Jede fünfte Klinik im Norden ist im Minus
Die Krankenhausgesellschaft fürchtet, dass sich die Situation durch die Gesundheitsreform weiter verschärfen wird. Viele Kliniken haben außerdem Probleme, Ärzte und immer häufiger auch Pflegekräfte zu finden.
Veröffentlicht:
Ein Grund für den anhaltenden Pessimismus im Norden ist die Gesundheitsreform.
© imageteam / fotolia.com
LÜBECK (di). 170 Ärzte fehlen in den Kliniken Schleswig-Holsteins - Tendenz steigend. Auch die wirtschaftliche Situation der Häuser ist problematisch.
Jede fünfte Klinik im Norden hat im vergangenen Jahr einen Verlust gemacht. Für das laufende Jahr erwartet ein ähnlich hoher Anteil rote Zahlen. Darauf verwies Bernd Krämer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH), bei den Schleswig-Holsteinischen Gesundheitstagen in Lübeck. Ein Grund für den anhaltenden Pessimismus ist die Gesundheitsreform. Drei Punkte kritisieren die Kliniken: Der geplante Verzicht auf die Angleichung an die bundesweiten Preise, die fortgesetzte gesetzliche Preisdeckelung auf 0,58 Prozent und die direkte Vergütungskürzung in Höhe von 30 Prozent, wenn Kliniken mehr Leistungen mit den Krankenkassen vereinbaren, weil mehr oder schwerere Fälle vom jeweiligen Krankenhaus zu behandeln sind.
Hinzu kommen die Personalsorgen der Kliniken. Immer mehr Arztstellen bleiben unbesetzt und auch in der Pflege droht ein Mangel an Fachkräften. "Die ohnehin hohe Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in den Kliniken wird massiv erhöht, wenn die Kliniken durch die von der Berliner Koalition vorgesehenen Kürzungen ihre tariflichen Personalkostensteigerungen nicht einmal ansatzweise refinanzieren können", so Krämer. Was die Koalition den Krankenhäusern abverlange, sei "hart und deprimierend".
Nach seinen Angaben sind in zwei Drittel aller Krankenhäuser durchschnittlich zwei bis drei Arztstellen nicht besetzt. Landesweit fehlen den Kliniken rund 170 Ärzte. Diese Zahl wird nach Hochrechnungen der KGSH in den nächsten zehn Jahren deutlich steigen. Drei von fünf Kliniken sehen es außerdem als zunehmend schwieriger an, Stellen im Pflegebereich zu besetzen.
Um dem Personalmangel zu begegnen, forderte Krämer, die Zulassungsmodalitäten zum Medizinstudium ebenso wie die Übertragung von Tätigkeiten auf andere Berufsgruppen zu überdenken. MVZ auf dem Land und in der Trägerschaft von Krankenhäusern hält er für ein geeignetes Mittel, um Versorgungsprobleme zu lösen.