Leitartikel zur Künstlichen Intelligenz
KI – Die Dampfmaschine der Medizinischen Revolution
Künstliche Intelligenz wird zum massiven Treiber der medizinischen Versorgung – das nimmt Ärzte besonders in die Pflicht. Aber nicht nur diese!
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KI-Assistent mit Kittel und Stethoskop: Ärzte müssen wissen, ob sie eine KI-Lösung, die ihnen angeboten wird, überhaupt auf europäischem Boden am oder für den Patienten anwenden dürfen. Denn die KI hat auch ihre Schattenseiten – sie kann sehr wohl das Wohl der Menschen gefährden.
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Keine technologische Innovation wird nachfolgende Generationen von Ärztinnen und Ärzten aller Gebietsbezeichnungen auf absehbare Zeit in ihrem Versorgungsalltag in Klinik und Praxis so prägen wie die Künstliche Intelligenz (KI). Moderne Rechenkapazitäten und immer ausgeklügeltere Algorithmen werden dazu führen, dass entsprechende Apparaturen mit geeigneter Software – ohne menschliche Ermüdungserscheinungen – zum Beispiel Millionen von Befundbildern screenen und Hinweise auf entstehende Tumoren geben können. Sie werden, wie in der Interventionellen Radiologie bereits praktiziert, dem Operateur vor dem Eingriff Wege durch undurchsichtiges Gewebe vorschlagen, die dieser dann individuell bewerten muss.
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Man kann somit getrost von einer bevorstehenden Medizinischen Revolution sprechen – KI nimmt dabei die Rolle der Dampfmaschine während der Industriellen Revolution ein. Sie ist eine Technik, die neue und schnellere Prozesse bei gesteigerter Qualität ermöglicht, aber auch zu potenziellen Kollateralschäden führen kann, wenn ihrem Einsatzfeld keine Leitplanken gegeben werden – durch regulatorische Rahmenbedingungen, die trotzdem die Wettbewerbsfähigkeit der Märkte garantieren.
Für Ärzte ist dieser Aspekt keineswegs vernachlässigbar. Sie müssen wissen, ob sie eine KI-Lösung, die ihnen angeboten wird, überhaupt auf europäischem Boden am oder für den Patienten anwenden dürfen. Denn die KI hat auch ihre Schattenseiten – sie kann sehr wohl das Wohl der Menschen gefährden.
EU hat klare Zeichen gesetzt
Die EU hat hier klare Zeichen gesetzt und ihre KI- Verordnung (Artificial Intelligence Act/AIA) unter der Prämisse einer vertrauenswürdigen KI konzipiert. In Kraft getreten sind die KI-Leitplanken der EU zum 1. August 2024. Primärer Ansprechpartner sind zunächst Hersteller und Inverkehrbringer entsprechender medizin(techn)ischer KI-Anwendungen.
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Die Voraussetzungen sind dabei für alle EU-Mitgliedstaaten dieselben, da eine Verordnung 1:1 in nationales Recht umgesetzt werden muss und im Gegensatz zu einer Richtlinie keinen Spielraum erlaubt. Artikel 9 (Risikomanagementsystem) adressiert in Absatz 2 „die Ermittlung und Analyse der bekannten und vernünftigerweise vorhersehbaren Risiken, die vom Hochrisiko-KI-System für die Gesundheit, Sicherheit oder Grundrechte ausgehen können, wenn es entsprechend seiner Zweckbestimmung verwendet wird“.
Ansonsten wird die Geschichte, wie immer bisher, ihren Lauf nehmen müssen. Es ist nicht zu erwarten, dass mit der modernen KI-Dampf- auch eine Gelddruckmaschine in die Arena der Gesundheitsversorgung geworfen wird. Es muss noch immer der Ansporn sein, sorgfältig und gewissenhaft mit den neuen Optionen umzugehen, um auch weiterhin Prozesse zu verschlanken, Überdiagnostik möglichst zu verhindern. Das gebietet schon allein das ärztliche Selbstverständnis.
Nicht nur die PKV sollte als Treiber fungieren
Im Umkehrschluss heißt das aber auch nicht, dass der Gemeinsame Bundesausschuss alleine den privaten Krankenversicherern die Finanzierung innovativer KI-Systeme überlassen sollte. Der Innovationsfonds hält hier Türen bereit, die sich öffnen ließen.
Oder die Kassen spielen freiwillig mit, wenn sie vom Nutzen bestimmter Lösungen überzeugt sind, und schließen entsprechende Selektivverträge. Wichtig wird auch sein, dass sich Berufsverbände und wissenschaftliche Gesellschaften aktiv in den Gestaltungsprozess der Ki-gestützten Versorgung einbringen.