Schleswig-Holstein
Klinikpersonal contra Kassen und Politik
Finanznot im Norden: Die Kliniken in Schleswig-Holstein klagen über Unterfinanzierung. Jetzt haben auch die Mitarbeiter in einer konzertierten Aktion Front gegen Kassen und Politik gemacht.
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Protest von Klinikmitarbeitern in der Landeshauptstadt Kiel.
© Schnack
KIEL. Die Betriebs- und Personalräte aus 13 schleswig-holsteinischen Krankenhäusern haben Ende Dezember mit einer Mahnwache vor der Kieler vdek-Landesvertretung für eine bessere Finanzierung von Klinikleistungen demonstriert.
Sie vertreten rund 30.000 Beschäftigte im Norden. Joachim Luplow, Konzernbetriebsratsvorsitzender im WKK Heide, appellierte an die Krankenkassen, die Forderungen der Beschäftigten gegenüber der Bundesregierung zu unterstützen.
Dazu gehört unter anderem die volle Gegenfinanzierung der jährlichen Realkosten, um eine weitere Arbeitsverdichtung an den Kliniken und die damit verbundenen negativen Folgen für die Patientenversorgung zu verhindern.
Ein vdek-Sprecher bezeichnete die volle Refinanzierung auf Nachfrage gegenüber der "Ärzte Zeitung" als "illusorisch. Das wäre ein Blankoscheck."
Auch bei weiteren Forderungen können die Beschäftigten nicht auf die Kassen zählen: "Wir geben genug Geld für die Krankenhäuser aus", sagte Florian Unger von der vdek-Landesvertretung.
Die Kritik an der Bundesregierung hätte nach seiner Ansicht auch an die Landesregierung gerichtet sein müssen, weil diese nach Kassenmeinung zu wenig Mittel für die Krankenhausfinanzierung bereitstellt.
Die Klinik-Beschäftigten im Norden wollen ihren Forderungen durch berufsübergreifende Aktionen mehr Nachdruck verleihen. Ärzte wie Dr. Hauke Nielsen aus dem UKSH in Lübeck betonten am Rande der Demonstration die Solidarität unter den Klinikangestellten: "Die Situation betrifft uns alle."
Luplow hofft, dass es in Schleswig-Holstein nach niedersächsischem Vorbild zu einer Koalition von Arbeitnehmern und Arbeitgebern kommen wird. Nach seiner Ansicht sollten von der Krankenhausgesellschaft bis zu verdi alle Betroffenen an einem Strang ziehen, um die im Bundesvergleich unterdurchschnittliche Finanzierung zu verbessern.
Verhandlungen über den Landesbasisfallwert hatten allerdings am gleichen Tag zu keinem Ergebnis geführt. Kommentar der Krankenkassen: "Wir halten die Finanzierung für auskömmlich."