Deutsche Krankenhausgesellschaft
„Untergrenzen vergrätzen Pflegekräfte“
Nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft verschärfen Personaluntergrenzen den Pflegenotstand. Denn die bereits vorhandenen Pflegekräfte müssten noch mehr arbeiten als zuvor.
Veröffentlicht:Düsseldorf. Die Untergrenzen für Pflegepersonal konterkarieren die Bemühungen der Krankenhäuser, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Um zu verhindern, dass wegen Personalmangels zu viele Betten gesperrt werden, ändern die Krankenhäuser kurzfristig Dienstpläne und rufen Pflegekräfte aus der Freizeit zurück.
„Das Personal ist sehr vergrätzt“, berichtete Dr. Bernd Metzinger, Geschäftsführer des Dezernats Personal und Krankenhausorganisation bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), beim 42. Deutschen Krankenhaustag bei der Medica in Düsseldorf.
Dienstpläne werden oft geändert
Erreichen die Kliniken die Personaluntergrenzen nicht, müssen sie Betten sperren. Nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts ist das auf den Intensivstationen in 37 Prozent der Kliniken der Fall. Um die nötige Besetzung der Stationen täglich sicherzustellen, ändern die Häuser Dienstpläne kurzfristig, machen die Pflegekräfte Überstunden oder werden aus der Freizeit abgerufen.
„Das ist das Gegenteil dessen, was wir in der Konzertierten Aktion Pflege besprochen haben“, betonte Metzinger. Bessere Arbeitsbedingungen sollen eigentlich dazu beitragen, Pflegepersonal zu gewinnen und zu binden. Die für die einzelnen Stationen festgelegten Pflegepersonaluntergrenzen sind nach Ansicht der DKG zu starr. „Wir brauchen eine gewisse Flexibilität innerhalb der Krankenhäuser und keine festen Vorgaben“, sagte Metzinger. „Die Pflegedienstleitungen vor Ort wissen am besten, wo Pflegepersonal fehlt.“ Deshalb arbeitet die Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam mit dem Deutschen Pflegerat und der Gewerkschaft Verdi an einem Pflegepersonalbemessungsinstrument als Alternative zu den Untergrenzen.
Die Pflegepersonalbemessung soll jeweils für das gesamte Haus gelten, erläuterte der DKG-Experte. Die Hoffnung: Neben der höheren Flexibilität wird das auch zu einem Abbau von Bürokratie führen.
Eigener Plan in Arbeit
Das neue Instrument wird nach Angaben von Metzinger in 47 Krankenhäusern unterschiedlicher Größe und Trägerschaft erprobt. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ. Die Erprobung wird vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Halle wissenschaftlich begleitet. „Wir erwarten bis Ende November von dem Institut eine Rückmeldung, ob es funktioniert und welche groben Trends sich zeigen“, sagte er.
DKG, Pflegerat und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wollen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bis Ende dieses Jahres einen Vorschlag für die künftige verbindliche Bemessung des Personalbedarfs in Kliniken vorlegen. „Es bleibt spannend, wie es im nächsten Jahr weitergeht.“