Gelenkersatz

Machen Kliniken unrealistische Versprechen?

Um Patienten für sich zu gewinnen, wecken Kliniken bei Patienten, die ein künstliches Gelenk brauchen, unrealistische Erwartungen, kritisiert ein Experte. Schulungsangebote für Ärzte und ein bundesweites Endoprothesenregister sollen Abhilfe schaffen.

Von Jonas Tauber Veröffentlicht:

KÖLN. Probleme mit künstlichem Gelenkersatz sind häufig eine Folge überzogener Erwartungen der Patienten, die Kliniken durch übertriebene Werbeversprechen schürten. Das sagte Professor Carsten Perka vom Lehrstuhl für Endoprothetik an der Charité Berlin zum Auftakt des Kongresses "Qualitäts- und Sicherheitsinitiative Endoprothetik" in Köln.

"Der Anspruch an die Lebensqualität in der Bevölkerung nimmt auch im hohen Alter weiter dramatisch zu", erklärte Perka. "Ziel für den Patienten ist die vollständige Wiederherstellung der Belastbarkeit, auch bei sportlicher Betätigung."

Um sich im Wettbewerb gegen die Konkurrenz zu behaupten, überbieten sich einige Kliniken in unrealistischen Werbeversprechen, kritisierte er.

Patienten müsse künftig klarer gemacht werden, dass die Lebensdauer von Implantaten von der Stärke der Belastung abhängt, forderte er. Außerdem müssten die Schulungsangebote für behandelnde Ärzte verbessert werden.

Der Sprecher des Fachbereichs Endoprothetik beim Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), Marc D. Michel, forderte, dass das deutsche Endoprothesenregister (EPRD) verpflichtend gemacht werden sollte. So könnten auch wirklich alle Operationen erfasst werden.

"Wir brauchen das EPRD als Frühwarnsystem für Innovationen und es sollte aus unserer Sicht ganz klar verpflichtend werden."

Register wichtig zur Qualitätskontrolle

Professor Michael M. Morlock, Leiter des Instituts für Biomechanik an der TU Hamburg, stimmte dem zu. "Register sind ganz wichtig für die Qualitätskontrolle." Das zeige der Blick in andere Länder. Ein verpflichtendes Register sei in Deutschland bisher am Datenschutz gescheitert.

Der Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion Volker Kauder sagte, er könne sich ein verpflichtendes Register grundsätzlich vorstellen. Kauder hält es für richtig, dass der Gesundheitsausschuss im Europa-Parlament die Einführung eines staatlichen Zulassungsverfahrens für Medizinprodukte abgelehnt hat.

"In Wahrheit schadet eine staatliche Zulassung mehr als sie nutzt", sagte er. Stattdessen solle es mehr und unangemeldete Kontrollen der Implantathersteller geben, forderte er. "So kann festgestellt werden, ob die hergestellten Produkte noch mit den zugelassenen Produkten übereinstimmen."

Morlock hält die bisherigen Testverfahren für Implantate für überholt. "Wenn heute beim Patienten mit Implantaten Probleme auftreten, so sind diese in der Mehrzahl der Fälle nicht auf das Design oder das Material des Implantats, sondern auf den Operateur oder den Patienten zurückzuführen", sagte er.

Deshalb müsse stärker als früher die Komplettsituation in den Fokus genommen werden. Das gelinge über Computersimulationen oder anhand von Testoperationen. Mit der derzeitigen Erfolgsquote in der Endoprothetik von 98 Prozent dürfe man nicht zufrieden sein.

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