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Prof. Ursula Nestle im Interview

Ist FLASH-Radiotherapie ein neuer Meilenstein der Krebstherapie?

„Die Strahlentherapie ist eine zentrale Säule in der Krebstherapie, kommt bei fast allen Krebsentitäten zum Einsatz und entwickelt sich ständig weiter.“ Über neue Trends in diesem Bereich und ihre Highlights auf dem Krebskongress 2024 spricht Prof. Dr. Ursula Nestle, Sprecherin der AG Radiologische Onkologie in der DKG, im Interview.

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Prof. Dr. Ursula Nestle, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG)

Prof. Dr. Ursula Nestle, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

© DKG

„Häufig wird die Strahlentherapie in Kombination mit anderen Therapieformen eingesetzt – insofern ist Interdisziplinarität ein integrativer Bestandteil unserer Arbeit“, so Prof. Dr. Ursula Nestle, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Sie weist außerdem auf ihre persönlichen Kongress-Highlights hin: „Wenn es um Organerhalt geht, etwa bei der Primärbehandlung von Darm- oder Blasentumoren oder um schonende Präzisionsbehandlung, nicht nur zur Beseitigung einzelner Metastasen, sondern auch als Trigger für den besseren Effekt der Immuntherapie, nimmt die Radio-onkologie eine zunehmend wichtige Rolle ein.

Solche Ansätze werden in mehreren Sitzungen gemeinsam mit den Kollegen der operativen und medikamentösen Tumortherapie diskutiert. Spannend sind auch die vielversprechenden technisch-experimentellen Entwicklungen in der Strahlentherapie, deshalb steht die Sitzung „FLASH radiotherapy, a quantum leap in reducing side effects during radiation treatments“ fest auf meiner Agenda. Schauen Sie ins DKK-Programm, welche Sitzungen Sie für sich persönlich einplanen wollen!“

Frau Professor Nestle, die FLASH-Strahlentherapie ist eine relative neue Methode. Welche Vorteile bringt sie und bei welchen Tumorentitäten wird sie angewendet?

Die FLASH-Therapie ist eine derzeit noch experimentelle Bestrahlungsmodalität, die Strahlentherapie mit ultrahohen Dosisleistungen in extrem kurzer Zeit verabreicht. Im Vergleich zur konventionellen Therapie zeigten präklinische Studien in manchen Konstellationen eine gleichwertige oder bessere Tumorkontrolle bei deutlich verminderten Nebenwirkungen und immunologische Vorteile.

Manche Wissenschaftler glauben daher, dass die FLASH-Therapie einen neuen Meilenstein in der Krebsbehandlung darstellen könnte. Allerdings hat man gerade erst bei einzelnen Tumorentitäten und Lokalisationen, z.B. an der Haut, mit der klinischen Erprobung in Studien begonnen und sehr viele Fragen sind noch offen. Die Vision: Tumorbeseitigung mit minimalen Schäden am normalen Gewebe ist allerdings berückend, und wir sind sehr gespannt auf die ersten klinischen Ergebnisse.

Künstliche Intelligenz findet vermehrt Anwendung in der Strahlentherapie. Wofür werden KI-Algorithmen eingesetzt und welche Verbesserungen ergeben sich dadurch?

Die Digitalisierung ist ja in unserem Fach schon komplett angekommen. Ohne leistungsfähige Rechnersysteme wäre die heutige präzise und schonende Strahlentherapie nicht möglich. Auch KI beginnt nun, uns zu helfen z.B. bei der Bestrahlungsplanung oder auch bei der schnellen Anpassung an sich ändernde Situationen, z.B. die Verkleinerung von Tumoren während der Bestrahlung. Allerdings legen wir hier sehr hohe Sicherheitsstandards an, damit ganz klar ist, dass die hohe physikalische Qualität weiterhin gewährleistet ist und die ärztlichen Behandlungskonzepte klar umgesetzt werden.

Beim DKK wird auch die Rolle von Biomarkern in der Strahlentherapie diskutiert. Wie weit ist die Radiologische Onkologie auf dem Weg zur personalisierten Therapie?

Personalisierte Behandlung ist ja quasi schon immer das, was die Strahlentherapie macht. Jeder Patient erhält eine individuell geplante auf seine Erkrankung und seine individuelle Konstellation zugeschnittene Therapie. Dazu verwenden wir zunehmend auch Biomarker. So fließen Informationen aus (molekular-) pathologischen Untersuchungen von Tumorgewebe bei vielen Tumoren in Therapieentscheidungen ein, z.B. für die kombinierte Radio-Systemtherapie bei Lungen-, Kopf-Hals- oder Hirn-Tumoren.

Biomarker aus der Bildgebung werden für differenzierte Dosiskonzepte verwendet, z.B. in neuen Studien zum Prostata-Karzinom. Dies sind Beispiele, wie die Versorgung von Patienten durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kollegen z.B. aus der Pathologie, der Bildgebung, der internistischen Onkologie und der Strahlentherapie kontinuierlich verbessert wird.

Infos zum DKK 2024 im Überblick

„Fortschritt gemeinsam gestalten“ – so lautet das Motto des Deutschen Krebskongresses, der vom 21. bis 24. Februar 2024 in Berlin stattfindet. Vorab-Informationen sowie ab Kongressbeginn alle aktuellen Berichte über die DKK-Veranstaltungen finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

In Kooperation mit: Deutsche Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Fortschritt gemeinsam gestalten – so lautet das Motto des nächsten Deutschen Krebskongresses

Auf dem größten und wichtigsten onkologischen Fachkongress im deutschsprachigen Raum – 2024 mit mehr als 300 Sitzungen verschiedener Formate – treffen sich alle an der Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen beteiligten Fachrichtungen zum interdisziplinären Austausch.

„Mein zentrales Anliegen ist es, mit dem DKK 2024 den Wissenszuwachs für alle in der Onkologie engagierten Menschen voranzubringen und den interdisziplinären Austausch zwischen den Expert*innen aller Fachrichtungen weiter zu fördern“, sagt Professor Dr. Reinhard Büttner, Kongresspräsident des DKK 2024 und Direktor des Instituts für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie an der Uniklinik Köln. „Außerdem möchten wir gezielt den Nachwuchs für die Onkologie begeistern und fit für die Herausforderungen der Zukunft machen.“

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Der DKK wird gemeinsam von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe veranstaltet. Er bildet die Vielfalt onkologischer Themen in verschiedenen Sitzungsformaten, wie etwa Plenarsitzungen und Highlight-Sitzungen, ab. Zudem können sich die Teilnehmer*innen auch in interaktiven Tumorkonferenzen und Fortbildungsveranstaltungen weiterbilden.

Dabei wird der onkologische Nachwuchs gezielt eingebunden und Studierenden werden berufliche Perspektiven aufgezeigt. Aktuelle Fragestellungen, wie beispielsweise zur Krankenhausreform, werden in gesundheitspolitischen Foren diskutiert.

Dieser Bericht ist Teil der Medienkooperation zwischen Springer Medizin und der Deutschen Krebsgesellschaft / der Deutschen Krebshilfe zum DKK 2024.

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