COVID-19-Diagnostik
Laborverband ALM sieht Pooling-Tests kritisch
Die medizinischen Labore in Deutschland sind auf eine Ausweitung der PCR-Tests für SARS-CoV-2 vorbereitet. Der Verband steht dem Vorschlag, mehr Pooling-Tests zu machen, kritisch gegenüber.
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Abstrich eines SARS-CoV-2-Verdachtsfalles: Die Testkapazitäten in Laboren werden aktuell bei weitem nicht ausgeschöpft.
© Marijan Murat / dpa / picture alliance
Berlin. Sind Pooling-Tests auf SARS-CoV-2 in Zeiten mit niedrigen Infektionszahlen ein Mittel, um die Kosten im Zaum zu halten? Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) sehen das kritisch. Beim sogenannten Proben-Pooling, bei dem Einzelproben mehrerer Menschen in einem Reaktionsgefäß vermischt als „Proben-Pool“ zur Analyse zusammengeführt werden, verringere sich die Konzentration, sagte Vorstandsmitglied Professor Jan Kramer bei der allwöchentlichen Online-Pressekonferenz des Verbands. Bei einer zu geringen Konzentration könnte es jedoch passieren, dass die Viruslast in einer positiven Probe nicht mehr nachgewiesen werden kann.
Kramer sprach sich aber dafür aus, das Pooling als Methode zu beobachten. Doch gab er zu bedenken, dass bei einem positiven Ergebnis konsequenterweise eine Gruppenisolation aller beteiligten Testpersonen ausgesprochen werden müsse. Ein solches Ergebnis müsse dann von Einzeltests ergänzt werden. Er sieht zudem ein „hohes Risiko, dass asymptomatische Patienten bei dem Pooling-Verfahren übersehen werden.“
Auch Vorstandsmitglied Evangelos Kotsopoulos gesteht ein, dass Pooling möglicherweise bei speziellen kleinen Gruppen Kostenvorteile bieten könne. Allerdings heiße dies nicht, dass Tests für die gesamte Bevölkerung darauf umgestellt werden könnten.
In diesem Falle seien „anders, als immer wieder angeführt, durch das Pooling keine Kostenvorteile zu erwarten. Denn die über den verminderten Reagenzverbrauch erwirtschaftbaren Kostenvorteile würden durch die mit dem Pooling verbundenen deutlich erhöhten Organisations- und Prozesskosten mehr als verbraucht.“
ALM lehnt Schülertestung ab
Der Verband ging zudem auf einen Bericht der „Plusminus“-Redaktion und den Vorschlag ein, reihenweise Schüler an Schulen zu testen. Der Vorsitzende des Berufsverbandes, Dr. Michael Müller betonte, dass die diagnostische Labortestung zu den ärztlichen Leistungen gehört, zu denen auch die Beratung und das Vertrauen auf Professionalität gehöre.
Die Vorstellung, dass Schüler an einer Schule „eine Markierung über einen erfolgreichen negativen Antikörpertest erhalten, ist sehr bedenklich“, so Müller. Dies basiere auf einer naiven Vorstellung, dass es allein auf eine technische Testung ankomme und nicht auf die Beratung und Betreuung eines möglicherweise von dem Infekt betroffenen Menschen.
Rückläufige Testzahlen
Vermutlich bedingt durch den Feiertag und den anschließenden Brückentag sind die SARS-CoV-2-PCR-Tests in der vergangenen Woche (KW 21) leicht rückläufig gewesen. So wurden laut Angaben der Akkreditierten Labore in der Medizin in der KW 21 noch 296 .269 SARS-CoV-2-PCR-Tests angefordert. In der Vorwoche hatte die Zahl bei 364 .716 Tests gelegen und hatte damit ein Rekordniveau seit Beginn der Statistik erreicht.
Auch die Zahl der Antikörpertests lag mit 57 .841 niedriger als in der Vorwoche (KW 20: 74 .786). Die Testkapazitäten für die laufende Woche blieben mit rund 846 .000 SARS-CoV-2-PCR-Tests pro Woche annähernd gleich hoch.
„Wir haben die Kapazitäten sukzessive so aufgebaut, dass wir die geplante Ausweitung der PCR-Tests bei Risikogruppen, in Pflegeheimen, Krankenhäusern und bei Kontaktpersonen flächendeckend durchführen können“, bestätigte Vorstandsmitglied Evangelos Kotsopoulos.