Welche Medikamente nehmen Typ-2-Diabetiker tatsächlich ein?
Ärzte, Apotheker und Kassen in Niedersachen wollen mehr Transparenz bei der Arzneiversorgung für Diabetiker erreichen.
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Anlaufstelle Apotheke: Bei einem Apotheker ihrer Wahl sollen die angeschriebenen Typ-2-Diabetiker einen Medikamenten-Check machen.
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HANNOVER/STADE (cben). Das "Bündnis Systemcompliance" in Niedersachsen will die Arzneimittelversorgung für Patienten mit Typ-2-Diabetes entschlacken. Das Modellprojekt startet im Landkreis Stade.
Beteiligt sind Ärzte und Apotheker, die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), KV Niedersachsen, Apothekerkammer Niedersachsen, AOK Niedersachsen, DAK, HKK und die Barmer GEK. Projektpartner sind Wyeth-Pharma und MSD Sharp Dohme.
Kassen schreiben Diabetiker an
Die Kassen schreiben die Typ-2-Diabetiker unter ihren Mitgliedern an, die in ein DMP eingeschrieben und zwischen 18 und 75 Jahre alt sind. Sie werden um einen Medikamenten-Check bei einem Apotheker ihrer Wahl gebeten. Er trägt die aktuell verschriebenen Arzneimittel in eine Liste ein und prüft, ob und welche Medikamente die Patienten darüber hinaus einnehmen.
"Besonderes Augenmerk soll dabei auf die eingenommenen Schmerzmittel, sowohl die vom Arzt verordneten als auch Selbstmedikations-Präparate, gelegt werden", sagt die Landeschefin der Barmer GEK, Dunja Kleis. Der Apotheker erstellt dann für den Hausarzt eine Liste mit Hinweisen zu eventuellen arzneimittelbezogenen Problemen. Der Arzt prüft die Medikation und passt sie gegebenenfalls an.
Kommunikation soll gefördert werden
Statistisch nimmt jeder Mensch ab dem 60. Lebensjahr drei rezeptpflichtige Medikamente ein, hieß es. "30 Prozent der 75- bis 85-Jährigen bekommen sogar mehr als acht Arzneimittel verordnet", so Kleis.
Die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen steige. Das Projekt soll die Kommunikation zwischen Apothekern, Ärzten und Kassen fördern und dadurch die Behandlungsqualität für den Patienten verbessern. Ärzte und Apotheker arbeiten dabei unentgeltlich.
Das Projekt ist auf ein Jahr angelegt. Danach werden die Versicherten erneut befragt. Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung übernehmen zwei Institute der MHH.