Berlin

Homöopathie-Kongress im Mai

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BERLIN. "Komplexität und Individualität - Homöopathie bei multimorbiden Patienten" lautet das Thema bei der 164. Jahrestagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte vom 14. bis 16. Mai in Köthen(Anhalt) .

Patienten mit Mehrfachdiagnosen und höherem Lebensalter nehmen in den Praxen zu. "Das Thema des Kongresses spiegelt genau diese Alltagsrealität wieder", wird die Berliner Ärztin Dr. Ursula Dohms, die das Orgateam leitet, in einer Mitteilung des DZVhÄ zitiert.

Und was sagt die Wissenschaft zur Homöopathie? Dieser Frage geht Jens Behnke, Carstens-Stiftung, im Eröffnungsvortrag auf den Grund. Behnke präsentiert zunächst den aktuellen Stand der Forschung zur Homöopathie.

Da das Verhältnis von Homöopathie und Wissenschaft von jeher ein angespanntes ist, plädiert Behnke in seinem Vortrag für einen Minimalkonsens von Ärzten und Kritikern.

Es werden etwa 500 Ärzte erwartet, mehr als 40 namhafte Referenten stellen ihre Themen in Vorträgen, Seminaren und Workshops vor.

Der Deutsche Homöopathie-Kongress 2015 wird ergänzt durch eine Fachausstellung und einen Patiententag. CME Punkte sind bei der Ärztekammer beantragt, für das DZVhÄ Homöopathie-Diplom werden bis zu 20 Fortbildungspunkte vergeben. (eb)

Mehr Infos zum Kongress gibt es im Internet auf: www.homoeopathie-kongress.de

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Die kuriosen und skurrilen Wünsche aus der Ärzteschaft

Kommentare
Dr. Edmund Berndt 18.01.201514:03 Uhr

Und was sagt die Wissenschaft zur Homöopathie? Dieser Frage geht Jens Behnke, Carstens-Stiftung, im Eröffnungsvortrag auf den Grund. Behnke präsentiert zunächst den aktuellen Stand der Forschung zur Homöopathie.

Das sollte, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, der kürzeste Vortrag werden. Homöopathie beruht auf transrealen Vorstellungen oder anders herum ist ein Fossil aus der Steinzeit der Medizin. Es fehlt die Bestätigung des Phänomens einer kausalen Heilung und die Erklärungen zur angeblichen Wirksamkeit sind samt und sonders absolut im Widerspruch zu allen bewährten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Ihre Wirksamkeit bezieht die Homöopathie im Glauben an ihre Wirksamkeit.
Der Aberglaube Homöopathie wird mit dem Mantel der Naturwissenschaft verkleidet. Die Spezialdisziplin ist allerdings die Transformation an sich eindeutiger für die Homöopathie jedoch negativer Studienergebnisse. Selektives Zitieren oder Rosinenpicken nennt man das.

Dr. Edmund Berndt 18.01.201510:51 Uhr

Modernes Gesundheitswesen – mit oder ohne Esoterik?

Kann ein modernes Gesundheitswesen seine Aufgaben erfüllen, wenn seine Medizin und seine Pharmazie mit Esoterik überfrachtet werden und sich Aufklärungsfeindlichkeit breitmacht? Die Antwort ist ein klares „Nein“. Aber es scheint trotzdem zu funktionieren. Die Zahlen sprechen für sich.

Die postmoderne pseudowissenschaftliche Bioromantik, voller Schwingung, die den Bildungshintergrund alternativer und ganzheitlicher Medizin abgibt, hat religiös-transzendente Hypothesen in heilige, allmächtige Bioinformation umgewandelt. Heute heilen nicht mehr Rosenkranzperlen und Weihwasser, sondern Globuli und Granderwasser, weil daran geglaubt wird.

Im Grunde geht es um einen so genannten Relativismus. Nach welchen Kriterien und Grundannahmen soll in der Medizin und überhaupt entschieden werden. Wenn abergläubischen und magischen Ansichten der gleiche Stellenwert wie wissenschaftlichen Erkenntnissen und Naturgesetzen eingeräumt wird, muss alles, auch das Absurde, gelten. Es gibt dann auch nichts Absurdes mehr. Alles ist gleich wahr und es gibt dann auch keine gültigen verbindlichen Entscheidungsgrundlagen mehr. Denken wird überflüssig und kann abgeschafft werden. Was in der Gesellschaft bei den Religionen gilt, gilt auch in der Medizin. Die Position „alles geht“ führt in das Nichts.

Dass an Homöopathie geglaubt wird, ist längst keine Einzelerscheinung sondern allgemeiner Konsens. Die Homöopathie wirkt als Ideologie über den Bereich Medizin hinaus. Warum und wie weigern sich die Menschen quer durch die Gesellschaft, die naturwissenschaftliche Aufklärung anzunehmen?

Homöopathie dringt aus der Medizin in den Alltag vor

Die Attraktivität ist ungebrochen. Nahezu alles kann irgendwie homöopathisch behandelt werden. Auch Seuchen wie Ebola werden zum Ziel homöopathischer Behandlungsphantasien. Selbstverständlich gehört heute die Homöopathie zum Repertoire der Veterinärmedizin. Haus- u. Nutztiere werden behandelt und auch im Gartenbau wird Homöopathie angewendet.

Der Aberglaube Homöopathie ist nämlich längst nicht mehr eine medizinische Behandlungsmethode in engerem Sinn. Die magischen Grundlagen des Gesundheitsaberglaubens Homöopathie finden in allen erdenklichen Lebensbereichen Anwendung. So werden auch Pflanzen schon homöopathisch behandelt. Gemäß dem Leitdogma „Gleiches heilt Gleiches“ werden mit Helix tosta Globuli (geröstete Schnecke) Gartenschnecken in Schach gehalten. Homöopathische Informationen werden zur Verbesserung des Wohnraumklimas an die Wand gemalt. Auch bei Mauerentfeuchtungsgeräten – ein eigenes Tummelfeld für Pseudotechnik – wird mit Homöopathie argumentiert.

Es wird eine Wirksamkeit vorgegaukelt. Die unüberbrückbaren Ungereimtheiten und Gegensätze zu Wissenschaft werden hinter transrealen Vorstellungen versteckt. Der Begriff „Homöopathie“ wurde zum Zauberwort. Nichts und niemand hindern, dieses magische Wort auf jeden nur denkbaren Nonsens umsatzsteigernd draufzukleben. Absolut jeder der will, kann sich als Homöopath bezeichnen, sich auf die Homöopathie berufen und irgendwelchen kruden Mittel und Verfahren zumindest das Markenzeichen Homöopathie umhängen. Daran stößt sich auch in der akademischen Homöopathiegemeinde niemand.

Allerdings von Empfehlungen zur Empfängnisverhütung mittels Homöopathie konnte ich bis dato nichts bemerken. Ein katholischer Arzt, der als „Schulmediziner“ bezeichnet wurde, hatte laut angedacht Homosexualität mit Homöopathie zu heilen. Ich darf wiederholen. Es gibt keine ernsthaften Einwände oder laute Proteste gegen diese und andere Skurrilitäten seitens ärztlicher Homöopathiegesellschaften.

Was für aufgeklärte Zeitgenossen ein kurioser Aberglaube ist, gilt für Anhänger als unbedingt wahr also für mehr als nur irgendwie wahrscheinlich oder zufällig. Dafür gibt es verschiedene Gründe und Erklärungen, die nicht isoliert zu sehen sind, die ineinander übergehen und die mit dem Phänomen Aberglaube zusammenhängen.

Mit pseudowisse

Dr. Edmund Berndt 17.01.201514:13 Uhr

Der Marktplatz Homöopathie

Wenn man über die Gründe der Verbreitung der Homöopathie nachdenken will, muss man sich einmal den Marktplatz und seine Teilnehmer ansehen. Wer bietet Homöopathie an und wer kauft Homöopathie. Welche Umstände nützen dem Geschäft mit der Homöopathie? Was macht die Homöopathie so attraktiv für viele Menschen? Wie bei vielen Mitteln und Methoden ist hier ein breites Spektrum in vieler Hinsicht vorhanden. Es gibt praktisch keinem Bereich im Gesundheitswesen, in dem die Homöopathie nicht vertreten ist.

Wir können bei den offiziell befugten Anbietern in den Ordinationen der approbierten Mediziner und Medizinerinnen und den öffentlichen Apotheken beginnen. Wie man richtig homöopathisch denkt und handelt, wird zum Teil schon in den Ausbildungen allen kritischen Diskussionen zum Trotz vermittelt und ein breites beruflich installiertes Angebot von Weiterbildungsaktivitäten rundet das Bild ab. Die Homöopathie wird teilweise aktiv als besondere Leistung ausgelobt und andernorts als Wunsch der Patienten hingenommen. Die Nachfrage ist gegeben und wer diese nicht befriedigt, ist schon fast Außenseiter und hat Erklärungsbedarf. Es bedarf mitunter viel Einfühlungsvermögen und Überredungskunst, dem Wunsche nach Homöopathie nicht nachzukommen zu müssen.

Theoretisch kann kein Arzt gezwungen werden homöopathisch zu behandeln, aber praktisch geht er vielen Diskussionen aus dem Weg, wenn er Homöopathie als zusätzliche Behandlung duldet. So werden viele Homöopathika stillschweigend entgegen ärztlicher Überzeugung verordnet, um nicht Patienten an die Konkurrenz zu verlieren. Ärztliche Rezepte für homöopathische Mittel dürfen in der Apotheke nicht in Frage gestellt werden. Auch ist es den absolut unzulässig, dass in der Apotheke irgendwelche „Verbesserungen“ oder gar Änderungen daran vorgenommen werden.

Das Bewerben der Homöopathie erfolgt oft mit dem Hinweis, dass immer mehr wissenschaftliche Studien die Wirkung bestätigten. Das ist oft zu lesen und zu hören. Ich halte das für keine zulässige Werbung sondern für eine glatte Lüge.

Die Homöopathie steht in einem Widerspruch zur gesamten Naturwissenschaft, der rational nicht auflösbar ist. Der Homöopathie eine eigene, spezifische, ursächliche Wirkung zuzuschreiben ist nicht möglich, es sei denn, man hält das Wirken von geistartigen Kräften so wahrscheinlich wie die Wirkung der Schwerkraft. Wer, dem Gesetz entsprechend, den Arzt- o. Apothekerberuf ausübt, wurde so umfassend in den Naturwissenschaften, in Physik, Chemie, Biologie und nachfolgend in berufsspezifischen Fächern ausgebildet, dass ein Berufen auf diesbezügliches Nichtwissen absurd ist. Man kann hinterher nicht sagen, ich weiß nichts von Unvereinbarkeiten. Ein logisches zurück hinter die Aufklärung gibt es nicht.

Tatsache ist, dass immer mehr Studien immer zweifelsfreier belegen, dass Homöopathie nicht kausal wirkt. Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass irgendeiner bestimmten Hochpotenz irgendeine bestimmte Wirkung zugeordnet werden kann. Studien zur behaupteten Wirksamkeit gibt es nicht erst seit jüngster Zeit. Der Bogen der negativen Studien reicht zurück bis zu Lebzeiten von Hahnemann. So wurde bereits im Jahre 1835 in der Nürnberger Kochsalzstudie herausgefunden, dass Homöopathie nicht wirkt. Und diese Studie erfüllte bereits damals alle Bedingungen, die heute für eine Wirksamkeitsstudie erforderlich sind. Es kann daher geschlossen werden, dass diese Fakten absichtlich nicht erwähnt werden oder eine derart selektive Wahrnehmungsschwäche vorliegt, dass der unbedingte Glauben an eine wirksame Homöopathie noch immer weiterlebt.

Es ist vollkommen egal, welche Globuli (Kugerl) bei welcher Erkrankung verabreicht werden. Die Heilwirkung, die beobachtet werden kann, ist immer gleich und entspricht der Wirkung, die auf Grund der Erkrankung im Rahmen der Selbstheilung, des natürlichen Heilungsverlaufes, der Placebowirkung usw. zu erwarten ist.

Homöopathie ist ein medizinischer Aberglaube und wi

Dr. Edmund Berndt 17.01.201511:51 Uhr

Grundlagen der Homöopathie im Gegensatz zu Aufklärung und Bildung

Ein Grund für die Beliebtheit der Homöopathie liegt in der zum Teil ungenügenden allgemeinen Bildung. Die Betreuung, Erziehung und die Schul- und Universitätsbildung von Kindern und Jugendlichen hat zum Ziel, diesen nicht nur eine berufliche Ausbildung im engeren Sinn, sondern auch eine Bildung im klassischen Sinne der Aufklärung angedeihen zu lassen. Das beginnt schon im Kindergarten. Hier können bereits emotionale und intellektuelle Anlagen gefördert oder unterdrückt werden, die für die Entwicklung der Persönlichkeit einerseits und für die berufliche Zukunft andrerseits bedeutend sind. Allen Kindern sollte ermöglicht werden, später als Erwachsene mündig, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst leben zu können.

Wirklich verantwortungsbewusst kann aber nur dann gehandelt und gelebt werden, wenn die Folgen von Entscheidungen mit hinreichender Gewissheit abzusehen sind. Diese hinreichende Gewissheit setzt ein naturwissenschaftliches Basiswissen, Skepsis und Verständnis für mündige Erwachsene voraus. Daher gibt es keine Bildung und Ausbildung ohne Naturwissenschaft bzw. naturwissenschaftliches Grundwissen.

Das Gegenteil wäre der Fall, wenn eine bloße Betreuung und Verwahrung der Kinder im Kindergarten und nachfolgenden Bildungseinrichtungen gefragt ist. Auch könnten Kindern und Jugendlichen lediglich bestimmte Verhaltensweisen und/oder Fertigkeiten angelernt werden, um sich später zu bewähren und selbständig leben zu können. Dazu wird in aller Regel nur eine entsprechend qualifizierte Ausbildung oder ein Anlernen notwendig sein, um eben beschäftigt werden zu können. Das ist jedoch nicht „Bildung“ im klassischen Sinn. Bildung und Ausbildung sind nicht das gleiche. Sie sollten einander ergänzen.

Die Kriterien, Ansichten und Lebensphilosophien, mit denen die Welt erklärt werden kann, können sehr unterschiedlich sein. Die selektive Wahrnehmung und die Eigenheit unseres Gehirns, aufeinanderfolgende Ereignisse zwingend nur als Verknüpfung von Ursache und Wirkung anzusehen, erlauben es jedem eine private bzw. subjektive „Logik“ zu entwickeln.

Diese Logik, das „post hoc, ergo propter hoc“ ist zwar nur scheinbar, aber sehr praktisch und damit auch vorteilhaft. So kann man sich die Welt auch mit den verschiedensten magischen, esoterischen und abergläubischen Vorstellungen „subjektiv“ erklären und hinter den Dingen Zusammenhänge sehen, mit denen man mehr oder weniger erfolgreich sein Leben bestreiten und auf die Zukunft schließen kann. Der Mondkalender und das Tageshoroskop sind so verführerische simple und daher besonders einleuchtende Regeln, um ohne weiteres Nachdenken entscheiden zu können. Besonders attraktiv sind anscheinend einfache, klare, alles erklärende „Grundsätze“, die jeder versteht und die nicht so kompliziert und unverständlich wie Wissenschaft sind.

Auch Religionen, besonders fundamentalistische, geben ein Weltbild mehr oder weniger zwingend vor. Wenn man darüber ernsthaft nachdenkt, sind Konflikte mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaften unausweichlich und auch nicht wirklich auflösbar. Rational aufgelöst werden diese Konflikte nicht, sie werden nur teilweise oder überhaupt nicht wahrgenommen. Eine naturwissenschaftliche Erkenntnis wird einfach zur beliebigen und persönlichen Meinung erklärt, die man teilen kann oder auch nicht.

In der Vergangenheit, in vorwissenschaftlicher Zeit, war es auch gar nicht anders möglich, als sich die Welt irgendwie beseelt und zweckgerichtet vorzustellen. Die Tücke des Objekts war existenziell ernst zu nehmen. Alles schien beseelt zu sein und das Unerklärliche wurde „sinnvoll“ durch zahlreiche gute und böse Geister und zuletzt durch den unerforschlichen Ratschluss eines Gottes.

Hahnemann war in dieser Hinsicht noch vollkommen ein Kind seiner Zeit. Krankheit war für ihn eine Störung der göttlichen Ordnung, eine Störung des Gleichgewichtes der Lebenskräfte. Krankheit war etwas dämonisches, das durch

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