Corona-Impfpflicht

Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern distanziert sich von Protestbrief

380 Ärzte hatten in einem offenen Brief an Politiker in Bund und Land Bedenken gegen die allgemeine Corona-Impfpflicht geäußert. Die Ärztekammer im Nordosten hat Bedenken an der Wortwahl und auch an den Argumenten.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Die Diskussionen um eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 ruft auch die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern auf den Plan.

Die Diskussionen um eine allgemeine Impfpflicht gegen COVID-19 ruft auch die Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern auf den Plan.

© Stefan Sauer / dpa

Rostock. Die Diskussion über eine allgemeine Impfpflicht hat längst auch unter Ärzten und anderen Heilberufen zu kontroversen Diskussionen geführt. Beide Seiten eint die Angst vor einer Spaltung der Gesellschaft.

Dass auch unter den Heilberufen nicht jeder mit der jetzt breit diskutierten möglichen Einführung einer allgemeinen Impfpflicht einverstanden ist, zeigt sich u.a. in einem offenen Brief, den 380 Ärzte, Zahnärzte und vereinzelte andere Heilberufe aus dem ganzen Bundesgebiet unterzeichneten und zu Jahresbeginn an Politiker in Bund und Land sowie an ihre Standesvertretungen schickten. Sie schließen mit dem Hinweis: „Die Unterzeichner sind keine Impfgegner und distanzieren sich von radikalem Gedankengut.“

Bedenkliche Ausdrucksweise

Allerdings lässt sich das in der Wortwahl zuvor nicht immer erkennen. Im Brief finden sich Forderungen wie „Gebieten Sie der menschenverachtenden Diskriminierungswut Einhalt“, Aussagen wie „Die rote Linie ist bereits weit überschritten“ oder „Durch regelmäßige Diffamierungen der Ungeimpften in den Medien und der Proklamierung von Schuld, Opfer und Täter wird der unsichtbaren Angst vor dem Gegenüber ein Gesicht gegeben und das Misstrauen der Menschen untereinander vertieft“.

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Voran stellten die Unterzeichnenden ihrem Brief die „Angst, dass die bestehende Spaltung der Gesellschaft weiter vorangetrieben wird“. Sie weisen außerdem darauf hin, dass Impfstoffe in ihrer Wirksamkeit nach ihrer Einschätzung politisch überschätzt werden und dass dies zu einer „Scheinsicherheit in der Bevölkerung“ führen könne, „die negative Folgen im Ausbreitungsgeschehen haben wird“.

Gemeinsame Sorge um Spaltung der Gesellschaft

Der Vorstand der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern hat sich mit dem Brief beschäftigt und öffentlich darauf reagiert. Das Gremium stellt eine mit den Unterzeichnenden gemeinsame Wahrnehmung an den Beginn – nämlich die Sorge vor einer Spaltung der Gesellschaft – und betont ausdrücklich: „Viele Überlegungen im Brief können wir nachvollziehen.“ Anders als die Verfasser des offenen Briefes zeigt der Kammervorstand aber auch Verständnis für die politischen Entscheidungsträger, die die Kammer „in einem Spagat zwischen dem grundgesetzlich garantierten Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit einerseits und andererseits der Pflicht, die umfassende gesundheitliche Betreuung auch in einer Pandemie sicherzustellen“ sieht.

Außerdem machten Präsident Professor Andreas Crusius und seine beiden Vize Dr. Andraes Gibb und Dr. Wilfried Schimanke deutlich, dass sie die Wortwahl im offenen Brief an mehreren Stellen für bedenklich halten. Sie können die „menschenverachtende Diskriminierungswut“ und einige weitere Wahrnehmungen der Unterzeichnenden nicht teilen und geben zu bedenken: „Mit „rote Linie“ wird eine Formulierung der Querdenkerszene aufgegriffen.“

Bedenken gegen mRNA-Impfstoffe irreführend

Auch einen von den Verfassern geäußerten Verdacht auf mögliche Schäden durch mRNA-Impfstoffe sei „angesichts millionenfacher Erfahrung über zwei Jahre an dieser Stelle irreführend, auch wenn der Hinweis auf fehlende Evidenz zu Langzeitfolgen richtig ist“.

Trotz des Hinweises der Verfasser, dass sie sich von radikalem Gedankengut distanzieren, sieht die Kammer im Nordosten durch den offenen Brief letztlich „die Szene der Impfgegner – auch der radikalen – gestärkt“. Denn: „Das Wort der Ärzteschaft hat immer noch Gewicht in der Bevölkerung. Mit diesem Brief haben die Kolleginnen und Kollegen es der Politik nicht leichter gemacht und die Menschen im Land eher noch mehr verunsichert.“

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