Anlage-Kolumne

Markttechnik bremst die Anlagestrategie nur kurzfristig aus

Die Zeichen stehen für Anleger mittelfristig wieder auf ein größeres Engagement in Aktien – wenn man den internationalen Trends folgt.

Von Dr. Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Die Aktienmärkte kommen saisonal ab Mai bis Anfang Juli in schwierigeres Fahrwasser. Eine Erklärung für den durchschnittlichen Saisonrhythmus mit Aktienhoch im Frühjahr und Tief im Herbst gibt es bis heute nicht – nur eher oberflächliche Weisheiten.

Derzeit fällt auf, dass schon viele gute Unternehmensergebnisse in den Aktienkursen eingepreist sind. In China stiegen die Unternehmensgewinne um 93 Prozent gegenüber Vorjahr, ohne dass die Veröffentlichung eine positive Börsenreaktion ausgelöst hätte. China erholte sich zuerst von der Pandemie und könnte ein Frühindikator für die Aktienentwicklung im Rest der Welt sein, dessen wirtschaftliche Erholung etwa drei Monate später begann.

Baisse angekündigt

Die chinesischen Aktienindizes fielen zuletzt auf Jahresanfangsniveau zurück. Grund für eine kommende Abflachung der Aktienhausse, verbunden mit vorübergehenden technischen Reaktionen, könnte die markttechnische Lage sein (liquide Gelder weitgehend investiert oder die starke Zunahme der US-Aktienkäufe auf Kredit).

Die US-Aktienkäufe auf Kredit sind im Allgemeinen ein Indikator, der die Aktienmarkttendenz mittelfristig anzeigt. Und erst sinkende Aktienkredite haben in der Vergangenheit – mit rund drei Monaten Vorlauf – eine Baisse angekündigt.

Andererseits gab es aber kurzfristige Rückschläge an den Märkten, wenn die prozentuale Kreditsteigerung und dementsprechend der Anleger-Überoptimismus so groß waren wie heute. Dieser Indikator könnte also besagen, dass kurzfristig Marktbelastungen möglich sind, mittelfristig die Aufwärtstendenz jedoch hält.

Der mittelfristig wichtigste Indikator bleibt an den Aktienmärkten aber immer die monetäre Tendenz.

EZB will an hoher Liquiditätsschaffung festhalten

Schon vor der Pandemie hatte die US-Notenbank das Steuer 180 Grad von Konjunkturbremsung auf Konjunkturstimulation bzw. Liquiditätsschaffung herumgerissen. Der monetäre Rückenwind wurde dann von der Fed Corona-bedingt noch einmal massiv verstärkt, was zu dem V-artigen Aktienmarktanstieg führte. Die US-Notenbank druckt nach wie vor mit monatlichen Anleihekäufen um die 120 Milliarden neue Dollars bzw. Liquidität.

Auch die EZB hat bis zuletzt verlauten lassen, an einer hohen Liquiditätsschaffung festhalten zu wollen. Die Börsenampeln in den USA und Europa stehen monetär somit weiterhin auf Grün. Lediglich in China hat sich, wie erwartet, die monetäre Situation verschlechtert.

Fazit: kurzfristig markttechnischen Gegenwind abwarten und mit mittelfristigem Blick bei Schwäche Positionen am Aktienmarkt aufbauen!

Dr. Jens Ehrhardt, unabhängiger Fondsmanager, erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern

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