Terminal in Apotheken

Der direkte Draht zur Kasse

Kassen entdecken die Möglichkeiten, die sich mit der elektronischen Gesundheitskarte ergeben. Die BKK Werra-Meissner setzt zum Beispiel auf ein Gesundheitsterminal in Apotheken. Der Schlüssel dazu ist die E-Card.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
Mit speziellen Gesundheitsterminals in Apotheken will die BKK Werra Meissner ihren Versicherten einen direkten Draht zur Kasse ermöglichen.

Mit speziellen Gesundheitsterminals in Apotheken will die BKK Werra Meissner ihren Versicherten einen direkten Draht zur Kasse ermöglichen.

© DeGIV

ESCHWEGE. Gesundheitsterminals in ausgewählten Apotheken der Region sollen den rund 36.000 Versicherten der BKK Werra-Meissner einen neuen Kommunikationsweg zu ihrer Kasse ermöglichen.

Mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) könne jeder Versicherte in Zukunft am Terminal den direkten Zugang zur BKK Werra-Meissner erhalten und die angebotenen Dienste nutzen.

Das kündigte die Kasse mit Sitz in Nordhessen bei der Vorstellung ihres neuen Kommunikationskonzepts unter dem Titel "Service-Innovation - Gesundheitsterminal in Apotheken" an.

Realisiert werde das neue Angebot der mit dem Gesundheitsterminal der Deutschen Gesellschaft für Infrastruktur und Versorgungsmanagement (DeGIV).

Startschuss fällt im April

Die Mehrwertdienste des Gesundheitsterminals würden im Alltag etwa von der Übertragung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinung durch direktes Einscannen am Terminal an die Krankenkasse und den Arbeitgeber bis hin zu spezifischen Anfragen wie dem Fami-Bogen und speziellen Gesundheitsinformationen reichen, erläuterten die Geschäftsführer der DeGIV Lars Kliefoth und Dieter Rittinger.

Die BKK Werra-Meissner werde ihren Versicherten diesen Service ab dem 1. April anbieten. Dazu würden die ersten Gesundheitsterminals Ende März in den teilnehmenden Apotheken von der DeGIV aufgestellt und in Betrieb genommen, hieß es.

Kassenvorstand Marco Althans betonte, dass die BKK Werra-Meissner damit die erste Krankenversicherung Deutschlands sei, die ihren Versicherten diese Service-Innovation anbiete und bewusst die Apotheke als Anlaufstelle gewählt habe.

Die BKK greift damit den Trend auf, dass Versicherte im Jahr bei Fragen zur Gesundheit häufiger in eine Apotheke als zum Arzt gehen.

Außerdem würden durch dieses Serviceangebot die Offizine der Region gestärkt und den Apothekern auch ermöglicht, zusätzliche Kunden zu generieren, wie die Krankenversicherung betont.

Kasse rührt Werbetrommel

Derzeit liegen nach Kassenangaben bereits Teilnahmeerklärungen von elf Apotheken für das Projekt vor. Die BKK Werra-Meissner hatte bereits im Vorfeld ihrer geplanten Service-Offensive gezielt bei den Offizinen die Werbetrommel gerührt.

Die DeGIV ist sich sicher, dass das Pilotprojekt der BKK Werra-Meissner Nachahmer finden wird. Sie habe dazu bereits konkrete Anfragen weiterer Krankenkassen erhalten, welche ihren Versicherten diesen Kommunikationsweg ebenfalls anbieten wollen.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 27.01.201513:48 Uhr

Na Großartig! - George Orwells "Schöne Neue Welt" lässt grüßen!

Das hat sich Kassenvorstand Marco Althans von der BKK Werra-Meissner so schön vorgestellt: Als erste Gesetzliche Krankenversicherung Deutschlands mit dem "Gesundheitsterminal" als Service-Innovation in den Apotheken eine Anlaufstelle schaffen:

1. Die Schweigepflicht nach § 203 StGB (Strafgesetzbuch) aushebeln
2. "Informationelle Selbstbestimmung" des BGH (Bundesgerichtshof) abschaffen
3. Am Gesundheitsterminal Verhaltens-, Bewegungs- und Konsummuster erfahren
4. Krankheits-, gesundheitsbewusstes bzw. schädliches Verhalten detektieren
5. den Apotheken ermöglichen, "zusätzliche Kunden zu generieren".

Unkritisches Anpreisen durch die Geschäftsführer der DeGIV (Deutsche Gesellschaft für Infrastruktur und Versorgungsmanagement) Lars Kliefoth und Dieter Rittinger: "Die Mehrwertdienste des Gesundheitsterminals würden im Alltag etwa von der Übertragung der Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung durch direktes Einscannen am Terminal an die Krankenkasse und den Arbeitgeber ... reichen".

Das kann ich mir lebhaft vorstellen: Unter augenfälligem Schulterblick von rechts und von links nimmt die Apotheken-Öffentlichkeit lebhaften Anteil, wenn ein Patient seine codierte AU-Bescheinigung coram publico einscannt. Noch können interessierte Laien diskutieren, ob es sich um krasse Fehldiagnosen, eine akute Urethritis bei Gonorrhoe (A54.0+G) oder gar um einen Primäraffekt bei Syphilis (A51.0+G) handelt? Für letzteres wäre die ärztlich verordnete Ciprofloxacin-Medikation allerdings ungeeignet, was auch den interessierten Mitarbeitern der BKK Werra-Meissner bei ihrem dann "gläsernen" Versicherten rein datentechnisch nicht entgehen dürfte.

Sämtliche Bewegungsprofile, Arztbesuche, Apothekenkontakte, Medikamenten-Verbrauchsgewohnheiten und der elektronische Abgleich der Medikation mit der Arbeitsunfähigkeit würden der BKK Werra-Meissner sofortigen Einblick, Kontrolle und Interventionsmöglichkeit f ü r oder g e g e n ihre Versicherten verschaffen. Wollen Patienten und Ärzte das wirklich?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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