Grobe Behandlungsfehler

OLG Köln: Beweiserleichterungen nach Behandlungsfehler nur hinsichtlich „typischer Folgeschäden“

Stirbt ein Patient an einer Coronainfektion, ist es nicht relevant, ob der Patient überlebt hätte, wäre bei einer Op an der Gallenblase anders vorgegangen worden.

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Die sich aus einem groben Behandlungsfehler ergebenden Beweiserleichterungen für die Patienten gelten nicht für alle nach der Behandlung folgenden Schäden, so das OLG Köln.

Die sich aus einem groben Behandlungsfehler ergebenden Beweiserleichterungen für die Patienten gelten nicht für alle nach der Behandlung folgenden Schäden, so das OLG Köln.

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Köln. Die sich aus einem groben Behandlungsfehler ergebenden Beweiserleichterungen für die Patienten gelten nicht für alle nach der Behandlung folgenden Schäden. Sie sind auf „typische Folgeschäden“ beschränkt, wie sie sich aus dem Fehler ergeben können, stellte das Oberlandesgericht (OLG) Köln in einem inzwischen schriftlich veröffentlichten Urteil klar. Es wies damit die Kinder eines verstorbenen Patienten ab.

Dieser war Anfang 2021 mit Oberbauchbeschwerden ins Krankenhaus gekommen. Es wurde eine Cholezystitis diagnostiziert und die Indikation zur Entfernung der Gallenblase gestellt. Ein Coronatest fiel positiv aus, drei Tage später wurde die Gallenblasenoperation durchgeführt. Der zunächst endoskopisch begonnene Eingriff wurde wegen einer intraoperativen Blutung auf eine offene Operation umgestellt.

Doch der Zustand des Mannes verschlechterte sich stetig, gut zwei Wochen nach dem Eingriff kam es zu einem akuten Lungenversagen. Im Trachealsekret des Patienten wurde der Keim Hanfia alvei nachgewiesen. Antibiose und Beatmung konnten ihn nicht mehr retten. Er starb Mitte Februar 2021 nach einem Kreislaufzusammenbruch.

Die drei Kinder warfen dem Krankenhaus mehrere grobe Fehler vor. So sei die Operation zu spät erfolgt und ihr Vater nicht ausreichend vor einer Ansteckung durch Coronapatienten geschützt worden. Mit ihrer Klage verlangten sie Hinterbliebenengelder von zusammen 55.000 Euro, zudem Erstattung ihrer Anwaltskosten in Höhe von 4.740 Euro.

Eingriffszeitpunkt ohne Relevanz

Das Krankenhaus wies die Vorwürfe zurück und meinte, die Behandlung sei „vollumfänglich lege artis erfolgt“. Angesichts der Inkubationszeit müsse die Ansteckung mit dem Coronavirus bereits vor der Aufnahme erfolgt sein.

Der Einordnung der Coronainfektion war auch der gerichtliche Sachverständige gefolgt. Zudem kam dieser zu dem Ergebnis, dass eine frühere Op die Überlebenschancen des Patienten nicht verbessert hätte.

Dem schloss sich nun auch das OLG an, letztlich spiele das aber keine Rolle. Denn selbst wenn man unterstelle, dass der Eingriff wenige Tage zu spät erfolgt ist, ändere sich am Ergebnis nichts. Der Patient sei an den Folgen seiner Coronainfektion gestorben. Diese habe zu dem fortschreitenden Lungenversagen und letztlich zu seinem Tod geführt.

Nach den Feststellungen des Sachverständigen habe die Situation im Bereich der Gallenblase darauf keinerlei Einfluss gehabt. Vielmehr habe es sich um „einen typischen schicksalhaften Verlauf bei schwerer Coronainfektion eines nicht immunisierten Patienten mit Vorerkrankungen der Lunge“ gehandelt. Solche Vorerkrankungen seien bei dem Patienten bereits seit zehn Jahren dokumentiert. Nach Einschätzung des Sachverständigen wäre der Patient daher mit großer Wahrscheinlichkeit auch dann an seiner Coronainfektion verstorben, wenn er an seiner Galle keinerlei Beschwerden gehabt hätte.

Ähnlich hatte das OLG Köln auch bereits zu einem hier zahnärztlichen Standardverstoß entschieden. Dieser kann danach nur zur Haftung für Schäden führen, die zu verhindern der verletzte Standard geeignet war. (mwo)

Oberlandesgericht Köln, Az.: 5 U 2/24

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