Navigator soll bei Kliniksuche behilflich sein

Mitunter gleicht die Suche nach guten Kliniken der nach der Stecknadel im Heuhaufen. Die AOK will Patienten und Einweisern nun mit einem Navi helfen. Ein bisschen denkt sie dabei freilich auch an sich.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:

Gute Kliniken gesucht und (manchmal) gefunden - etwa für die Implantation eines künstlichen Kniegelenks. © sko

BERLIN. In Deutschland müssen sich jährlich rund 330 000 Patienten einer Hüft- oder Kniegelenks-Op unterziehen. Der Eingriff ist inzwischen Routine - dennoch kommt es mitunter zu Komplikationen. Um ihnen zu entgehen, wollen Patienten, Angehörige und einweisende Ärzte schon vor dem Eingriff wissen: In welcher Klinik gibt es oft Probleme? Wo läuft alles reibungslos? Wo ist die Zahl der Knochenbrüche oder der durch Infektionen verursachten Todesfälle nach einer Op am Gelenk gering?

Einfach ist die Beantwortung dieser Fragen nicht. Meist verlassen sich Patienten wie Ärzte auf die "Mund-zu-Mund-Propaganda" - von Freunden, Nachbarn oder Kollegen. Systematisch und zuverlässig ist das nicht. Die AOK hat deshalb einen erweiterten Krankenhausnavigator online gestellt, der einen "fairen Klinikvergleich durch langfristige Routinedaten" verspricht. Zunächst in vier Pilotprojekten im Norden der Republik erhalten Patienten, die an Hüft- oder Kniegelenken oder wegen eines Oberschenkelbruchs operiert werden müssen, mit Hilfe des Portals Informationen darüber, wo eine Klinik überdurchschnittliche (drei grüne Punkte), durchschnittliche (zwei Punkte) oder unterdurchschnittliche Behandlungsqualität (ein Punkt) bei den genannten Eingriffen abliefert.

Grundlage der Informationen sind Daten, die nach dem QSR-Verfahren - "Qualitätssicherung der stationären Versorgung mit Routinedaten" - ermittelt werden. Das Besondere an QSR-Daten, so Herbert Reichelt, Chef des AOK-Bundesverbandes, sei, dass nicht nur Komplikationen während des Klinikaufenthalts, "sondern auch der Verlauf bis zu einem Jahr nach der Operation ausgewertet werden".

Untersucht werde, wie häufig chirurgische Komplikationen, Thrombosen oder Lungenembolien auftreten oder wie viele Menschen nach der Op versterben. "Diese Nachverfolgung des Krankheitsgeschehens zusammen mit der Nutzung von mehreren Qualitätsindikatoren macht eine umfassende, breite und zuverlässige Qualitätsbeurteilung der Arbeit von Krankenhäusern möglich", sagt Reichelt. An der könnten sich Patienten und Einweiser bei der Kliniksuche orientieren. Bis Ende 2010 will die AOK ihrem Portal noch ein weiteres Krankheitsbild hinzufügen. Vorstellbar seien Gallenblasenoperationen oder Herzkatheteruntersuchungen - auch dies seien elektive Eingriffe, bei denen sich Ergebnisqualität standardisieren lasse, so Reichelt.

Ganz uneigennützig ist die Patientenhilfe der AOK nicht. Natürlich will auch Deutschlands größter Krankenkassenverband die Ergebnisse für sich nutzen - "zur Identifikation von Kliniken mit guter Qualität", wie Reichelt betont. Damit hätte die AOK ein gutes Fundament für Selektivverträge oder Modelle des Pay-for-Performance ("P4P") mit Krankenhaus und Ärzten gegossen. Reichelt: "Die Anstrengungen in Sachen QSR lohnen sich, denn QSR macht Qualität transparent und letztlich auch vertragsfähig. Und genau da wollen wir hin."

www.weisse-liste.aok-gesundheitsnavi.de

Lesen Sie dazu auch: AOK will Kliniken für Patienten gläsern machen

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