Kommentar

Zuviel des Guten bei Vorhofflimmern

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

Liegt die Herzfrequenz bei Patienten mit Vorhofflimmern unter frequenzkontrollierender Therapie noch bei 95 Schlägen pro Minute, werden sich viele Ärzte einig sein: Das ist viel zu hoch! Diese Einschätzung muss nach den jetzt bekannt gewordenen Ergebnissen der RACE-2-Studie wohl überdacht werden. Sie zeigen nämlich, dass eine noch striktere Frequenzkontrolle sich bei permanentem Vorhofflimmern nicht unbedingt auszahlt - zumindest nicht in Form einer stärkeren Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse.

Ist ein prognostischer Nutzen nicht zu erwarten, bleiben nur noch die Nachteile einer ambitionierten Frequenzkontrolle: Mehr Medikamente schlucken, ein höheres Risiko von Nebenwirkungen in Kauf nehmen, häufiger zur Kontrolle zum Arzt müssen. Gerade für die meist älteren Patienten mit Vorhofflimmern sind das oft erhebliche Belastungen.

Die Botschaft der RACE-2-Studie lautet: Primär sollte die Frequenzkontrolle an den Symptomen ausgerichtet sein und nicht an irgendwelchen Zielherzfrequenzen. Dann darf die Herzfrequenz ruhig auch mal bei 95 Schlägen pro Minute liegen. Der Patient hat davon erstens prognostisch keinen Nachteil und zweitens den Vorteil einer für ihn weniger aufwendigen Therapie.

Lesen Sie dazu auch: Leichtere Therapie bei Vorhofflimmern

Jetzt abonnieren
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Winziger als ein Reiskorn

Kleinster Schrittmacher der Welt arbeitet mit Licht

Kommentare
Tom Jeffrey Lohmann 22.03.201000:29 Uhr

Medikamentöse Therapie des VHF und Langzeitüberleben

Die Studie gibt m. E. keine Auskunft über die genannten Parameter bei längerem Bestehen. Ob das Outcome der Pat. mit einer HF von 95/min nach 10 Jahren immer noch so rosig ist, bezweifle ich mal ganz stark. Die Langzeitschäden treten erst viel später auf als bereits nach 3 Jahren, und da ist man mit HF um 80/min besser bedient. Das Herz muss nicht soviel ackern und wird selbst besser durchblutet auch die Abnutzungserscheinungen treten später erst ins Gewicht.
Es ist richtig, das wir den Pat. behandeln, aber tun wir das nur kurzfristig oder längerfristig?

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Was wäre Ihre Lieblings-GOP in der GOÄneu, Dr. Beier?

Porträt

Ein Zahnarzt und Ballermann-Sänger: Tobias Riether

Lesetipps
Angesichts der weltweit alternden Bevölkerung ist mit einem weiteren Anstieg der Alzheimer-Inzidenz zu rechnen (derzeit werden jährlich rund 7,7 Millionen neue Fälle weltweit diagnostiziert). Antivirale Maßnahmen gegen das Herpes-Virus könnten präventiv wirken.

© KI-generiert Галя Дорожинська - stock.adobe.com

Auch andere neurotrope Viren impliziert

Alzheimer-Risiko durch Herpes: Neue Evidenz aus Real-World Daten

Die Ärzte Zeitung hat jetzt auch einen WhatsApp-Kanal.

© prima91 / stock.adobe.com

News per Messenger

Neu: WhatsApp-Kanal der Ärzte Zeitung

Ältere Diabetikerin, die ihren Blutzuckerspiegel zu Hause mit einem kontinuierlichen Glukosemessgerät kontrolliert.

© Halfpoint / stock.adobe.com

Deprescribing bei Typ-2-Diabetes

Diabetes bei Älteren: Chancen und Risiken einer Polypharmazie