Kommentar

Keine Neuroleptika zur Dauertherapie!

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Es ist ein Dilemma, das sich nicht so leicht lösen lässt: Demenzkranke in Pflegeheimen sind oft unruhig und aggressiv. Eine adäquate Beschäftigung mit den Bewohnern könnte zwar schon viele der Verhaltensstörungen lindern, dafür fehlen aber meist Zeit und Personal.

Der Griff zum Neuroleptikum, am besten noch zum billigen und stark sedierenden Haloperidol, liegt da nahe. Und wenn das Medikament erst einmal die gewünschte Wirkung entfaltet, denkt häufig niemand mehr daran, es eines Tages auch wieder abzusetzen. Das ist verständlich, hat mit leitliniengerechter Therapie aber nicht das Geringste zu tun.

Ohne Zweifel wird man bei schwer Demenzkranken nicht gänzlich ohne Neuroleptika auskommen, doch die Medikamente sind nicht zur Dauerbehandlung geeignet, wie sie bei einem Drittel der Demenzkranken zu vermuten ist. Denn die Mittel verkürzen nicht nur das Leben, langfristig kehren die Verhaltensstörungen trotz Therapie oft wieder zurück.

Ärzte, die Heime betreuen, können daher einiges für die Sicherheit von Demenzpatienten tun, wenn sie die Neuroleptika-Verordnungen regelmäßig überprüfen und den Pflegekräften nicht jedem Wunsch nach Sedierung der Heimbewohner erfüllen.

Lesen Sie dazu auch den Bericht: Haloperidol - im Pflegeheim keine gute Idee

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Kommentare
Ulrike Messerschmied 04.03.201215:48 Uhr

Etwas mehr sachliche Differenzierung bitte!

Sehr geehrter Herr Müller,

Ich stimme mit Ihnen grundsätzlich überein, dass Ärzte ihre Neuroleptika-Verordnungen regelmäßig auf deren Wirkung hin überprüfen sollten. Dies ist ihnen jedoch ohne die gezielte Beobachtung und Verlaufskontrolle der Pflegenden kaum möglich. Oft sind es daher die Pflegekräfte selbst, die dem Arzt die notwendigen Hinweise auf ein ,,Zuviel'''' oder auf ein ,,Zuwenig'''' bzw. auf ein am Bedarf vorbei verordnetes Neuroleptikum liefern.
Die Behandlung mit Neuroleptika und Psychopharmaka ist also kein Wunschkonzert der Pflegenden, sondern muss im Interesse der oft von Angst und Unsicherheit erfüllten Betroffenen in konstruktivem und konzertierten Austausch aller an der medikamentösen Behandlung Beteiligten erfolgen. Übrigens: Stark unruhige und aus dieser Unruhe heraus ggf. ,,aggressiv'''' - oder besser abwehrend - reagierende Heimbewohner mit einer Demenzerkrankung sind eher die Ausnahme als die Regel. Es ist also schlichtweg falsch, zu behaupten:,,Demenzkranke in Pflegeheimen sind oft unruhig und aggressiv.'''' Mein Wunsch an Sie: Etwas mehr sachliche Differenzierung bitte!

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