Kapitalanlage
Rückenwind für Technologiebranche
Software-Unternehmen und Videokonferenzanbieter verzeichnen aktuell hohe operative Zuwächse. Das spiegelt sich auch in deren Börsenkursen wider. Insbesondere bei Aktien von Unternehmen, die Produkte zur IT-Sicherheit vermarkten, sehen Analysten noch Potenzial.
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Corona heißt Homeoffice und Homeoffice heißt mehr Verkehr auf der Datenautobahn – und das bringt weitere Wachstumsimpulse für die IT-Wirtschaft.
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Neu-Isenburg. Die globale Wirtschaft ist durch die Corona-Pandemie zwar tief in die Rezession geraten. Doch längst nicht alle Unternehmen stecken deshalb in Schwierigkeiten. Im Gegenteil: In der Technologiebranche boomen die Geschäfte weiterhin.
„Das Virus hat der Wirtschaft nicht nur eine bislang beispiellose Krise eingebrockt, sondern auch zu einem nicht für möglich gehaltenen Schub bei der Digitalisierung geführt“, sagt Andreas Stattrop, Direktor der Oberbanscheidt & Cie Vermögensverwaltung in Kleve.
So steigerte beispielsweise der Softwareriese Microsoft im 2. Quartal seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf umgerechnet 32,2 Milliarden Euro und erwirtschaftete dabei einen Gewinn von knapp 9,5 Milliarden Euro.
Was den Zuwachs wesentlich getrieben hat, war die Arbeit aus dem Homeoffice. Weil viele Bürobeschäftigte Daheim ihre Tätigkeit verrichten, haben Unternehmen für sie im großen Stil Notebooks mit dem Windows-Betriebssystem des US-Konzerns eingekauft.
Teure Aktien der Krisengewinner
Noch stärker legte der Videokonferenz-Anbieter Zoom zu. Das Unternehmen aus San Francisco erwirtschaftete von Anfang Februar bis Ende April Einnahmen von 278 Millionen Euro – ein Plus von 169 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019. Für das Gesamtjahr rechnet Zoom mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar – doppelt so viel wie im Vorjahr.
Pro Tag nutzen inzwischen 300 Millionen Menschen die Zoom-Software, um mit ihrer Hilfe sicher vor einer SARS-CoV-2-Infektion über das Internet mit anderen zu kommunizieren. Im Dezember 2019 waren es täglich nur ein Bruchteil dessen, nämlich lediglich zehn Millionen gewesen.
„Die Corona-Pandemie wirkt in vielen Unternehmen wie ein Brandbeschleuniger für den Megatrend der Digitalisierung“, sagt Stattrop. „Ärzte bieten immer häufiger virtuelle Sprechstunden an, Universitäten bieten Online-Vorlesungen und die Arbeit im Homeoffice hat sich etabliert.“
Umsatzsteigerungen bei Amazon und Microsoft
Anleger, die am Trend partizipieren wollen, könnten dies zum einen, in dem sie auf Aktien der großen bekannten Digitalisierungsgewinner setzen. „Neben Microsoft und Zoom verzeichnen auch der Online-Händler Amazon und der Google-Mutterkonzern Alphabet deutliche Umsatzsteigerungen“, sagt Stattrop.
Allerdings sind deren Aktienkurse bereits kräftig gestiegen und inzwischen deutlich teurer als vor Ausbruch der Pandemie. Das Zoom-Papier notiert heute sogar 211 Prozent höher als vor einem Jahr, und auch bei der Amazon-Aktie beträgt das Zwölf-Monats-Plus 80 Prozent.
Hingegen haben Aktien von Unternehmen, die IT-Sicherheit vermarkten, bislang zum Teil nicht einmal an jene Kurse wieder anknüpfen können, die sie vor der Corona-Krise erreicht hatten. Dabei sind ihre Dienste essenziell für die Datenübertragung im Internet, weil sie sowohl Unternehmen als auch Verbraucher vor Cyberkriminellen schützen.
Etliche Empfehlungen
Bereits 75 Prozent aller deutschen Unternehmen sind nach einer Studie des Digitalverbands bitkom Ziel von Hacker-Angriffen über das Internet geworden. „Umfang und Qualität der Angriffe auf Unternehmen haben dramatisch zugenommen“, warnt Bitkom-Präsident Achim Berg.
Das treibt die Nachfrage nach Antiviren-Programmen, Firewalls zur Sicherung von Computer und Netzwerken sowie nach Software zur Daten-Verschlüsselung, Sicherungen und Wiederherstellung. „Aktien dieser Anbieter sind für Anleger deshalb spannend“, ist Fabian Thaler überzeugt, Manager bei der TOP Vermögensberatung in München.
Zu den größten Unternehmen der Branche zählen der US-Sicherheitssoftware-Anbieter Fortinet und der US-Netzwerkausrüster Cisco Systems. Letzterer hat seine Dividende seit 2011 Jahr für Jahr gesteigert; in diesem Jahr um weitere drei Prozent. Samik Chatterjee, Analyst der US-Bank JPMorgan, erwartet, dass der Aktienkurs von Cisco System in den kommenden zwölf Monaten um weitere 9,5 Prozent steigen wird.
Fortinet hat seinen Gewinn im vergangenen Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent gesteigert. Aktuell gibt es für die Aktie gleich mehrere Kauf-, jedoch keine Verkaufsempfehlungen.
Auch deutsche Anbieter
In Deutschland profitiert etwa der IT-Sicherheitsanbieter Secunet vom Trend. Das Essener Unternehmen legte in der ersten Hälfte dieses Jahres beim Umsatz um zwölf Prozent, beim Gewinn vor Steuern und Zinsen um 38 Prozent zu.
In den vergangenen drei Monaten gewann die Aktie knapp 26 Prozent. Im Schnitt erwarten Analysten für dieses Jahr eine Dividende von 2,55 Euro – was ein Plus von 63 Prozent gegenüber 2019 bedeuten würde.