Fachkräfte

Pflegeberufe bei Azubis beliebt

Die Zahl der Azubis in der Altenpflege ist innerhalb von fünf Schuljahren um 36 Prozent gestiegen. Kein anderer der 17 bundesrechtlich geregelten Gesundheitsberufe kann sich über einen solchen Zulauf erfreuen.

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Zufriedene Gesichter: Immer mehr junge Menschen entdecken die Pflegeberufe für sich.

Zufriedene Gesichter: Immer mehr junge Menschen entdecken die Pflegeberufe für sich.

© Andres Rodriguez / fotolia.com

BONN. Es ist ein Trend, der angesichts des demografischen Wandels Hoffnung macht: Vom Schuljahr 2007/2008 bis zum Schuljahr 2011/2012 ist die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege um 36,2 Prozent auf 55.966 gestiegen.

Insgesamt legte die Zahl der Azubis in den 17 bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberufen in diesem Zeitraum - mit diversen Schwankungen - um 5,9 Prozent auf rund 187.000 Schüler zu.

Die Zahlen hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in seiner aktuellen Studie "Gesundheitsfachberufe im Überblick" anhand der Daten des Statistischen Bundesamtes ermittelt.

Vor allem die drei Pflegeberufe - zu denen neben der Altenpflege die Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Kinderkrankenpflege zählen - sind bei den Azubis beliebt: Sie machen mit einem Anteil von 65,5 Prozent der Schüler den größten Ausbildungsbereich der Gesundheitsfachberufe aus.

Trotz nur einstelliger Wachstumsraten bleibt der Spitzenreiter unter den Ausbildungsberufen die Gesundheits- und Krankenpflege mit 59.857 Schülern in 2011/12 (plus 7,6 Prozent). Die Kinderkrankenpflege stellt erwartungsgemäß mit 6442 Schülern (plus 4,7 Prozent) den kleinsten Bereich der Pflegeberufe dar.

Spannend ist, dass auch in diesen beiden Berufen die Schülerzahlen mit nur leichten Dämpfern in den Jahren 2008/2009 und 2010/2011 nahezu kontinuierlich zugelegt haben.

"Die steigenden Ausbildungszahlen in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie insbesondere in der Altenpflege sind ein ermutigendes Zeichen", so BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser in einer Mitteilung. "Wenn der momentane Trend sich verstetigt, besteht die Chance, dass wir den gerade in dieser Branche erwarteten Fachkräftemangel abmildern können."

Ein starker Zuwachs zeigte sich auch bei den Rettungsassistenten: Hier nahmen die Zahlen von 2007/2008 bis 2011/2012 um 21,6 Prozent auf 4664 zu. Diese Ausbildung wurde zum Jahresanfang allerdings mit einer Übergangszeit abgeschafft und soll künftig zur besser ausgebildete Notfallsanitäter ersetzt werden.

Abwärts bewegen sich hingegen die Azubi-Zahlen bei den Physiotherapeuten (minus 10,1 Prozent, 22.557 Schüler) und Ergotherapeuten (minus 23,7 Prozent, 10.183 Schüler).

Die Medizinischen Fachangestellten (MFA) zählen nicht zu den 17 Gesundheitsfachberufen, sondern zu den dualen Gesundheitsberufen gemäß Berufsbildungsgesetz und wurden in dieser Studie daher nicht erfasst. (reh)

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Kommentare
Herbert Weisbrod-Frey 30.07.201409:39 Uhr

Mehr Auszubildende in der Altenpflege

Die Daten belegen, dass auch im Inland mehr Auszubildende gewonnen werden können. Die Steigerungsrate um mehr als 36% innerhalb von 5 Jahren ist ein ermutigendes Zeichen. Es ist sicher kein Zufall, dass in dieser Zeit mehrere Bundesländer das Schulgeld in der Altenpflege abgeschafft haben und die BA bei Umschulungsmaßnahmen zur Altenpflege wieder das dritte Ausbildungsjahr fördert. Für beides hat sich die Gewerkschaft ver.di massiv eingesetzt.
Aber es gibt kein Vertun: Wir brauchen mehr solcher Initiativen, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Dazu gehört die Abschaffung des Schulgelds in allen Bundesländern, die Verbesserung in der praktischen Ausbildung durch qualifizierte Praxisanleiter und auch gute Perspektiven nach der Ausbildung. Noch immer gibt es Einrichtungen, die den frisch examinierten Altenpflegerinnen nur Teilzeitstellen anbieten. Und wir brauchen eine Bezahlung, wie in anderen Ausbildungsberufen. Vor allem private Altenpflegeeinrichtungen verweigern sich jeglicher Tarifverträge mit der Gewerkschaft. Die Tarifbindung ist dort sehr gering.
ver.di hält ein Grundeinkommen in den Pflegeberufen von mindestens 3.000 Euro für angemessen. Zudem brauchen wir Arbeitsbedingungen, die einen langen Verbleib im Beruf ermöglichen. Arbeiten bis zur Rente können sich derzeit 74 % der Altenpfleger/-innen nicht vorstellen. Das ist alarmierend.
Aber wie gesagt: Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass durch aktives Handeln von Politik und Sozialpartnern deutlich mehr Menschen für den Altenpflegeberuf gewonnen werden können. Und das ist doch ein Signal jetzt in Bund und Ländern weitere Initiativen zu ergreifen.
Herbert Weisbrod-Frey
Bereichsleiter Gesundheitspolitik
beim ver.di Bundesvorstand

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