Institut für Digitale Allgemeinmedizin
Seltene Krankheiten: Mit Künstlicher Intelligenz fixer zur Diagnose
In Aachen will ein neues Institut Digitale Allgemeinmedizin die Digitalisierung und Seltene Erkrankungen verknüpfen. Direktor ist Professor Martin Mücke.
Veröffentlicht:Aachen. An der Uniklinik RWTH Aachen hat ein neues Institut die Arbeit aufgenommen, das Institut für Digitale Allgemeinmedizin. In Forschung und Lehre wird neben der Digitalisierung ein weiterer Aspekt im Vordergrund stehen: die Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen. Das berichtet Institutsdirektor Professor Martin Mücke, der seit dem 1. Oktober den Lehrstuhl für Digitale Allgemeinmedizin innehat.
„Wir wollen die beiden Themen zusammenführen“, sagt Mücke der „Ärzte Zeitung“. Die Digitalisierung könne helfen, den Weg zur Diagnose zu verkürzen, insbesondere durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, erläutert er. Das bedeute gerade für Patienten ohne Diagnose einen großen Fortschritt.
Die Arbeit in seiner Hausarztpraxis setzt er fort
„Die neuen technologischen Möglichkeiten bieten eine gute Chance, bei der Versorgung dieser Patienten schneller voranzukommen.“ Rund fünf Prozent der Patientinnen und Patienten in den Hausarztpraxen litten an seltenen Erkrankungen, sagt Mücke. Er war von 2018 bis 2021 Leiter der Abteilung für Seltene Erkrankungen und Sprecher des Zentrums für Seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Bonn.
An der Aachener Uniklinik wird er Anfang November die ärztliche Leitung des Zentrums für Seltene Erkrankungen übernehmen. „Das ist mein Forschungsschwerpunkt.“ Die Fokussierung auf die Digitalisierung und auf die seltenen Erkrankungen bedeutet nicht, dass die anderen Aspekte der Allgemeinmedizin an dem Institut vernachlässigt werden, stellt er klar.
„Ich bin selbst begeisterter Allgemeinmediziner.“ Die Arbeit in seiner Hausarztpraxis in Bonn setzt er fort. „Das ist eine gute Basis, um die allgemeinmedizinische Forschung voranzutreiben.“
Das bisherige Lehrgebiet Allgemeinmedizin wird als Sektion Lehre und Didaktik der Allgemeinmedizin Teil des neuen Instituts. Mücke sieht bei den Hausärztinnen und Hausärzten ein großes Interesse an der Digitalisierung. Probleme gebe es dann, wenn Anwendungen wie die elektronische Patientenakte in die Versorgung gebracht werden, ohne die Ärzte einzubeziehen.
Podcast mit Schauspielerin Esther Schweins
„Wenn man die Dinge in Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten entwickelt, werden sie auf fruchtbaren Boden stoßen“, ist er optimistisch. Bei seiner neuen Tätigkeit in Aachen will der Arzt ein Projekt fortsetzen, das er im September in Bonn begonnen hat: einen gemeinsamen Podcast mit der Schauspielerin und Regisseurin Esther Schweins.
In „Unglaublich krank – Patienten ohne Diagnose“ werden die Schicksale von Menschen mit seltenen Erkrankungen geschildert und dabei eine Reihe von allgemeinmedizinischen Fragestellungen geklärt. „Es geht darum, das Bewusstsein für das Thema zu erhöhen“, sagt Mücke. Die Podcasts sind auf den gängigen Plattformen abrufbar.