Warn-App
Corona-App für England und Wales gestartet
Mit reichlich Verspätung startet in England und Wales eine Corona-Warn-App. Die Funktionen: umfangreicher als in Deutschland. Die Ärzteschaft zeigt sich dennoch skeptisch.
Veröffentlicht:London. Mit mehreren Wochen Verspätung und vor dem Hintergrund sich teils widersprechender Aussagen britischer Gesundheitspolitiker wurde am Donnerstag die langerwartete „NHS COVID-19 App“ gelauncht. Anlass sind drastisch steigende Infektionszahlen im Königreich.
Wie auch die deutsche Corona-Warn-App tauscht die englische App Bluetooth-Signale mit anderen Handys aus, um Kontakte anonymisiert nachzuverfolgen. Neben Warnungen nach engen Kontakten zu Corona-Infizierten gibt das englische Programm auch Auskunft darüber, wie hoch das Corona-Risiko im eigenen Postleitzahl-Gebiet ist.
Gesundheitsminister ändert Strategie
Außerdem soll die App zum Einsatz kommen, wenn sich Menschen in öffentlichen Räumen aufhalten. Die Betreiber sollen dafür einen QR-Code beantragen und aufhängen, den Besucher mit der App scannen können. Entwickelt sich die Lokalität zum Ausbruchs-Hotspot, können Nutzer über die App gewarnt werden.
Die App ist ausdrücklich und schwerpunktmäßig auch an jüngere Menschen ab 16 Jahren gerichtet, die in den vergangenen Wochen und Monaten laut Londoner Gesundheitsministerium „sehr großen Anteil an der Ausbreitung“ der Infektionskrankheit hatten.
Ursprünglich sollten nur über 18-Jährige die App nutzen. Dann änderte Gesundheitsminister Matt Hancock seine Strategie. Eigentlich sollte die App bereits im Frühsommer an den Start gehen. Es gab aber immer wieder technische Probleme.
Ärzte sind noch skeptisch
Viele Ärzte in Großbritannien sind skeptisch, ob die App tatsächlich helfen wird, das Infektionsgeschehen wieder besser unter Kontrolle zu bringen. Denn die Unsicherheit im Umgang mit einer App-Warnung ist groß: Während Minister Hancock mehrfach öffentlich gesagt hatte, jeder Patient, der über die App vor einer möglichen Infektion gewarnt wird, „muss sich 14 Tage lang selbst isolieren“, sagen andere Gesundheitsfunktionäre, bei der Aufforderung handele es sich lediglich um eine „unverbindliche Empfehlung“.
„Die widersprüchlichen Aussagen verunsichern die ohnehin schon sehr verunsicherten Patienten weiter. Das ist nicht gut“, so ein Sprecher des britischen Ärzteverbandes (British Medical Association, BMA) in London.
In Großbritannien sind seit März mehr als 40 .000 Patienten an COVID-19 gestorben. Die tägliche Anzahl der Neuinfektionen ist in jüngster Zeit wieder kräftiger gestiegen und liegt inzwischen häufig bei mehr als 5000 Neuinfektionen pro Tag. (ast/dpa)