COVID-19 und Digitalisierung
Kontaktnachverfolgung: Corona-Warn-App ahmt Luca-App nach
Erste Länder und Gesundheitsämter setzen zur Kontaktnachverfolgung auf die App Luca. Nach rund neun Monaten will nun auch der Bund seine Corona-Warn-App um die Funktion ergänzen.
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Ähnlich der App „Luca“ soll auch die Corona-Warn-App um eine Funktion zur Kontaktnachverfolgung ergänzt werden.
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Neu-Isenburg. Die digitale Kontaktnachverfolgung gilt als einer der Schlüssel zur Entlastung der Gesundheitsämter – und zur Lockerung der Corona-Maßnahmen. Nachdem es vor rund zwei Wochen aus dem Bundesgesundheitsministerium noch hieß, man wolle eine bundeseinheitliche Lösung, setzen sich in der Umsetzung nun aber doch wieder föderale Strukturen durch. So hat Mecklenburg-Vorpommern etwa eine Lizenz für die App Luca gekauft. Am Wochenende kam diese beim Drittligaspiel von Hansa Rostock zum Einsatz, bei dem erstmals auch wieder Zuschauer zugelassen waren.
Auch Berlin hat bereits bekannt gegeben, auf Luca setzen zu wollen. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ kommt „Luca“ außerdem bereits in 60 Gesundheitsämtern zum Einsatz. Weitere sollen der Zeitung bestätigt haben, die App bald einsetzen zu wollen.
Irritationen um Datenschutz
Thüringens Landesregierung hingegen hatte eine Entscheidung für eine App zur Kontaktnachverfolgung vergangene Woche vertagt. Dort sorgte am Wochenende die Bewertung des Landesdatenschutzbeauftragten Lutz Hasse für Irritationen bei Ministerpräsident Bodo Ramelow. Hasse habe zunächst keine datenschutzrechtlichen Bedenken zum Einsatz der Luca-App geäußert. In einem an den Gemeinde- und Städtebund Thüringen adressierten Brief habe er dann jedoch darum gebeten, die App noch nicht zu beschaffen. „Es besteht die theoretische Möglichkeit, dass sich anschließend noch Nachbesserungsbedarf ergibt“, hatte Hasse der dpa am Freitag gesagt.
Zuvor hatte Ramelow erklärt, die thüringische Landesregierung sei grundsätzlich offen, auf welchen App-Anbieter sie setzen wolle. „Wenn die Corona-Warn-App die gleiche Funktion einnehmen kann wie die Luca-App, dann ist es auch möglich, mit der Corona-Warn-App das zu machen“, sagte Ramelow.
Update der Corona-Warn-App in Aussicht
Die Corona-Warn-App soll im April nun tatsächlich ein ähnliches Check-In-System bekommen, wie es in der Luca-App genutzt wird. SAP entwickelt die Corona-Warn-App gemeinsam mit der Deutschen Telekom. Derzeit ist es Nutzern nur möglich, ein Kontakttagebuch zu führen, also selbst ihre Kontakte in die App einzutragen. Künftig soll dann über QR-Codes das Einchecken bei Veranstaltungen möglich sein.
Die Corona-Warn-App steht immer wieder in der Kritik, weil sie nicht den Nutzen erfüllt, den die Bundesregierung mit ihr verfolgte. Kritiker unterstellen, die hohen Datenschutzvorkehrungen blockierten einen größeren Nutzen der Corona-Warn-App.
Die Corona-Warn-App wurde seit ihrem Start im Juni 2020 rund 26,2 Millionen Mal heruntergeladen. Rund 60 Prozent aller positiven Corona-Testergebnisse, die über die App hätten geteilt werden können, wurden tatsächlich auch geteilt. Seit dem Launch der Corona-Warn-App wurde diese immer wieder mit neuen Funktionen versehen. Nun also ist nach neun Monaten die Konktaktnachverfolgung geplant. (mit Material von dpa)