„Versorgung massiv gefährdet“

Österreichs Ärztekammer sieht bei seltenen Erkrankungen Politik unter Handlungsdruck

Um einer Unterversorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen entgegenzuwirken, sei die Politik gefordert, Forschung und Entwicklung wirksamer Medikamente zu forcieren, so Österreichs Ärztekammer.

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Wien. In Österreich könnte die Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen gefährdet sein.

Wie Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), am Mittwoch im Vorfeld des Tages der Seltenen Erkrankungen am 28. Februar zitiert wird, schlügen sich„ auch hier Kommerzialisierung und wachsende ökonomische Zwänge zusehends nieder und gefährden damit massiv die Versorgung der Betroffenen.“

Die Politik dürfe bei seltenen Erkrankungen auf keinen Fall nach dem ökonomischen Prinzip von Angebot und Nachfrage vorgehen, sondern müsse die heimische Forschung auf diesem Gebiet und die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien zügig vorantreiben, fordert Steinhart. In Österreich litten etwa eine halbe Million Menschen an seltenen Erkrankungen.

„Mitunter lange Leidenswege für Betroffene“

„Aufgrund der relativ geringen Häufigkeit jeder einzelnen Erkrankung sind medizinisches Wissen und Versorgungsangebot im Vergleich zu anderen Krankheiten begrenzt, was mitunter lange Leidenswege für betroffene Menschen bedeutet“, gibt Steinhart zu bedenken. Allein bis zur richtigen Diagnose würden oft mehrere Jahre vergehen und am passenden Therapieangebot fehle es dann meist auch.

Um dieser Unterversorgung entgegenzuwirken, sei die Politik gefordert, etwa durch Anreize und spezielle Förderungen die medizinische Forschung und Entwicklung wirksamer Medikamente und Therapien voranzutreiben – und zwar ganz unabhängig von der Anzahl der Betroffenen.

Niederschwelliger und schneller Zugang gefordert

„Es wäre nahezu fatal, hier nach ökonomischen Gesichtspunkten vorzugehen und nötige Aktivitäten zurückzufahren, nur weil sie aufgrund relativ geringer Betroffener pro Krankheit weniger lukrativ sein könnten“, sagt Steinhart. Außerdem müsse dafür Sorge getragen werden, dass bereits vorhandene und zugelassene Medikamente und Therapien den Betroffenen niederschwellig und rasch zugänglich gemacht würden.

„In einem reichen Land wie Österreich muss die Gesundheit jedes Einzelnen leistbar sein und darf nicht von der Anzahl der Fallzahlen abhängen“, betont Steinhart abschließend. (eb)

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