Die Katastrophe von Fukushima
Die durch Erdbeben und Tsunami verursachte Havarie des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi im Nordosten Japans im März 2011 verändert von heute auf morgen den atompolitischen Kurs in Deutschland.
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AKW Fukushima Daiichi: Einen Tag nach dem Megabeben und dem monströsen Tsunami zerstört eine gewaltige Explosion am 12. März 2011 ein Reaktorgebäude. In der Region 250 Kilometer nordöstlich von Tokio wird Radioaktivität freigesetzt, die Bevölkerung evakuiert.
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11. März 2011: 14:46 Uhr Ortszeit erschüttert mit einer Stärke von 9,0 das gewaltigste Erdbeben, das Japan je erlebt hat, den Nordosten des Landes, ein nachfolgender Tsunami überflutet große Teile der Küstengegend und sorgt für eine Spur der Verwüstung.
Opfer dieser Naturgewalten wird auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, das havariert.
Wettlauf gegen die Zeit und den GAU beginnt
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, da die unkontrollierte Kernschmelze mit ungeahnten Folgen droht. 25 Jahre nach dem durch menschliches Versagen verursachten Atomunfall von Tschernobyl zittert die ganze Welt mit, ob die Japaner - mit oder ohne Hilfe aus dem Ausland - die Situation in den Griff bekommen werden.
Schließlich sind weite Teile der Infrastruktur rund um das havarierte Atomkraftwerk zusammengebrochen, müssen Zehntausende Menschen evakuiert und erstversorgt werden. Es mangelt an Trinkwasser, Notunterkünfte müssen aufgebaut werden. Und die Angst vor ebenfalls verheerenden Nachbeben schwebt wie ein Damoklesschwert in der Luft.
Neben Ministerpräsident Yoshihiko Noda, der als Atomphysiker mit seinem - für japanische Verhältnisse untypischen - energischen Durchgreifen wohl den befürchteten GAU verhindert hat, wird Regierungssprecher Yukio Edano zum Gesicht der Katastrophe.
Unermüdlich, aber sichtlich übermüdet, informiert er - stets im blauen Schutzanzug - eng getaktet die Weltöffentlichkeit über die Folgen der Katastrophe und die Maßnahmen der Regierung.
Nachdem sich das Ausmaß der Katastrophe im politischen Berlin erkennen lässt, wird Fukushima und seine Folgen zur Chefsache von Kanzlerin Angela Merkel. Verhindern kann die analytische Physikerin dennoch nicht, dass die Atomkatastrophe in Nordostasien das ausschlaggebende Thema der Landtagswahl in Baden-Württemberg sein wird.
Erste grün-rote Regierung in Baden-Württemberg
Am 27. März machen die Wähler den Weg frei für die erste grün-rote Landesregierung in Deutschland - und mit dem endgültigen Ausstieg bis 2022 einen radikalen Wandel in der deutschen Atompolitik.
Eigentlich wollten Japan und Deutschland 2011 mit einer Reihe von Veranstaltungen auf die vor 150 Jahren offiziell besiegelte Freundschaft zurückblicken. Die Veranstaltungen waren geprägt von den Ereignissen rund um Fukushima.
Eine richtige Belastungsprobe für die bilateralen Beziehungen stellte - zumindest für die hiesigen Fußballfans - dann die Frauenfußball-WM in Deutschland dar, als die Nadeshiko das deutsche Team unerwartet schlagen und sich den Weg zum WM-Titel sichern. Für Japan bedeutet der Sieg einen kräftigen Motivationsschub, den Wiederaufbau zügig voranzutreiben.
Vor Kurzem hat sich Nippon dem deutschen Vorbild angeschlossen und den schrittweisen Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2040 angekündigt. (maw)