Kurzporträt
Claude Malhurets Abrechnung mit Trump und Musk
Der 75-jährige Epidemiologe Dr. Claude Malhuret gehört Frankreichs Senat an. In einer Rede warf der Senator US-Präsident Trump und seinem „Hofnarr“ Musk Zerstörung der Demokratie vor.
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Senator Claude Malhuret, Epidemiologe und Zentrums-Politiker, liest Trump und Musk in einer Rede im französischen Senat die Leviten.
© Hans Lucas / Frederic Petry / picture alliance
In Frankreich sagt man von Bummelzügen oder langsamen Autokolonnen, dass sie im „Senatortempo“ fahren. Eigentlich haben die 348 Mitglieder des im pompösen Pariser Palais du Luxembourg residierenden Senats den – etwas übertriebenen – Ruf, sich nie zu beeilen und vor allem Monumente einzuweihen. Tatsächlich aber spielen die in der Öffentlichkeit wenig bekannten Senatoren als Mitglieder des Hohen Hauses eine unentbehrliche Rolle für die Gesetzgebung in Frankreich.
Am 4. März wurde einer von ihnen, der 75-jährige Epidemiologe und Zentrums-Politiker Dr. Claude Malhuret, weltweit bekannt, als er im Senat mit US-Präsident Donald Trump und Elon Musk abrechnete. Bei einer Plenarsitzung verglich er das Weiße Haus mit Neros Palast, von wo aus der diktatorische Kaiser im Jahr 64 nach Christus Rom in Brand setzte. Dort agiere Elon Musk als „Hofnarr unter Ketamin“, befand Malhuret. Er warf Trump vor, nicht nur seine Alliierten verraten zu haben, sondern die amerikanische Demokratie binnen weniger Wochen schwer beschädigt zu haben, „fast so schnell, wie Hitler 1933 die Weimarer Demokratie zerstört hat“. Dies sei eine Tragödie für die freie Welt, aber vor allem für die USA selbst.
Das vernichtende Urteil fand in kurzer Zeit seinen Widerhall auch in US-Medien. In sozialen Medien erntete seine Rede in der ganzen Welt Zustimmung – und eine Zahl von Likes, von der die meisten Influencer nur träumen können. Nicht schlecht für einen Mann, der seit Langem vor den Gefahren durch die von ihm so bezeichneten „asozialen Netzwerke “ für die Demokratie warnt.
Einst Leiter von Ärzte ohne Grenzen
Malhuret, der seit 2014 im Senat sitzt, gehört dort zu den brillantesten Rhetorikern. Seine lange Karriere beschränkt sich aber bei Weitem nicht auf die goldenen und reich geschmückten Salons und Sitzungssäle des Senats. Ab 1978 leitete er die Ärzteorganisation Médecins Sans Frontières (Ärzte ohne Grenzen), bis er 1986 zum Staatssekretär für Menschenrechte ernannt wurde.
Von 1989 bis 2017 war er Bürgermeister des berühmten Kurorts Vichy in der Auvergne. Zudem gehörte er der französischen Nationalversammlung und dem Europäischen Parlament an. Anders als viele andere Politiker schreibt Malhuret seine Reden selber, spricht aber auch gerne frei.
So brillant seine Rhetorik ist, seine Gesetzgebungsbilanz ist weniger herausragend. Ob denn ein einziges Gesetz oder ein Antrag bekannt sei, der seinen Namen trägt, fragen andere Senatoren spitz. Diese Kritik ist nicht völlig unberechtigt – doch Malhurets altmodische, klassische Eloquenz, mit der er „ohne Filter“ Positionen vertritt, kommt in der Öffentlichkeit gut an. In der Politik geht es um Inhalte, aber eben auch um Klasse und Stil. (DDB)