Telematikinfrastruktur

KIM-Dienste: Arbeiten Software-Hersteller an der KBV vorbei?

Die KV-Vertreter in Hessen werfen den Herstellern von Praxis-EDV-Systemen in einer Resolution vor, den KIM-Dienst kv.dox bei der Kompatibilität gezielt außen vor zu lassen. Die Branche zeigt sich überrascht.

Veröffentlicht:
Nicht kompatibel: Der KIM-Dienst der KBV scheint mit den Praxisverwaltungssystemen nicht zusammenzupassen. KV-Vertreter aus Hessen sehen das Angebot ausgegrenzt und fordern Nachbesserungen in den Systemen.

Nicht kompatibel: Der KIM-Dienst der KBV scheint mit den Praxisverwaltungssystemen nicht zusammenzupassen. KV-Vertreter aus Hessen sehen das Angebot ausgegrenzt und fordern Nachbesserungen in den Systemen.

© Sebastian / stock.adobe.com

Frankfurt/Main. Arbeiten die Hersteller von Praxisverwaltungssystemen (PVS) bei der Interoperabilität von KIM-Lösungen an der KBV vorbei, um ihre eigenen Produkte besser vermarkten zu können? Davon ist zumindest die Vertreterversammlung der KV Hessen überzeugt.

Konkret geht es um kv.dox, einen von der KBV im Dezember vergangenen Jahres auf den Markt gebrachten und zertifizierten Dienst zur sicheren digitalen Kommunikation im Medizinwesen (KIM). Der Dienst ist eines von mehreren KIM-Angeboten für Vertragsärzte.

Dieser sei bisher „mit keinem der gängigen Praxisverwaltungssysteme (PVS) kompatibel“, heißt es in einer Pressemitteilung der KVH. Gesetzliche Vorgaben würden von den Herstellern „offensichtlich gezielt unterlaufen“. Niedergelassene Ärzten müssen einen KIM-Dienst nutzen, sobald sie beispielsweise digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen an die Krankenkassen verschicken, wie das ab Oktober geplant ist. Auch E-Arztbriefe müssen via KIM verschickt werden, wenn dafür ein Honorar für den digitalen Versand fließen soll.

Mit keinem bestehenden PVS kompatibel

In einer Resolution an Gesundheitsminister Spahn fordert die KVH nun das Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf, die beschlossenen gesetzlichen KIM-Vorgaben durchzusetzen und auch zu überwachen. „kv.dox arbeitet aktuell mit keinem der bestehenden Praxisverwaltungssysteme zusammen. Dabei ist es gesetzlich formulierter Auftrag an die PVS-Hersteller gewesen, hier einheitliche Schnittstellen und eine Kompatibilität herzustellen. Stattdessen bietet jeder PVS-Hersteller sein eigenes System an“, heißt es in der Resolution.

Dadurch würden die Praxen dazu gezwungen, KIM-Dienste dieser Systeme zu nutzen bzw. zu kaufen. Das BMG müsse von den Unternehmen die Kompatibilität mit kv.dox zeitnah einfordern, betont die KVH. Gegebenenfalls seien Sanktionen gegenüber den PVS-Herstellern erforderlich.

„Wahlfreiheit eingeschränkt“

Die KBV hatte bereits im März vom Bundesgesundheitsministerium gefordert, Sanktionen gegen die PVS-Hersteller zu prüfen. „In diesem Zusammenhang regen wir eine Prüfung an, ob die Möglichkeit besteht, Bußgelder zu verhängen, wenn von der gematik zugelassene Anbieter nachweislich eine freie Wahl von KIM-Diensten erschweren, verzögern oder gänzlich verhindern“, heißt es in einem Brief von KBV-Vorstand Thomas Kriedel an das BMG, der der „Ärzte Zeitung“ vorliegt. „Durch das Verhalten derart agierender PVS-Anbieter wird die Wahlfreiheit der Vertragsärzte in einem Umfeld noch weiter eingeschränkt, das ohnehin nicht geeignet ist, einen wettbewerblichen Prozess zu ermöglichen.“

Die Hersteller zeigen sich angesichts der Vorwürfe erstaunt: „Die Äußerung kommt für uns überraschend, da die KV mit uns dazu noch nicht gesprochen hat“, erklärt Valentin Willaredt, Sprecher des Bundesverbands Gesundheits-IT auf Nachfrage. „Aus unserer Sicht wurde durch die Bestätigung durch die gematik attestiert, dass die gesetzlichen Anforderungen erfüllt wurden.“(kaha)

Jetzt abonnieren
Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2024

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Eine Sanduhr, durch die Geldstücke fall

© fotomek / stock.adobe.com

Tag der Privatmedizin 2024

Outsourcing: Mehr Zeit für Patienten!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Buch mit sieben Siegeln oder edles Werk? KI-Idee einer in Leder eingebundenen neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)

© KI-generiert mit ChatGPT 4o

Exklusiv Entwurf unter der Lupe

Das brächte Ihnen die neue GOÄ

Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

© Janssen-Cilag GmbH

Video

Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

Kooperation | In Kooperation mit: Janssen-Cilag GmbH
Höhen- oder Sturzflug?

© oatawa / stock.adobe.com

Zukunft Gesundheitswesen

Höhen- oder Sturzflug?

Kooperation | In Kooperation mit: Janssen-Cilag GmbH
Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

© MQ-Illustrations / stock.adobe.com

Digitalisierung

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

Kooperation | In Kooperation mit: Janssen-Cilag GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Manchmal kommt Künstliche Intelligenz ziemlich abstrakt daher. Doch es gibt zunehmend auch konkrete Anwendungen, sogar für Arztpraxen.

© 3dkombinat - stock.adobe.com

Praxisorganisation

Mit KI zu mehr Entlastung fürs Praxisteam

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Doctolib GmbH
Dr. Antigone Fritz und Hubertus Müller sitzen trocken am PC. Dort zu sehen: ein Bild vom Hochwasser in Erftstadt vor drei Jahren.

© MLP

Gut abgesichert bei Naturkatastrophen

Hochwasser in der Praxis? Ein Fall für die Versicherung!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MLP
Schnelle Kommunikation, aber sicher: Das hilft Teams unterschiedlicher Einrichtungen bei der effizienten Zusammenarbeit.

© [M] Famedly

Neues Kooperationswerkzeug im Netz

Effiziente Kommunikation: Der schnelle Draht von Team zu Team

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Doctolib GmbH
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hormonregulation im Fokus

Wie Adipositas das Gehirn verändert

Sie fragen – Experten antworten

Zoster-Impfung bei einer 39-jährigen Patientin mit Morbus Crohn?

Lesetipps
Die Ärzte Zeitung hat jetzt auch einen WhatsApp-Kanal.

© prima91 / stock.adobe.com

News per Messenger

Neu: WhatsApp-Kanal der Ärzte Zeitung

Blick in ein rundes grünes Treppenhaus. Die Aufnahme ist verwackelt.

© ChiccoDodiFC / stock.adobe.com

Wiederkehrende Schwindelanfälle

Vertigo – wann steckt eine vestibuläre Migräne dahinter?