waren deutlich häufiger Veränderungen im MRT zu finden als bei Kindern ohne verlangsamte EEG-Wellen (39 versus 19 Prozent), auch traten bei ihnen häufiger abnorme T2-Signale im Hippocampus auf (23 versus 5 Prozent).

Zudem stieg das Fieber bei Kindern mit fokaler EEG-Verlangsamung seltener über 40°C als bei Kindern ohne diese EEG-Veränderung (8,5 versus 34 Prozent).

Die Neurologen um Nordli vermuten, dass bei Kindern mit EEG-Verlangsamung oder -Abschwächung akute fokale Läsionen auftreten, die später zu einer Epilepsie führen können. Die EEG-Veränderungen wären dann ein guter Marker für solche Schädigungen und möglicherweise noch aussagekräftiger als MRT-Aufnahmen.

Vielleicht lassen sich per EEG sogar gezielt diejenigen Kinder erkennen, die später eine fokale Epilepsie entwickeln. So zeigte in der FEBSTAT-Studie ein Drittel der Kinder eine EEG-Verlangsamung oder -Abschwächung.

Ob es sich dabei um das gleiche Drittel der Kinder handelt, die nach einem febrilen Status epilepticus eine Epilepsie entwickeln, könnte eine Langzeitauswertung der FEBSTAT-Studie in einigen Jahren zeigen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an

Lesetipps
Ärztin mit Patientem

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Dermatologin Yael Adler gibt Tipps

Wie man Hypochondern in der Praxis am besten begegnet

Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Biopsychosozial vorgehen!

So unterstützen Sie Ihre Patienten bei funktionellen Körperbeschwerden

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram