Privatmedizin

Patientenbeauftragter fordert: Bestimmte IGeL verbieten!

Individuelle Gesundheitsleistungen sind von jeher auch ein Stein des Anstoßes. Aktuell stößt sich daran der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Stefan Schwartze (SPD).

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Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung? Der IGeL-Monitor hat für diese Selbstzahlerleistung bisher keine überzeugenden Nutzenbelege zu finden vermocht.

Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung? Der IGeL-Monitor hat für diese Selbstzahlerleistung bisher keine überzeugenden Nutzenbelege zu finden vermocht.

© megaflopp / stock.adobe.com

Berlin. Einige Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sollten nach Ansicht des Patientenbeauftragten der Bundesregierung verboten werden.

„Leistungen, die von den medizinischen Fachgesellschaften als schädlich bezeichnet werden, haben in Arztpraxen nichts zu suchen und gehören verboten“, sagte Stefan Schwartze (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Konkret nannte er die Ultraschalluntersuchung zur Krebsfrüherkennung der Eierstöcke und der Gebärmutter.

Diese Untersuchung sei eine der am meisten verkauften Leistungen. Sie schade aber, weil es häufig falsch-positive Befunde gebe und dadurch unnötige weitere Untersuchungen und Eingriffe folgten, so der SPD-Politiker.

„Hier werden junge Frauen ohne Not in Angst und Schrecken versetzt. Diese Untersuchung wird deshalb auch von den gynäkologischen Fachgesellschaften abgelehnt.“

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Laut Schwartze will die Ampel-Koalition es Opfern von Behandlungsfehlern künftig zudem leichter machen, Recht zu bekommen. Die Gespräche mit Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) über eine Reform des Patientenrechtegesetzes seien auf einem guten Weg.

„Die Betroffenen scheitern meist daran zu beweisen, dass der Schaden allein durch einen Behandlungsfehler verursacht wurde“, erläuterte er. Dieser Vollbeweis sei extrem schwer zu erbringen. „Deshalb setzte ich mich dafür ein, dass künftig die überwiegende Wahrscheinlichkeit ausreicht.“ So sei es zum Beispiel auch in Österreich und der Schweiz.

Außerdem forderte Schwartze die Ärzteschaft und die Sozialversicherungen auf, die Probleme von Long-COVID-Patienten ernst zu nehmen. „Die Zahl der Betroffenen ist inzwischen sehr, sehr hoch“, sagte er. „Weil das Wissen auch in der Ärzteschaft fehlt, werden sie schnell in die Ecke einer psychischen Erkrankung gestellt, wo sie definitiv nicht hingehören“, so Schwartze weiter.

Auch in der Kranken- und Rentenversicherung fänden sie teils keine Anerkennung und würden wie Simulanten behandelt. „Wir hören von vielen Schicksalen, bei denen wirtschaftliche Existenzen ganzer Familien wegbrechen.“ (dpa)

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Kommentare
Dr. Joachim Kerl 07.04.202410:59 Uhr

Herr Schwartz, Mitglied der SPD, fällt seit Jahren durch populistische Äusserungen zugunsten seiner Interessenvertretung auf.Diese sind häufig unüberlegt und fallen durch Unkenntnis in der Sache auf.Allerdings hat er eine Nähe zu vielen Medienvertreter, die sich gern seiner Halbwahrheiten annehmen. Wie gut, dass seine oft inkompetenten Anmerkungen keine wesentlichen Nachwirkungen bei Entscheidungsträgern haben.

Dr. Thorsten Schmidt 04.04.202419:55 Uhr

Long COVID, Post Vac…. Ja kenne ich an und jetzt? Keinem meiner Long COVID post vac Pat wurde bisher von der Klinik Donaustauf ehemals Spezial Klinik , noch von der ini Regensburg (Nachfolger der Klinik Donaustauf ) geholfen.
Alle bekommen eine andere Diagnose ME/CSF aber keine Therapie.
Ich höre auch nichts mehr über Forschung zu Post COVID Zuständen…. Eine Anerkennung der Politik dieses Zustandes als Problem ist nicht gegeben, deswegen wohl auch keine Berichterstattung dazu.
Sollten Rückfragen sein habe ich Patienten die gerne bereit sind in der Öffentlichkeit Uhr Schicksal zu schildern und vor allem was sie bereits an eigenen Finanzen / Diagnostik investiert haben.
Mit freundlichen Grüßen

Harald Schneider 04.04.202419:39 Uhr

„Leistungen, die von den medizinischen Fachgesellschaften als schädlich bezeichnet werden, haben in Arztpraxen nichts zu suchen und gehören verboten“, sagte Stefan Schwartze (SPD)
Ja bitte, fast alle medizinischen Fachgesellschaften weisen immer wieder auf die Schädlichkeit politischer Entscheidungen im Gesundheitssystem hin. Bisher hat sich offensichtlich niemand um den immensen Schaden gekümmert, den diese unerwünschten oft inkompetenten Entscheidungen anrichten.
Hr. Schwartz! Bitte handeln Sie endlich!

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