Koronare Herzerkrankung

"Nicht-obstruktiv" heißt nicht harmlos

Obstruktiv oder nicht-obstruktiv: Diese Unterscheidung ziehen Experten in Zweifel. Grund dafür ist eine neue Studie.

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DENVER. Die Unterscheidung der KHK in "obstruktiv" und "nicht-obstruktiv" erscheint US-Kardiologen um Thomas M. Maddox vom Denver VA Medical Center angesichts der Ergebnisse ihrer aktuellen Studie fragwürdig (JAMA 2014; 312: 1754). Danach stiegen sowohl Herzinfarkt- als auch Mortalitätsrate mit dem Ausmaß der KHK.

Signifikant erhöhte Ereignisraten fanden sich nicht nur bei Patienten mit obstruktiver KHK, sondern auch bei geringergradigen Stenosen - und zwar abhängig davon, wie viele Koronargefäße betroffen waren.

Über 37.000 Patienten untersucht

Die Forscher hatten 37.674 Patienten, die zur koronarangiografischen Abklärung einer möglichen KHK kamen, über ein Jahr nachbeobachtet. Bei 8391 Patienten hatte der Untersucher keine Stenose über 20 Prozent gefunden; sie galten als Referenzgruppe mit einer Herzinfarktrate von 0,11 Prozent und einer Ein-Jahres-Mortalität von 1,38 Prozent.

8384 Patienten zeigten Stenosegrade zwischen 20 und 50 Prozent im Hauptstamm der linken Koronararterie oder von unter 70 Prozent in einem anderen Koronargefäß - nach Definition der Forscher eine nicht-obstruktive KHK. In dieser Gruppe betrug die Herzinfarktrate 0,24 Prozent, wenn sich die Verengung auf ein Gefäß beschränkte, 0,56 Prozent, wenn sie zwei und 0,59 Prozent, wenn sie drei Koronargefäße betraf.

Bei nicht-obstruktiven Zwei- und Drei-Gefäß-Stenosen war der Unterschied zur Referenzgruppe signifikant. Gegenüber Letzterer war das Risiko für den primären Endpunkt - Klinikeinweisung wegen nicht-tödlichem Herzinfarkt - um das Zwei- bis Viereinhalbfache erhöht.

Ähnlich das Bild bei den sekundären Endpunkten (Ein-Jahres-Mortalität und Kombination aus Ein-Jahres-Mortalität und Herzinfarktrate); hier erreichte der Unterschied allerdings erst ab drei betroffenen Gefäßen die Signifikanzschwelle. Den kombinierten Endpunkt hatten bei Drei-Gefäß-Beteiligung 3,18 Prozent der Patienten mit nicht-obstruktiver KHK erreicht.

Erhebliches Herzinfarktrisiko bleibt

Zum Vergleich: Patienten mit einer obstruktiven Stenose und Beteiligung von einem Gefäß hatten eine Herzinfarktrate von 1,18 Prozent und eine Ein-Jahres-Mortalität von 2,25 Prozent. Bei drei verlegten Gefäßen oder Beteiligung des Hauptstamms betrugen die Raten 2,47 bzw. 4,30 Prozent.

Man müsse endlich anerkennen, dass auch die nicht-obstruktive KHK ein erhebliches Herzinfarktrisiko darstelle, mahnen Maddox und Kollegen. Bei der Risikoeinschätzung greife die Dichotomie "obstruktiv - nicht-obstruktiv" zu kurz. Um das Ausmaß der KHK zu quantifizieren und die jeweiligen Stenosegrade einem entsprechenden Risiko zuzuordnen, bedürfe es weiterer Forschungsarbeit.

Die vorliegende Kohortenstudie kann nur Assoziationen aufzeigen. Limitiert ist sie zudem dadurch, dass nur die Gesamtmortalität und nicht die kardiovaskuläre Sterblichkeit berücksichtigt war und keine Daten zur Medikamenten-Einnahme vorlagen. (eo)

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