Im Südwesten „Infektionswelle ungewöhnlich stark“
Mehr Ringelröteln-Fälle in der Region Tübingen und in Rheinland-Pfalz
Die Zahl der Menschen, die sich zurzeit in der Region Tübingen mit Ringelröteln infizieren, ist laut Uniklinik Tübingen ungewöhnlich hoch. Auch in Rheinland-Pfalz wird von Infektionen in Kitas und Schulen berichtet.
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Zur Kontrolle kommen momentan mehr Schwangere in die Uniklinik Tübingen (Symbolfoto).
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Tübingen. Die Zahl der Menschen, die sich zurzeit mit Ringelröteln infizieren, ist laut Uniklinik Tübingen ungewöhnlich hoch. Professor Karl Oliver Kagan, Leiter der Pränatalen Medizin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, berichtete, dass viele Schwangere zu Behandlungen oder Kontrollen in die Klinik kämen, die sich mit dem Parvovirus B19 angesteckt hätten.
Der SWR hatte zuvor gemeldet, dass Gynäkologen in Tübingen, Pforzheim und Böblingen von Ringelröteln-Infektionen berichteten. Wie viele Personen in der Region tatsächlich infiziert seien, könne aber nicht gesagt werden, weil nicht alle Betroffenen Symptome entwickelten, so die Uniklinik Tübingen. Auch in Kitas und Schulen in Rheinland-Pfalz soll es laut SWR und Tagesschau Fälle geben.
Bei einer Ringelröteln-Infektion der Mutter geht man laut Kagan davon aus, dass sich etwa zehn Prozent der Ungeborenen infizieren. Bei Schwangeren, die sich in der ersten Hälfte der Schwangerschaft angesteckt haben, sollte abgeklärt werden, ob die Infektion eine Blutarmut beim Kind verursache. Mithilfe des Ultraschalls werde die Durchblutungsgeschwindigkeit in einer Gehirnarterie gemessen. Die Untersuchung sollte einmal wöchentlich für etwa zehn Wochen durchgeführt werden.
Zwei Transfusionen pro Woche
„Im Falle einer Blutarmut benötigt das Ungeborene eine Blutkonserve, die von außen über die Nabelschnur verabreicht werden kann. Angesichts des geringen Durchmessers der Nabelschnur ist diese Therapie herausfordernd und eigentlich erst ab der 16. Schwangerschaftswoche möglich“, sagte Kagan. Nachdem in den vergangenen Jahren kaum Transfusionen aufgrund von Ringelröteln-Infektionen in der Tübinger Frauenklinik vorgenommen werden mussten, seien es jetzt etwa zwei pro Woche.
In den ersten Schwangerschaftswochen gebe es keine Möglichkeit, eine Infektion beziehungsweise die Blutarmut des Embryos nachzuweisen. In manchen Fällen könne im Ersttrimester-Screening in der zwölften oder dreizehnten Schwangerschaftswoche eine Blutarmut erkannt werden, für eine Bluttransfusion sei es aber dann noch zu früh. „Eine Infektion im letzten Drittel der Schwangerschaft stellt für Ungeborene in der Regel keine lebensbedrohliche Gefahr dar“, erklärte Kagan. (dpa)