Folgen der Dritten Welle

Verbände: Mehr Corona-Impfungen in Problemvierteln!

In der dritten Welle fällt auf: Besonders schwer trifft es dieses Mal Menschen, die in dicht besiedelten Gegenden und in engen Wohnverhältnissen leben. Der Druck auf die Politik, hier gegenzusteuern, wächst.

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Wo viele Menschen auf engem Raum leben, ist die Pandemielage in Deutschland derzeit offenbar am problematischsten. Der Druck auf die Politik, hier Lösungen zu finden, steigt.

Wo viele Menschen auf engem Raum leben, ist die Pandemielage in Deutschland derzeit offenbar am problematischsten. Der Druck auf die Politik, hier Lösungen zu finden, steigt.

© Jochen Tack / picture alliance

Hamburg. Ärmere Stadtteile haben eine höhere Corona-Inzidenz als die Viertel, in denen viele gut situierte Menschen leben – diese Beobachtung führt in Hamburg zu Forderungen an die Politik.

„Das Infektionsgeschehen ist in ärmeren Stadtteilen höher und Menschen mit geringem Einkommen sind besonders gefährdet: Corona ist ein Indiz dafür, dass Armut und Krankheit viel miteinander zu tun haben“, sagt etwa der Hamburger Landesvorsitzende im Sozialverband Deutschland, Klaus Wicher. Er forderte den Hamburger Senat auf, „das Problem endlich an der Wurzel zu packen“. Konkret forderte Wicher „mehr Impfzentren und mehr Impfungen“ in den sozial benachteiligten Vierteln.

Schnellstmöglich impfen

In die gleiche Richtung geht ein Vorschlag der AOK Hamburg/Rheinland. Deren Vorstand Matthias Mohrmann sagte: „Hier muss die Politik gegensteuern und dafür sorgen, dass Menschen, die in beengten Wohnverhältnissen leben, berufsbedingt nicht ins Homeoffice ausweichen können und überwiegend auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, schnellstmöglich durch flächendeckende Impfungen geschützt werden.“

Außerdem hält er niedrigschwellige Beratungsangebote für wichtig, um über Schutzmaßnahmen und den Vorteil einer Impfung aufzuklären. Als positives Beispiel hob Mohrmann den Hamburger Gesundheitskiosk hervor, mit dem ein solch niedrigschwelliges Angebot wie berichtet im sozial schwachen Billstedt/Horn erfolgreich etabliert werden konnte.

Mohrmann sieht die unterschiedliche Entwicklung in Hamburger Stadtteilen als Bestätigung einer Analyse, die seine Krankenkasse gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Düsseldorf durchführen ließ. Danach haben arbeitslose Menschen ein signifikant höheres Risiko, wegen einer Corona-Erkrankung stationär behandelt werden zu müssen. Für diese Analyse waren im ersten Halbjahr 2020 die Daten von 1,3 Millionen Versicherten ausgewertet worden. Danach hatten Bezieher von Arbeitslosengeld II ein um 84 Prozent erhöhtes Risiko für einen COVID-19-bedingten Klinikaufenthalt. Für Empfänger von Arbeitslosengeld I galt ein um 17,5 Prozent erhöhtes Risiko, beide Werte unabhängig von Alter und Geschlecht.

Wer reich ist, lebt länger

Für den Sozialverband ist die Frage nach den Impfungen nur ein Aspekt in der Verbindung zwischen Armut und Gesundheitschancen. Für Wicher steht fest: „Wer arm ist und in armen Vierteln wohnt, lebt kürzer, weil er nicht mit der gleichen Versorgung rechnen kann wie wohlhabende Patienten und vor allem nicht die Mittel hat, um sich das Notwendige selbst zu beschaffen.“

Dem rot-grünen Senat in der Hansestadt wirft er vor, das Thema Armutsbekämpfung lange vernachlässigt zu haben. (di)
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