Hygieneärzte kritisieren: Zu viele Desinfektionsspender

NEUMÜNSTER (di). Hygienefachkräfte in Schleswig-Holstein kritisieren eine zum Teil überflüssige Ausstattung öffentlicher Einrichtungen mit Desinfektionsspendern. Sie befürchten eine nicht gerechtfertigte Beunruhigung der Bevölkerung.

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Als Beispiel nannte Dr. Frauke Strahlendorf-Elsner, hygienebeauftragte Ärztin des Friedrich-Ebert-Krankenhauses in Neumünster, Desinfektionsspender in Banken und Sparkassen.

"Von Geld geht keine Gefahr aus", sagte sie hierzu am Rande des vierten Hygieneforums in Neumünster. Sie hält den Stellenwert, der Desinfektionsmittel im Alltag häufig beigemessen wird, für übertrieben.

Erfreulich ist nach Ansicht der Hygienefachkraft Bärbel Schuler hingegen, dass die Händedesinfektion in den Kliniken von Patienten und Besuchern gut angenommen wird. Sie vermisst allerdings Untersuchungen darüber, ob die Nutzer die Hände richtig desinfizieren.

Das Interesse von Ärzten und Pflegekräften im Norden an Hygienethemen ist seit dem immer häufigeren Auftreten von multiresistenten Keimen (MRSA) ungebrochen hoch.

Das vor vier Jahren erstmals angebotene Hygieneforum hat wegen des hohen Andrangs inzwischen einen zweiten Termin im Jahr erhalten. Im Mittelpunkt stand in Neumünster das neue Infektionsschutzgesetz im Norden.

Erforderlich ist aus Sicht der Experten eine engere Zusammenarbeit von ambulant und stationär tätigen Ärzten in der Hygiene.

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 11.03.201219:48 Uhr

Alltägliche Hygiene

Wie im Bereich der Küchen- und Lebensmittel-Hygiene seit längerem schon propagiert wird, schädigen und reduzieren gründliche Reinigungsmaßnahmen mit oberflächen-aktiven Seifen die transiente Keimflora auf glatten Oberflächen derart, daß zugleich auch eine "desinfizierende" Wirkung (bei den meisten Viren sogar eine inaktivierende) eintritt. D.h., daß der Gebrauchsgegenstand nicht mehr "infektiös" sein kann.
Ähnliches gilt natürlich für die alltägliche hygienische Händereinigung mittels Seife, solange nicht unter sterilen Kautelen im Blutigen operiert wird.
Diese Binsenweisheit sollte sich im gesamten Bereich von menschlichen Begegnungen herumsprechen, um sowohl unsere schönen Hände auf Dauer zu schützen, wie auch die Kontaminationsgefahr bei körperlichen Kontakten zu bannen.
Damit dürfte die hygienische Händereinigung mittels Seife und anschließender Isopropyl-Alkohol- Behandlung tatsächlich nur in den Klinik-, Arztpraxis-, und Laborbereich gehören.
Es ist ein Unding, daß mangels Aufklärung die Haushalte immer noch im Drogeriehandel zum Einkauf und Bevorratung von Sagrotan verführt werden.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie), Rostock

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