Kann Dänemark die bessere Alternative sein?

Veröffentlicht:

KIEL (vdb). Ideal sei es, in Dänemark Arzt und in Deutschland Patient zu sein. Mit diesen überraschenden Worten hat Dr. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Landesärztekammer Schlewig-Holstein, bei der Eröffnung des 114. Deutschen Ärztetages die medizinische Versorgung in einer Grenzregion beschrieben.

"Meine eigene Patientendatei enthält Namen deutschsprachiger Ärztinnen und Ärzte aus allen Teilen Dänemarks." In diesem Satz stecke das ganze Dilemma des deutschen Gesundheitswesens, so der Kammerchef weiter.

Zwar sei die Arztdichte nach neusten Angaben der Weltgesundheitsorganisation mit 3,42 respektive 3,50 Ärzten pro 100 Einwohnern in Dänemark und Deutschland nahezu identisch, "die vom einzelnen Arzt erwartete Leistung dagegen hoch diskrepant".

Das Primat der umfassenden zeit- und wohnortnahen haus- und fachärztlichen Versorgung auf höchstem Niveau sei ein herausragendes Charakteristikum des deutschen Gesundheitswesens, so Bartmann.

Im Gegensatz dazu arbeiteten die Kollegen in den skandinavischen Staaten nach dem Prinzip der Priorisierung, was nicht nur die gezielte Zuteilung von Leistungen, sondern auch die Inkaufnahmen langer Wege und Wartezeiten beinhalte.

Der Kontrast könnte nicht größer sein, so Schleswig-Holsteins Kammerchef weiter. "Junge Ärzte verlassen Deutschland wegen drohender Staatsmedizin. Aber warum zieht es sie dann ausschließlich in Länder mit Staatsmedizin? Kann der Staat es eventuell doch besser als die Selbstverwaltung?" - unbequeme Fragen.

Sein Fazit: Nur wer die richtigen Fragen stellt, kann die richtigen Antworten erwarten. Mit falschen Fragen kommt man nur zu vorschnell Antworten "und an denen mangelt es weiß Gott nicht".

Lesen Sie alle Berichte und Hintergründe in unserem Special zum 114. Deutschen Ärztetag.

Jetzt abonnieren
Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Dr. Christoph Luyken 31.05.201120:25 Uhr

Die Frage ist falsch gestellt

Ärzte verlassen Deutschland nicht "wegen drohender Staatsmedizin". Die Gründe sind andere: - wegen der Geringschätzung des Ärztestandes durch offizielle Stellen; - wegen nicht mehr angemessenen Verdienstes; - wegen der Überregulierung der ärztlichen Tätigkeit (wie in einer Staatsmedizin) bei gleichzeitigem Verbleib des vollen Risikos einer Selbständigkeit; wegen einer Gesundheitspolitik, die nicht mit offenen Karten spielt.

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Bei eliPfad überprüfen Patienten regelmäßig Vitalwerte mit digitalen Messgeräten. Die Fallmanagerinnen überprüfen die Werte und informieren bei Auffälligkeiten die betreuenden Ärzte.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Innovationsfonds-Projekt

eliPfad: Einbeziehung von Niedergelassenen ist schwierig

Was tun, wenn Patienten „ausflippen“? Ein Qualitätszirkel-Modul gibt Empfehlungen für die Praxis.

© LightFieldStudios / Getty Images / iStock

„Deeskalative Techniken“ entwickeln

KBV stellt Praxen Qualitätszirkel-Modul zu Gewalt zur Verfügung

Schutzmaßnahmen müssten immer wieder überprüft und angepasst werden, um unbefugte Zugriffe auf die Praxis-IT und damit auf die besonders sensiblen Patienten- und Abrechnungsdaten zu verhindern, so KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner.

© BRN-Pixel - stock.adobe.com

Cybersicherheit

IT-Sicherheitsrichtlinie gibt Arztpraxen ab Oktober neue Aufgaben