Strukturvertrag

Hausärzte sollen Alkoholprobleme aufdecken

In Westfalen-Lippe sollen Hausärzte künftig Patienten identifizieren, die einen riskanten Alkoholkonsum haben. Dafür winkt sogar ein extrabudgetäres Honorar.

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KÖLN. Mit einem neuen Strukturvertrag wollen die KV Westfalen-Lippe (KVWL) und die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) die Versorgung von Patienten mit kritischem Alkoholkonsum verbessern.

Qualifizierte Hausärzte sollen Risikopatienten identifizieren und sie zu einer Reduktion des Alkoholkonsums motivieren. Für die zusätzlichen Leistungen erhalten sie eine extrabudgetäre Vergütung.

KV und Kasse reagieren mit der Vereinbarung auf die Tatsache, dass viele Menschen, die ein Alkoholproblem haben, keine suchtspezifischen Einrichtungen aufsuchen, aber wegen gesundheitlicher Probleme häufig den Hausarzt in Anspruch nehmen. "Er spielt bei der Identifizierung gefährdeter Patienten die entscheidende Rolle", sagt der zweite KVWL-Vorsitzende Dr. Gerhard Nordmann.

KKH-Versicherte, bei denen sie einen übermäßigen und gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum festgestellt haben, sollen die teilnehmenden Hausärzte künftig dabei unterstützen, ihr Trinkverhalten zu verändern. Dabei helfen ein ausführliches Beratungsgespräch von 20 Minuten und zwei 15-minütige Kurzinterventionen im ersten Jahr der Vertragsteilnahme.

Innerhalb des ersten Teilnahmejahres kann noch ein Follow-up-Gespräch zur Sicherung der Behandlungskontinuität erfolgen, im zweiten Jahr sind zwei solcher Gespräche möglich. Für die Beratung erhalten die Ärzte 42 Euro, für die Kurzintervention und die Follow-up-Gespräche jeweils 20 Euro.

Die KKH stellt den Patienten darüber hinaus zur Unterstützung auch ihren Online-Coach und Informationsmaterial zur Verfügung. Die Teilnahme ist für die Patienten kostenlos und freiwillig. Die KKH hat in Westfalen-Lippe rund 110.000 Versicherte.

Hausärzte, die an dem Vertrag teilnehmen wollen, müssen über die Berechtigung "Psychosomatische Grundversorgung", die Zusatzweiterbildung "Suchtmedizinische Grundversorgung" oder den Nachweis über eine Schulung in "Motivational Interviewing" verfügen.

Der Vertrag wurde in der Vertragswerkstatt der KBV entwickelt. Westfalen-Lippe ist die Pilotregion, in der er erstmals umgesetzt wird. "Ich wünsche mir, dass der Vertrag auch in andere Regionen und bei weiteren gesetzlichen Krankenkassen auf Interesse stößt", betont KBV-Vorstand Regina Feldmann. (iss)

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 30.07.201410:19 Uhr

Liebe KVWL, KBV und KKH

Liebe Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und liebe Kaufmännische Krankenkasse Halle (KKH): In NRW leben rund 17,6 Millionen Einwohner. Damit ist Nordrhein-Westfalen das bevölkerungsreichste und flächenbezogen mit rund 34.100 km² das viertgrößte deutsche Bundesland. Nach grober Schätzung (Familientradition!) sind 90 Prozent GKV-Kassen-Versicherte: Das sind 15,84 Millionen Menschen.

Und dann kommt ausgerechnet die KKH mit ganzen 110.000 Versicherten im "kleinen" Westfalen-Lippe "angekleckert" und will "die Versorgung von Patienten mit kritischem Alkoholkonsum verbessern"? Das Ganze kommt zusätzlich aus der berüchtigten "Vertragswerkstatt der KBV" in Berlin? Und obendrein werden auch noch von der KVWL alle Hausärztinnen und Hausärzte
o h n e Zusatzqualifikation und Berechtigung zur „Psychosomatischen Grundversorgung“, „Suchtmedizinischen Grundversorgung“ oder Nachweis einer Schulung in „Motivational Interviewing“ a u s g e s c h l o s s e n?

Na denn, Prost Mahlzeit! Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Reykjavik/Iceland)

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